Leichtathletik

Wie der Hüstener Lauftreff den inneren Schweinehund bezwingt

Alle Sportler des Hüstener Lauftreffs hören auf Trainerin Claudia Simon (links).

Alle Sportler des Hüstener Lauftreffs hören auf Trainerin Claudia Simon (links).

Foto: Georg Giannakis

Arnsberg-Hüsten.  Neue Leute kennenlernen, etwas für den Körper tun und gemeinsam ein großes Ziel schaffen: Das ist die Motivation für Teilnehmer eines Lauftreffs.

Laut und stimmungsvoll geht es im Hüstener Stadion Große Wiese zu. Aber weder treiben frenetische Fußball-Fans von der Tribüne aus den Lärmpegel nach oben, noch sorgen irgendwelche Kicker auf den grünen Rasen für entsprechende Euphorie. Viel mehr macht eine 30-köpfige Gruppe, bestehend aus Frauen und Herren mittleren und höheren Alters, lauthals lachend und in amüsierender Art und Weise auf sich aufmerksam – der Hüstener Lauftreff.

Leichte Anspannung paart sich an diesem Nachmittag mit ausgelassener Vorfreude, schließlich fühlt sich das von einem engagierten Personenkreis ins Leben gerufene Projekt „Lauftreff von 0 auf 5 Kilometer in der zweiten Lebenshälfte“ für 50- bis 70-jährige Starter beinahe wie eine Art Einschulung an. Denn viele der Teilnehmer kennen sich untereinander nicht. Sie müssen und wollen sich erst beschnuppern und dann für ein gemeinsames Ziel ackern: Im Zuge des Silvesterlaufs von Werl nach Soest möchten sie die Fünf-Kilometer-Strecke von Ampen bis nach Soest meistern. „Das wollen wir gerne schaffen. Und wir werden das auch schaffen“, packt Karl-Heinz Conrady bereits der Ehrgeiz.

Stadt Arnsberg unterstützt die Idee

Voller Elan und Motivation strotzt der 69-Jährige einerseits deshalb, weil der Rentner selbst noch regelmäßig aktiv Freizeitsport betreibt. Und andererseits, weil er der Initiator des ehrgeizigen Projektes ist und demnach versuchen möchte, nun auch bei anderen Senioren die Begeisterung für das Sporttreiben zu wecken. „Rumsitzen und nichts zu tun – das darf für niemanden eine Option sein. Ganz egal, ob jünger oder älter, sich zu bewegen fördert das Wohlbefinden und unterstützt die Gesundheit. Und wenn man dann noch in der Gemeinschaft Sport treibt, tut man etwas in Sachen sozialer Komponente“, so Conrady.

Diese Idee findet auch bei der Stadt Arnsberg großen Zuspruch. Als Karl-Heinz Conrady, Antje Busbach und Herbert Giller Anfang des Jahres das Konzept bei der städtischen Engagementförderung einreichten, dauerte es nicht lange, bis die verantwortliche Sachbearbeiterin und Leiterin der Engagementförderung, Petra Vorwerk, der Projektgruppe grünes Licht gab und Unterstützung zusicherte. „So etwas kann man nur begrüßen. Einen besseren Türöffner, um vielleicht den ein oder anderen später einmal für das Mitmachen in einem Verein zu begeistern, kann es doch nicht geben“, sagt Vorwerk. Gemeinsam mit Bürgermeister Ralf Paul Bittner machte sie sich ein Bild von der Debüt-Trainingseinheit und spendete den Protagonisten ersten Beifall.

Jeden Donnerstag von 17.30 bis 18.30 Uhr wird das Kollektiv – in überschaubaren Schritten – konditionell und läuferisch trainiert. Dafür zuständig ist Claudia Simon. Als Trainerin beim TV Arnsberg sowie einstige Leistungsschwimmerin und Marathonläuferin, verfügt die 34-Jährige über die Fähigkeiten, um ihre Ü50-Akteure frisch und leistungsfähig zu machen. „Jetzt spielen wir ein bisschen und beschnuppern uns sogleich“, erklärt die Übungsleiterin den um sie im Kreis versammelten Neulingen. Der jeweilige Fitnesszustand der einzelnen Teilnehmer ist gerade völlig nebensächlich. „Wir fangen ganz locker und bei Null an“, betont sie und erklärt die erste gemeinsamen Einheit. „Wir spielen jetzt quasi „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“. Ihr müsst aber nicht nur irgendwelche Dinge aufzählen, sondern euch einzeln mit Namen vorstellen, eine Bewegungsfigur vorführen und natürlich die Namen und die vorgeführten Figuren der Personen, die vor euch dran waren, allesamt wiederholen.“

Quatschen und laufen

Gesagt, getan: Nacheinander tritt jeder der Teilnehmer in Aktion und versucht möglichst fehlerfrei die Aufgabe zu meistern. Wieder ist lautes Lachen zu hören, alle Sportler lassen sich auf dieses Experiment ein. Aufgewärmt im kleinen Lauf-ABC absolvieren die Senioren und Rentner anschließend ihre erste Laufübung. Langsam und ohne Druck joggen die in sportlichen Outfits gekleideten Teilnehmer einige hundert Meter. Derweil einige, scheinbar durchtrainiertere Hobbyläufer, ihren Mitstreitern davoneilen, lassen sich andere Zeit und fangen auf der Tartanbahn im Hüstener Stadion auch an zu quatschen.

Bis die letzten „Grüppchen“ ans Ziel kommen, baut Claudia Simon unterdessen mit Hütchen und bunten Ringen einen Laufparcours auf. Ein letztes Mal wird das Kollektiv gefordert. Noch einmal erhöht sich der Pulsschlag: Kurze schnelle Antritte und hüpfende Einheiten sind nun gefordert. Aber alle halten den Übungen stand. Die Premiere des Projekts kommt gut an.

„Ich bin ordentlich ins Schwitzen gekommen, aber es war schön und hat richtig Spaß gemacht“, sagt eine Teilnehmerin. Im Anschluss wird miteinander geklönt. Karl-Heinz Conrady: „Wir wollen als Einheit auftreten und in einem Vierteljahr den Zuschauern des Silvesterlaufs unser Können demonstrieren.“

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