Basketball - 2. Liga ProB

Für Sparkassen-Stars-Trainer sind die Playoffs noch weit weg

Für Niklas Bilski (r.) und die VfL Sparkassen-Stars Bochum geht die Saison los.

Für Niklas Bilski (r.) und die VfL Sparkassen-Stars Bochum geht die Saison los.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Felix Banobre geht in seine erste komplette Saison als Trainer der VfL Sparkassen-Stars. Er soll ein Team entwickeln, das um den Aufstieg spielt.

Felix Banobre ist durchaus ein Fußball-Fan. Das Spiel des VfL Bochum gegen Dynamo Dresden verfolgte er dennoch nur mit einem halben Auge. Der Trainer der Basketballer der VfL Sparkassen-Stars sah stattdessen lieber auf sein Tablet. Als die Bochumer Basketballer beim Bundesliga-Spiel im Ruhrstadion vorgestellt wurden, lief zeitgleich das Finale der Basketball-Weltmeisterschaft. Spanien setzte sich da am Ende deutlich gegen Argentinien durch und Banobre konnte jubeln. Spanien ist seine Wahlheimat.

Seit dem Frühjahr diesen Jahres ist Banobre Trainer der Basketballer der VfL Sparkassen-Stars Bochum. Er folgte auf Gary Johnson. Banobre hat eine ungewöhnliche Vita. Geboren und aufgewachsen ist er in London, im Stadtteil Chelsea. Da war Basketball noch ganz weit weg. Er spielte die typischen englischen Sportarten Cricket und Rugby, Fußball gefiel ihm als Fan. Er unterstützte Westham United, das neben Arsenal, Chelsea und den Tottenham Hotspurs unbekannteste Team aus London. „Das lag wohl daran“, sagt er, „dass mein erstes Spiel als Zuschauer im Stadion Chelsea gegen Westham war. Die meisten hielten zu Chelsea, da hielt ich zu Westham.“

Ungewöhnliches Probetraining

Als er 15 Jahre alt war, entschieden seine Eltern, nach Spanien umzuziehen. „Als ich dann da in einer Einkaufspassage unterwegs war, sprach mich ein Basketballscout an“, sagt Banobre. „Ich war groß, ich war athletisch. Ich habe als Heranwachsender viele Sportarten ausprobiert. Ich bin dann zum Probetraining gegangen.“ Was dann passierte, erzählt Banobre mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Sie haben mir dann den Ball zugespielt. Ich bin los gelaufen und habe den Ball hinter die Grundlinie gelegt. Fünf Punkte gab das.“ Hätte es beim Rugby gegeben. Banobre durfte dennoch bleiben. Es war der ungewöhnliche Auftakt für eine ungewöhnliche Laufbahn als Basketballer.

Viele Jahre arbeitete er zunächst als Jugendtrainer und Cheftrainer im spanischen Basketball. In der Saison 2005/06 gehörte er beispielsweise als Assistenztrainer zum Stab der Erstligamannschaft CB Breogán. Danach arbeitete er wieder als Jugendtrainer beim spanischen Erstligisten Pamesa Valencia. Bei Basketball-Camps im Sommer, bei denen er zusätzlich zu seinen Aufgaben als Vereinstrainer arbeitete, trainierte er auch spätere NBA- und Nationalspieler wie Sergio Llull, Ricky Rubio sowie Marc Gasol und Pau Gasol. Sie zählten nun zu den Spielern, die den WM-Titel für Spanien holten.

Erfurt, Wedel, Bochum

Im Spieljahr 2009/10 war er Cheftrainer von Ferrol CB in der vierthöchsten spanischen Liga. Nach vielen Jahren als Jugendtrainer folgte dann die erste Auslandaufgabe. Im April 2013 wurde er als neuer Cheftrainer des dänischen Erstligisten FOG Næstved vorgestellt. Mit Beginn der Saison 2015/16 folgte seine zweite Auslandsstation. Bañobre wurde Trainer beim Regionalligisten BC Erfurt, der damals mit dem Zweitligisten Gotha zusammenarbeitete.

