Studenten-Weltmeister Rolf Krüsmann im Porträt

Im Unfrieden geschieden

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Schwerte. Er gewann 1966 EM-Silber und führte als Trainer zahlreiche Spitzen-Leichtathleten zu internationalen Ehren. Heute hat Rolf Krüsmann mit „seinem” Sport abgeschlossen. Warum, erzählt der 67-Jährige im WR-Porträt.

Rolf Krüsmann hat als Aktiver so ziemlich alles erreicht, was ein Spitzensportler anstrebt. Der Geisecker wurde Studenten-Weltmeister in Tokio, gewann mit seinen Teamkollegen Friedrich Roderfeld, Jens Ulbricht und Manfred Kinder bei der Leichtathletik-Europameisterschaft 1966 in Budapest mit der 4x400-Meter-Staffel die Silbermedaille und belegte im 400-Meter-Einzellauf in 46,7 Sekunden sensationell den fünften Rang.

Später trainierte der ehemalige Berufsschullehrer zunächst die 400m-Junioren des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV). Er schmiedete Talente gleich massenweise. So auch den Ergster Olaf Hense, die Schwerter Stefan Audehm und Jörg Vaihinger sowie den Kamener Europameister Hartmut Weber, die er allesamt an die Spitze der Leichtathletik-Szene führte. Seinen größten Erfolg als DLV-Senioren-Trainer (1989 bis 1996) konnte der Ruhrstädter während der Leichtathletik-Weltmeisterschaft am 22. August 1993 im damaligen Gottlieb-Daimler-Stadion in Stuttgart feiern. Seine Schützlinge Rico Lieder, Karsten Just, Thomas Schönlebe und Olaf Hense gewannen mit der deutschen 4x400m-Staffel die Bronzemedaille.

"Ich bekomme keine feuchten Hände mehr"

Zu seinen ganz großen sportlichen Ereignissen zählen auch die Erdteil-Wettkämpfe, bei denen Rolf Krüsmann 1989 in Barcelona und 1991 in Havanna (Kuba) die Europaauswahl als Coach betreute. Seinen letzten großen sportlichen Auftritt feierte der frühere 400-Meter-Star 1995 bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Göteborg (Schweden). Zu den olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta wurde er vom DLV nicht mehr nominiert.

Aber der Reihe nach. Erstes Treffen nach fast 16 Jahren. Beim Gespräch im schmucken Haus von Rolf Krüsmann und seiner Gattin Helmi („Mein Mann und ich haben uns während des Studiums kennengelernt”) sind die Erinnerungen an damals schnell wieder aufgefrischt. Ganz so, als wären die Uhren stehengeblieben. Der Hausherr erzählt, dass seine Frau der kreative Kopf in der Familie sei. Vor allen Dingen wenn es darum gehe, den großen Garten zu gestalten. Ihm selber bleibe dabei die körperliche Arbeit – und die sei ausreichend vorhanden. Bei der Größe des Grundstücks ist das nachvollziehbar. „Trotz der Arbeit: Ich genieße den Tag so, als sei ich im Urlaub. Morgens lese ich in aller Ruhe die Westfälische Rundschau. Zudem frühstücke ich lange. Zweimal in der Woche kommt unsere 16 Monate alte Enkeltochter zu uns. Ich unternehme jeden Morgen mit unserem betagten und leider lahmenden Hund Dasty einen Gang durch die Ruhrwiesen”, so der pensionierte Berufsschullehrer. Zudem verfolge er die Tennismatches seines Sohnes Dennis. „Ich bin zwar nach wie vor an der Leichtathletik interessiert, doch bekomme heute keine feuchten Hände mehr”, sagt Rolf Krüsmann, der 1985 das Haus Am Eulenhof in Geisecke baute.

"Schlägt Krüsmann Kinder?"

Das Jahr 1996 beschreibt Krüsmann als „das Jahr mit vielen Rückschlägen, beruflich als auch privat”. Ein Hund brachte den durchtrainierten Sportler auf seinem Grundstück so schwer zu Fall, dass er mit schweren Knie- und Knochenverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die Verletzungen waren so schwer, dass Krüsmann den Berufsschuldienst quittieren musste. Der ehemalige Pädagoge und Sportlehrer: „Ich konnte damals keine 90 Minuten mehr stehen, geschweige denn Sportunterricht leisten.” Der frühere 400m-Läufer leidet heute noch unter dem Unfall. In der ersten Verletzungsphase habe er verletzungsbedingt auch seinen Dienst als DLV-Trainer nicht zu 100 Prozent ausfüllen können. „Ich war in der Vorbereitungsphase zu Olympia in Atlanta beeinträchtigt”, gibt der 67-Jährige zu. Doch wie der DLV ihn in dieser Phase abservierte, habe ihn schon arg getroffen. Der Verband habe ihm kurz und unpersönlich mitgeteilt: „Du bist zur nächsten Trainertagung nicht mehr eingeladen. Und das ohne Begründung. So geht man doch nach einem Viertel-Jahrhundert gemeinsamer Arbeit nicht miteinander um”, so der noch immer tief Getroffene. „Ich war immer mit Herzblut dabei.”

Ein wenig wird sein Ärger durch noch immer bei ihm eintreffende Autogrammwünsche gemildert. In bester Erinnerung sei ihm aber noch immer eine Schlagzeile, die vor einem Wettkampf in Bochum gegen Manfred Kinder, der damals für den OSV Hörde startete und in den 60er Jahren zu den weltbesten 400m-Läufern gehörte, erschienen war. „Schlägt Krüsmann Kinder?”, habe es dort geheißen...

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