Vereine werfen das Handtuch, Hallen verkommen

„Sportstadt Dortmund”: Einfach nur noch lächerlich

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Dortmund. Mit der Vergabe der Ausrichtung nach Dortmund habe sich der Deutsche Hockey-Bund für eine Stadt entschieden, die in dem Ruf steht, eine Sportstadt zu sein.

So steht es im Grußwort des Sport- und Kulturdezernenten Dortmunds, Jörg Stüdemann, zur deutschen Meisterschaft der weiblichen A-Jugend beim TSC Eintracht. Selten so gelacht. Dortmund eine Sportstadt? Ein Begriff, der - ohne über die Veränderungen nachzudenken - aus der Schublade geholt wird. Dortmund als Sportstadt zu bezeichnen, ist nur noch lächerlich. Wut kriecht hoch, wenn man diese Plattitüden liest. Dortmund ist eine Stadt von walkenden, joggenden und Gesundheitssport treibenden Bürgern, die Hochleistungssport nur noch aus dem Fernsehen kennen. Ein Bundesligist nach dem anderen geht vor die Hunde, die ranghöchsten Mannschaften dieser einstmals blühenden Sportmetropole messen sich mit Niedereimer oder Kattenvenne in der Verbands- oder Landesliga. Die Liste wird immer länger: 27 Erst- und Zweitbundesligisten haben seit den 80-er Jahren aufgeben müssen. Ein trauriger Rekord.

Marode Sportstätten

Eine Sportstätte nach der anderen wird baufällig, sieht aus, als könne man die Türen nicht mal mehr mit der Kneifzange anfassen. Ein Armutszeugnis. Sportgäste nehmen den Eindruck mit nach Hause, Dortmund sei das Armenhaus der Region. Stattdessen Leuchtturmprojekte, die man braucht, aber nicht jetzt. Sie sollten zurückstehen für Dinge, die dringend einer Sanierung bedürfen. Wie Sporthallen (vom Zustand der Straßen ganz zu schweigen). Und trotzdem nehmen Politiker reflexartig das Wort Sportstadt in den Mund. In diesem Zusammenhang: Was ist mit der neuen, schönen Sporthalle, die seit vielen Jahren versprochen worden ist, über die derzeit aber niemand mehr redet. Schweigen bedeutet Zeitgewinn...

Welche Rolle spielen die vielen gesunden Unternehmen unserer Stadt, der Handball-Abteilungsleiter Andreas Heiermann zu Recht den Schwarzen Peter zuschiebt? Keine. Sie tragen Verantwortung, obwohl sich das die Liebhaber der schönen Künste nicht vorstellen können, auch für den Sport. Natürlich werden sie jetzt argumentieren, sie könnten nicht. Wegen der weltweiten Finanzkrise. Aber was haben sie vorher getan? Nur wenige, und zwar immer die gleichen, sind bereit, dem größten deutschen Sozialwerk, dem Sport, etwas abzugeben. Traurig, aber wahr in einem immer noch reichen Staat wie Deutschland.

Welche Rolle spielt der BVB?

Und welche Rolle spielt der BVB beim Profisport-Streichorchester? Man darf davon ausgehen, dass Reinhard Rauball für Handball und Tischtennis gekämpft hat. Im mittlerweile proppevollen Gästebuch „www.bvb-handball.de” kündigen viele schwarz-gelbe Fans den Borussen die Freundschaft, empfehlen, das Vereinslied nicht mehr mitzusingen („Wir halten fest und treu zusammen”). Sie drücken ihre Wut und Fassungslosigkeit aus und glauben, dass alles von langer Hand geplant gewesen sei. Denn wo ein Wille ist, sagen sie auch, sei auch ein Weg.

Aber vielleicht klammern sich Rauball und die Abteilungen gemeinsam an Gustl Wilkes „Strohhalm”, um doch noch ans rettende Ufer zu gelangen.

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