Zur Saison 2016/17 wechselte er zum SC Rist Wedel in die 2. Bundesliga ProB. Er blieb dort drei Jahre, war in der Saison 2016/17 nicht nur die Wedeler Mannschaft, sondern auch für die Piraten Hamburg, den Nachwuchs der Hamburg Towers, Wedels Kooperationspartner, in der NBBL zuständig. Wedel führte er im Spieljahr 2018/19 auf den dritten Platz in der ProB-Hauptrunde. Von da ging es nach Bochum.

Altersdurchschnitt von unter 23 Jahren

Hier soll er nun ein Team aufbauen, dass möglichst zeitnah um den Aufstieg in die ProA mitspielen kann. Das Ziel aber ist für ihn derzeit noch ganz weit weg. „Ich verstehe, dass alle an die Playoffs denken. Aber die starten im März. Jetzt haben wir September. Jetzt geht es darum, gut in die Saison zu starten und uns als Team zu finden.“

Es ist ein junges Team, das Banobre da formen und führen soll. Mit einem Altersdurchschnitt von unter 23 Jahren gehört es zu den jüngsten der 2. Bundesliga und wenn Banobre über einzelne Spieler spricht, hört es sich so an, als würde ein Vater über seine Söhne sprechen. Es ist ein Team, das, abgesehen von Center Zackary Haney, ausschließlich aus deutschen Spielern besteht. „Ich bin froh“, sagt Banobre, „dass wir sie für zwei Jahren an den Verein gebunden haben. Kopf und Körper müssen bei ihnen trainiert werden. Wir können perspektivisch mit ihnen arbeiten und dafür sorgen, dass die Fans sich mit diesem Team identifizieren können.“ Banobre will vor allem eine Mannschaft, ein eingeschworenes Team auf dem Feld sehen. Eins, das miteinander und füreinander kämpft und alles gibt.

Nur ein Nicht-EU-Bürger ist erlaubt

Ein längerfristiges Teambuilding gestaltet sich im Basketball bisweilen schwierig. Zumeist wechseln die Teams der 1. und 2. Bundesliga die Spieler in ihrem Teams von Saison zu Saison extrem aus. In der 1. Liga und der 2. Liga ProA liegt das vor allem daran, dass mehr Spieler eingesetzt werden dürfen, die nicht aus einem EU-Land kommen. In der ProB darf genau ein Spieler aus einem Nicht-EU-Land auf dem Feld stehen.

Bei den Sparkassen-Stars wird das Zackary Haney sein. Er ist der einzige EU-Bürger bei den Bochumern. Den ganzen Sommer über suchte Banobre nach ihm, oder besser nach so einem Spielertyp. „Dieser Sommer war echt verrückt“, sagt Banobre. „Ich habe mir auch am Strand Videos von Spielern angesehen.“ Haney passe perfekt ins Team. „Wir brauchten einen Spieler für das Spiel unter den Körben. Spieler, die von außen treffen können, haben wir.“

Infrastruktur stimmt

Was ebenfalls bei den Sparkassen-Stars stimmt, ist die für den Aufstieg nötige Infrastruktur. Seit Mitte des Jahres liegt in der Rundsporthalle Parkettboden. Sollte es mit dem Aufstieg klappen, hat die Stadt bereits signalisiert, die dann notwendigen Standkörbe mitzufinanzieren.

Zudem hat Banobre nun neben seinem Co-Trainer Petar Topalski einen großen Mitarbeiterstab. „Sie nehmen mir viel Arbeit ab“, sagt er. „Ich kann mich komplett auf den Basketball konzentrieren, auf das Training und das Scouting.“

Das Team hinter dem Team

Dr. Roland Kretsch ist der Teamarzt, Frederic Meinert der Physiotherapeut des Teams, Manager ist Bastian Rickenberg, Athletiktrainer Jo-Lam Vuong, Felix Engel ist ebenso wie Topalski Bindeglied zum Nachwuchs in der NBBL und der JBBL. „Das waren allesamt die besten Verpflichtungen, die wir machen konnten“, sagt Banobre, ohne Hans Peter Diehr zu vergessen. „Ohne ihn wäre das hier alles ohnehin nicht möglich..“

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