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Schwarz-gelb und ganz viel Grau - BVB als Problem für die Sportstadt Dortmund

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Dortmund.Wie ist es um den Sport in Dortmund bestellt? Dieser Frage gehen wir in einer neuen Serie auf den Grund. Die Serie soll mehr sein als eine verklärte nostalgische Rückschau. Sie soll zum Nachdenken anregen, im besten Falle wachrütteln. Heute: eine Bestandsaufnahme.

Die Sportfreunde in Barcelona sind zu beneiden. Nicht nur wegen Messi oder ihrer unvergleichlichen Fußballmannschaft. Der Stolz Kataloniens, zweimal Schauplatz von Weltausstellungen und einmal Austragungsort der Olympischen Spiele, hat alles, was das Herz begehrt. Einen Hafen, die Ramblas und überwiegend schönes Wetter. Aber die 1,7 Mio. Metropole bietet noch mehr, denn seit Mai 2011 darf sie sich mit Fug und Recht Welthauptstadt des Sports nennen.

Innerhalb von 21 Stunden gewann der Klub die Champions League in den beiden wichtigsten Mannschafts-Ballsportarten, im Fußball und Handball. Auf ähnlichem Niveau spielen auch seine Basketballer, die sich 2010 die europäische Krone aufsetzten, und das Rollhockeyteam, eine Sportart, die auf der iberischen Halbinsel enorm populär ist. Insgesamt stehen für diese vier „Abteilungen“ 86 nationale Meisterschaften, 33 Champions-League-Titel und 52 europäische Erfolge zu Buche. Nur im Eishockey läuft es noch nicht richtig rund: trotz der drei nationalen Meisterschaften ging Barca international bislang leer aus. Vielleicht, weil das nicht mit einem Ball gespielt wird.

Erbärmlicher Zustand

Zugegeben, Dortmund hat nur ein Drittel an Einwohnern, denen ein Drittel der Erfolge deshalb schon reichen würden. Der Dortmunder an sich ist auch mächtig stolz auf seine Fußballer. Bei der Meisterfeier vor ein paar Wochen waren über 400 000 Menschen auf den Beinen, um ihren Helden zu huldigen. Wo gibt’s das sonst? Doch ist Barcelona in jeder Beziehung gleich mehrere Nummern zu groß für Dortmund, das sich einst Sportstadt nannte, allerdings auch schon mal Europas Bierstadt Nummer 1. Heute ist das kleine Warstein größer, in Sachen Bier...

Der Sport in unserer Stadt, immerhin die siebtgrößte in Deutschland, befindet sich in einem erbärmlichen Zustand. Nur der BVB besitzt eine glänzende Perspektive. Eines muss unmissverständlich klar gemacht werden: die alte Dame Borussia hat sich nicht unfair gegenüber dem „Restsport“ verhalten, sie hat niemandem etwas vorenthalten und sie hat auch niemandem die Luft zum Atmen genommen.

Der Fußball ist aber die Ursache, weil die wirtschaftlich potenten Unternehmen zu ihm drängen wie die Motten zum Licht, sich davon – wie man neudeutsch sagt – eine Win-Win-Situation versprechen und dabei viele schöne Plätzchen und Nischen rechts, links, ober- oder unterhalb des Fußballs übersehen. Das ist nicht nur in Dortmund Fakt.

Fußball findet man auf allen Fernsehkanälen. Die Öffentlich-Rechtlichen, die eigentlich eine Grundversorgung im Sport gewährleisten müssten, verfehlen ihren Auftrag gründlich. Die „Sportschau“ zeigt samstags ausschließlich Fußball, notfalls bedient sie sich in der dritten Liga. Als Zeichen der „Vielseitigkeit“ gibt es Samstagabends noch für viel Geld der Gebührenzahler „Boxevents“, die zu Jahrhundertkämpfen hochgejubelt werden und wegen viel zu dicker, schlecht trainierter oder untalentierter Gegner kaum das Niveau von Schlüters Boxbude auf dem Münsteraner Send erreichen. Und irgendwann werden ARD, ZDF oder RTL das Kaffeetrinken der Mannschaften vom Spiel der Woche live übertragen, wenn ein paar Kilometer weiter die deutschen Leichtathletik- oder Schwimm-Meisterschaften über die Bühne gehen. Fußball bewegt die Massen, ist Gesprächsthema Nummer eins, in der U-Bahn, in der Kneipe, am Arbeitsplatz. Und er ist mittlerweile ein großer Wirtschaftsfaktor.

Es wäre fatal, wenn sich der „Rest-“ oder „Randsport“ nur bemitleiden würde. Es gibt sie noch, die Vereine, die aus ihren Möglichkeiten das Optimum herausholen. Was fehlt, sind Visionäre, Leute, die anpacken und sich nicht vor Kleinarbeit scheuen, die über Jahre jäten, säen, um später die Früchte der Arbeit genießen zu können. Allerdings ist das leichter gesagt als getan, weil sie schnell erkennen, dass sie an Grenzen stoßen. Weil Sponsoren fehlen. Die Lage in Dortmund ist bedrückend, der Zustand der Sporthallen beschämend. 30 Erst- und Zweitligisten sind seit den 80-Jahren aus den obersten Ligen verschwunden, teilweise durch natürliche sportliche Schwankungen, teilweise haben sie resigniert und den Laden dicht gemacht oder sind im Hobbybereich verschwunden. Die meisten sind nicht mal sportlich abgestiegen, sondern haben den geordneten Rückzug angetreten. Nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken...

Seit den 80-er Jahren geht's bergab

Das Sterben des Hochleistungssports in unserer Stadt begann in den 80-Jahren und setzte sich in den 90-ern nahtlos fort und verfiel danach in Agonie. Seitdem geht nichts mehr, viele gingen, nur wenige kamen. Seit mehr als zehn Jahren ist eine neue, bundesligareife, Dortmund angemessene Halle im Gespräch.

Die Gäste von auswärts rümpfen die Nasen, wenn sie in die Spiel-und Sportstätten kommen. Über eine Sportstiftung wird genau so lang diskutiert. Sie steht zwar schon auf dem Papier, aber passiert ist nichts. Mehr als ein Jahrzehnt lang!

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