Radsport

Vor der Sauerland-Rundfahrt: Fitnesstipps von Zweirad-Profis

Großer Zusammenhalt: Das Team Sauerland Jedermann präsentiert sich in dieser Saison mit fünf Fahrern und einer Fahrerin.

Großer Zusammenhalt: Das Team Sauerland Jedermann präsentiert sich in dieser Saison mit fünf Fahrern und einer Fahrerin.

Foto: Verein

Sauerland.  Wie trainiere ich richtig? Was ist die beste Ernährung? Und wie finde ich Mitstreiter? Die Radfahrer des Teams Sauerland Jedermann geben Tipps.

Die Sauerland-Rundfahrt, die an diesem Sonntag in ihre dritte Auflage geht, übt auf heimische Radsportler eine große Faszination aus. Im Vorfeld der Großveranstaltung von Arnsberg-Neheim nach Winterberg liefern die Fahrer des Teams Sauerland Jedermann wichtige Hinweise und Fitnesstipps für Radsport-Einsteiger und Fortgeschrittene.

Stefan Hecking (Neheim)

Die „Jedermänner“ des Teams Sauerland NRW sind sich sicher: „Das Rennradfahren macht aus, dass wir draußen auf der Straße unterwegs sind, allein oder in der Gruppe. Vor allem hier im Sauerland kurbeln wir Berge hinauf und rasen mit einem breiten Grinsen wieder herunter.“ Die Voraussetzung, dass eine Ausfahrt ein Vergnügen bleibt, ist indes die Wachsamkeit im Straßenverkehr. „Insbesondere in den Abfahrten, die in unserer Region teilweise sehr kurvig sind, kommt es auf die Blickführung an. Man sollte weit vorausschauen und möglichst direkt zum Kurvenausgang blicken“, weiß Stefan Hecking. Ebenso wichtig sei „straßentaugliches Material“. Da erinnere er sich „mit einem Lächeln gerne an mein erstes Rad zurück“. Eine gute Beratung durch einen Fachhändler inklusive einer Einweisung sei für den Einsteiger ein Muss.

Daniel Hülsmann (Brilon)

Jeder Einsteiger, der für sich den Radsport erkundet, sollte sich vor allem Gleichgesinnte suchen, sich gemeinsam austauschen und: gemeinsam fahren. Hilfreich ist hierbei neben Sozialen Netzwerken wie Facebook auch die Trainingsplattform Strava. „Die kostenlose App motiviert und bietet eine gute Möglichkeit, mit Radsportlern in der Region in Kontakt zu treten. Ebenso ist sie eine gute Möglichkeit, das Training zu dokumentieren, zu analysieren und Fortschritte sichtbar zu machen“, sagt Daniel Hülsmann.

Der Briloner setzt sich Saisonziele und Höhepunkte, die ihn beim Training motivieren, wie zum Beispiel einen Radmarathon. Der Vorteil: In Verbindung mit einem Kurzurlaub freut sich die Familie, denn ab einem gewissen Pensum werden Familie und Freunde zum großen Motivationsfaktor. Gleichzeitig ist viel Verständnis für die vielen Stunden auf dem Rennrad gefragt – da will man etwas zurückgeben, wie Hülsmann betont. Hülsmann legt pro Jahr die meisten Kilometer des Teams zurück. Radsportler werden aus seiner Sicht „bei den langen Grundlagenausfahrten im Winter gemacht“.

Rafael Hennes (Attendorn)

Das kann als ehemaliger Profi auch Rafael Hennes unterstreichen. Ab Mitte März intensiviert auch er sein Training mit zwei kurzen Intervalleinheiten pro Woche. „Intervalle sind in der Ausdauersportszene beim Training kaum noch wegzudenken. Dabei sind auch hier die Länge, die Anzahl der Wiederholungen und die Intensität noch variabel: 20 Sekunden-Intervalle können mit mehr Watt gefahren werden als Acht-Minuten-Intervalle“, sagt er. Um besser zu werden seien gerade die Einheiten, die nicht in der Komfortzone liegen, der springende Punkt.

Philipp Hünting (Neheim)

Die Devise von Teamkollege Philipp Hünting: Erst bei mehr als 20 Grad Celsius fährt der Neheimer in Kurzarmtrikot und kurzer Radhose. Mit der guten Radbekleidung wird ihm bei niedrigeren Temperaturen nicht zu warm, viel mehr kann der Körper die so eingesparte Wärmeenergie in Watt umsetzen und auf das Pedal bringen. Hünting ist auch ein Mann der Zahlen: Er trainiert stets mit einem Leistungsmesser und verleiht seinem Training so viel Qualität. „Anhand einer Leistungsdiagnostik oder einem Selbsttest werden zunächst die Trainingsbereiche definiert, um zum Beispiel individuell festlegen zu können, wo der Grundlagenbereich aufhört und die eigenen Grenzen liegen“, erklärt er.

Thomas Steffen (Neheim)

In puncto Nahrungsaufnahme während des Trainings schwört Thomas Steffen auf seine „Notriegel“. Er sagt: „Niemand möchte sich ‚grau‘ fahren, was bedeutet, dass die Speicher leer sind. Richtig zu essen und zu trinken darf nicht vernachlässigt werden und ist wichtig.“ Mit steigender Intensität werde dies immer bedeutender. Dabei sei Sportlernahrung eine Wissenschaft für sich und auch ganz individuell. Thomas Steffen: „Das Motto „Ohne Mampf kein Kampf“ stimmt: Wer intensiv trainiert, der braucht dafür Kohlenhydrate. Diese dürfen dann auch mal – ganz im allgemeinen Verständnis – ungesund sein.“

Ramona Plett (Meschede)

Sie ist das Küken des Teams Sauerland Jedermann „und kann von den Jungs noch viel lernen“, sagt Ramona Plett. Die einzige Frau im Team Sauerland Jedermann ist eine Verfechterin des Ansatzes „Train low, compete high“. Dieser besagt, dass mit leeren Kohlenhydratspeichern trainiert wird und erst vor dem Rennen mit dem sogenannten „carboloading“ das volle Potenzial ausgeschöpft wird. „Ich bin aber in der Experimentierphase und muss gestehen, dass es zweimal nicht gut ausgegangen ist. Meine Speicher waren nicht voll genug und mir sind nach 90 Minuten Renndauer die Lichter ausgegangen.“

Aus Sicht von Ramona Plett läuft der eigene Motor auch als Radsportler generell mit unverarbeiteten, gesunden Lebensmitteln besser. Eine ausgewogene Ernährung sei ebenso wichtig wie die Regeneration und sogar ein mitentscheidender Faktor für eine gelungene Erholung. Ramona Plett: „Stress im Alltag und auf der Arbeit darf nicht außer Acht gelassen werden. Derartige Belastungen sind mitunter genauso anstrengend für Körper und Geist wie anspruchsvolles Training.“

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