Leichtathletik

WM-Aus und DM-Sieg: Petros im Wechselbad der Gefühle

DM-Sieger im Straßenlauf nach der Nachricht vom WM-Aus: Amanal Petros vom TV Wattenscheid 01.

DM-Sieger im Straßenlauf nach der Nachricht vom WM-Aus: Amanal Petros vom TV Wattenscheid 01.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Bochum.  Für die WM hat es wegen fadenscheiniger Kriterien des Weltverbandes nicht gereicht. Bei der DM über 10 Kilometer siegte Wattenscheids Petros.

Untröstlich war er noch am Freitag. Tono Kirschbaum, sein Lauftrainer, und Michael Huke, der Manager des TV Wattenscheid 01, mühten sich um moralische Aufbauhilfe. Amanal Petros, der zurzeit stärkste Ausdauerläufer des Vereins, darf bei der WM auch wegen fadenscheiniger Kriterien des Weltverbandes IAAF nicht starten. Bei der Deutschen Meisterschaft im 10-Kilometer-Straßenlauf entlud sich der Frust in einer starken Leistung. Petros siegte in Siegburg und bescherte dem in dieser Saison gebeutelten TV Wattenscheid 01 einen DM-Titel.

Auch Jasinski muss die WM in Katar abhaken

Neben Petros hat auch Diskuswerfer Daniel Jasinski die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Doha/Katar, die Ende dieses Monats beginnt, verpasst. Deutschlands Nummer zwei Christoph Harting wurde in der letzten Nominierungs-Runde aufgestellt, die in dieser Saison besten Drei dieses Landes (Harting, Martin Wierig, David Wrobel) vertreten also Deutschland bei der WM. Jasinski hatte nach spätem Saisoneinstieg wegen einer langwierigen Verletzung zuvor die Norm nicht ganz geschafft und liegt in der Deutschen Jahresbestenliste auf Rang vier.

Vier, fünf Athleten bei den Olympischen Spielen sind das Ziel

Damit startet kein einziger Athlet des TV Wattenscheid 01 bei der WM, Top-Athleten wie Pamela Dutkiewicz und Robin Erewa mussten verletzt passen. Ein Saisonhöhepunkt ohne den TV 01, das gab es in den vergangenen Jahrzehnten noch nie. „Das ist bitter“, sagt Michael Huke und blickt gleich kampfeslustig voraus. „Unser Fokus liegt nun bereits auf den Olympischen Spielen in Tokio 2020. Dort wollen wir mit vier, fünf Athleten dabei sein, das ist unser Kampfziel.“

Wattenscheids Verantwortliche wettern gegen die Kriterien des Weltverbandes

Besonders bitter war das WM-Aus für Amanal Petros. Platz 17 über 10.000 Meter in der Weltbestenliste 2019 und Platz eins in Deutschland reichen dem Weltverband IAAF nicht für eine Einladung, die Norm (27:40,00 Minuten) hatte Petros deutlich verpasst (27:52,25). „Diese Normen sind so hoch angesetzt, dass sie weltweit nur wenige erreichen können“, wettert Wattenscheids Manager Michael Huke.

Nummer drei über 5000 Meter

Auch auf der 5000 Meter-Distanz wird Petros sein Können nicht zeigen dürfen. Nur zwei Hundertstel trennen ihn hier von der Norm, die zwei deutsche Athleten - Sam Parsons und Richard Ringer - geknackt hatten. Zwar werden 42 Läufer von der IAAF eingeladen, Petros nimmt in der Weltbestenliste genau diesen Platz ein. Da er aber die Norm nicht erreicht hat, wird ein Läufer diesen Startplatz einnehmen, der sportlich weit hinter Amanal liegt, dessen Nation aber ansonsten keinen Teilnehmer bei der WM an den Start bringt.

Kirschbaum: Das ist eine rein politische Entscheidung

„Das ist eine rein politische Entscheidung. Die IAAF braucht Nationen für ihre Teilnehmerstatistik“, kommentierte sein Trainer Tono Kirschbaum die Entscheidung. Auch Michael Huke findet deutliche Worte, der Willkür der Entscheidungsträger im IAAF sei hier Tür und Tor geöffnet. „Das ist sportlich eine absolute Katastrophe“, sagt Huke.

Petros zeigt sich überaus kämpferisch

Entsprechend groß war die Enttäuschung bei Petros, der aber nicht den Kopf hängen ließ. „Coach, ich starte in Siegburg. Das bin ich dir und dem Verein schuldig“, sagte Amanal Petros kämpferisch - und mit einer überzeugenden Leistung stellte er seine Klasse unter Beweis.

Vier Runden galt es bei den Deutschen Meisterschaften im 10-Kilometer-Straßenlauf in Siegburg zurückzulegen, dabei gab es einen 900 Meter langen Abschnitt, bei dem es bergauf ging und an dessen Ende Kopfsteinpflaster wartete.

Am Ende kann dem Wattenscheider keiner mehr folgen

Amanal Petros verschärfte auf der letzten Runde das Tempo in einer eng beieinander liegenden Spitzengruppe. Am Ende konnte dem 24-Jährigen niemand mehr folgen, das bedeutete den zweiten deutschen Meistertitel auf dem „Straßen-Zehner“ für den Wattenscheider Langstreckler.

In 28:54 Minuten blieb Petros auf der schwierigen Strecke nur fünf Sekunden über seiner persönlichen Bestzeit. „Ein kleines Trostpflaster“ sagte Amanal Petros danach, „und so schnell lass ich mich auch nicht unterkriegen. Tokio 2020 bleibt mein Ziel.“

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