Powerchair-Hockey

Ein Kampf mit quietschenden Reifen

Braucht einen Sportrollstuhl: Johanna Ruhrbruch (rechts). Dafür wurde eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

Braucht einen Sportrollstuhl: Johanna Ruhrbruch (rechts). Dafür wurde eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Powerchair-Hockey heißt die Sportart, bei der Elektro-Rollstühle zum Sportgerät werden. Gespielt wird das auch von den Bochum Hurricanes.

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„Schönes Ding“. Jan Ruhrbruch, Trainer der Bochumer Hurricanes, beklatscht einen sehenswerten Treffer aus der zweiten Reihe. Powerchair-Hockey heißt die Sportart, bei der Elektro-Rollstühle zum Sportgerät werden. Mit bis zu 13 Stundenkilometern flitzen die Spieler dabei im Training durch die Halle. Die Reifen quietschen bei den rasanten Wendemanövern, ein ums andere Mal prallen die Rollstühle aneinander. Jeder Ball ist hart umkämpft. Die Beeinträchtigungen der Spieler rücken dabei in den Hintergrund: „Die Behinderung spielt hier keine Rolle, es geht einzig und allein um den Sport“, betont Ruhrbruch.

Berücksichtigt wird die Behinderung nur bei der Mannschaftsaufstellung. Jede Mannschaft, die aus vier Feldspielern und einem Torwart besteht, muss eine Klassifizierung von maximal elf Punkten einhalten. Dazu werde jedem der fünf Spieler eine Punktzahl zugewiesen, die den Grad der körperlichen Einschränkung berücksichtigt: ein Punkt bei starker Einschränkung, fünf Punkte bei vergleichsweise leichter Behinderung. Damit wolle man faire Wettkampfbedingungen schaffen, so Ruhrbruch. Die Regeln gleichen denen des Feldhockeys, abgerundete Banden begrenzen das Spielfeld. Ein Spiel besteht aus zwei Halbzeiten á 20 Minuten. Wer den Hockeyschläger nicht selbst halten kann, spielt mit einem so genannten Festschläger, der vorne am Rollstuhl montiert ist.

Ein Selbstversuch zeigt, dass die Umsetzung schwieriger ist als gedacht. Das bloße Geradeausfahren klappt nach einer kurzen Einweisung und Gewöhnung ganz gut, die Freude ist allerdings nur von kurzer Dauer. „Und jetzt mit Schläger, hier soll sich ja keiner unterfordert fühlen“, fordert Stürmerin Manuela Rahlf mit einem Schmunzeln. Der Versuch, sich samt Ball zu drehen, scheitert dann kläglich. Zu ungewohnt ist die feinfühlige Bedienung des Joysticks. Schon bei der kleinsten Berührung dreht sich der Rollstuhl um 180 Grad. „Das ist ganz normal. Bis man so weit ist, dass man in den Spielen voll einsatzfähig ist, können schon zwei bis drei Jahre vergehen“, erzählt Trainer Ruhrbruch.

Drei Spieltage mit allen Teams

Aktuell trainieren die Bochumer Hurricanes für ihren Saisonauftakt vor heimischer Kulisse Anfang März. Nach dem Aufstieg in die zweite PCH-Bundesliga im vergangenen Jahr gilt es, die Klasse zu halten. Für alle ein besonderes Ereignis, finden Spieltage doch nur drei Mal im Jahr statt. Dann treffen sich alle fünf Mannschaften und tragen ihre Spiele nacheinander in einer Halle aus. Anders wären die Spieltage nicht zu stemmen, wie Mutter Regina Ruhrbruch erzählt: „Die Teams sind ja über ganz Deutschland verteilt.

Mit den Rollstühlen und dem ganzen Equipment könnten wir nicht jedes Wochenende quer durchs Land touren.“ Nichtsdestotrotz nehmen die Eltern die Strapazen gerne in Kauf, wie Stephanie Winkelmann betont: „Wir sind froh, dass es einen Sport gibt, den sie machen können.“

Weil Powerchair-Hockey noch ein weitgehend unbekannter Sport ist, muss der spendenfinanzierte Verein oft improvisieren. Alle Rollstühle wurden privat angeschafft und für den Sport aufgerüstet. Die Tore – Marke Eigenbau. Trainiert wird alle zwei Wochen in wechselnden Hallen. Die Mannschaft ist bunt gemischt. Die Altersspanne reicht von 14 bis 60 Jahren, Männer und Frauen spielen hier gemeinsam in einem Team. Zwei Spieler reisen sogar aus Köln und Frankfurt an.

Sie alle haben den Wunsch, ihren Sport bekannter zu machen. Momentan habe man eine regelrechte Aufbruchstimmung, freut sich Jan Ruhrbruch. „Wir haben mittlerweile eigene Social-Media-Seiten und einen Sportblogger, der Fotos von unserem Team macht.“ Ziel sei es, den einen oder anderen Zuschauer mehr zu gewinnen. „Bislang kommen hauptsächlich die Familien und Freunde zu unseren Spielen. Noch schöner wäre es natürlich, wenn wir in Zukunft auch ein paar unbeteiligte Zuschauer erreichen könnten.“

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