Fussball

Michael Ternes ist für Einführung einer Zeit- und Bankstrafe

Schiri Michael Ternes auf dem Weg zur Halbzeitpause.

Schiri Michael Ternes auf dem Weg zur Halbzeitpause.

Foto: Sk

Arnsberg.  Wir haben mit Michael Ternes, Vorsitzender des Fußballausschusses im Kreis Arnsberg, u.a. über Generalabsagen sowie die neuen Regeln gesprochen.

Mittlerweile ist es 22 Monate her. Damals zogen die Verantwortlichen aus dem Fußballkreis Arnsberg die Reißleine. Nach einem tätlichen Angriff auf einen Schiedsrichter am 5. November 2017 bei der daraufhin abgebrochenen B-Liga-Partie des SuS Langscheid/Enkhausen II gegen den SC Neheim II in der Nachspielzeit wurde der folgende Spieltag der Senioren in den A-, B-, C- und D-Kreisligen komplett abgesetzt. Bereits zuvor hatte es vermehrt Übergriffe auf Gegenspieler und Schiedsrichter gegeben.

Jetzt ist das Fass auch im Saarland übergelaufen. Dort ruhte am vergangenen Wochenende der Spielbetrieb bei den Männern (bis Saarlandliga), Frauen und Junioren. Bei einem C-Jugend-Spiel in Merzig-Brotdorf hatte der Vater eines Kindes den Schiedsrichter angegriffen und krankenhausreif geschlagen. Und das war kein Einzelfall. In den vergangenen zwei Jahren waren im Saarland bereits mindestens 35 Fälle vor den Sportgerichten verhandelt worden, in denen es um körperliche Attacken gegen Schiedsrichter ging.

Die Sauerlandsport-Redaktion hat mit Michael Ternes, unter anderem Vorsitzender des Kreisfußballausschusses im Kreis Arnsberg, über Generalabsagen, härtere Strafen, sowie die neuen Regeln gesprochen.


Hallo Herr Ternes. Im Saarland ist am vergangenen Wochenende das gemacht worden, was der Kreis Arnsberg bereits vor fast zwei Jahren durchgezogen hat: Der Spieltag ist komplett abgesetzt worden. Hilft so eine drastische Maßnahme und stehen Sie auch heute noch zu der Entscheidung?
Michael Ternes: Auf jeden Fall. Wir stehen auch heute noch zu der Generalabsage. Sie war richtig. In ganz Fußball-Deutschland ist anschließend darüber gesprochen worden. Außerdem sind die Vereine zum Nachdenken gekommen.


Sie sind selbst auch noch aktiver Schiedsrichter. Hat die Generalabsage im Kreis Arnsberg zu einem Umdenken geführt?
Damals war schon eine deutliche Veränderung auf den Plätzen wahrzunehmen. Derzeit ist jedoch wieder eine andere Tendenz erkennbar.


Was für eine Tendenz?
Ein großes Problem sind mittlerweile die Zuschauer. Die Hemmschwelle, die Spieler oder den Schiedsrichter zu beleidigen, sinkt immer mehr. Auffällig ist zudem, dass die Diskutierfreudigkeit der Spieler auf dem Platz immer weiter zunimmt.


Wie kann man das ändern, brauchen wir härtere Strafen?
Unsere Sportgerichte leisten sehr gute Arbeit und die Strafen sind ja härter geworden. Die Frage ist, ob die langen Einzelstrafen etwas bringen. Warum gibt es nicht kollektive Belohnungen für besonders faires Verhalten? Es gibt sicherlich tolle Angebote, aber nicht für Vereine in der C- oder D-Liga. Die Programme sind meist auf Einzelpersonen oder große Vereine ausgelegt.


Wie ist im Kreis zurzeit das Verhältnis Vereine, Spieler und Schiedsrichter?
Ich denke schon, dass wir im Großen und Ganzen ein sehr gutes Verhältnis haben. Der Kontakt mit den Vereinen macht Spaß und mit den meisten Spielern auch.


In Sauerland gibt es aktuell mit Johanna Kotthoff nur eine Schiedsrichterin. Woran liegt das?
Da kann man nur spekulieren. Vielleicht liegt es an der falschen Werbung in den Vereinen, denn Frauen sind längst auch im Männerfußball anerkannt. Außerdem hat eine Schiedsrichterin sehr gute Chancen, es weit nach oben zu bringen.


Seit Anfang der Saison gibt es neue Regeln, unter anderem Karten für Trainer. Gibt es wie im Profi-Fußball auch eine Sperre nach vier Verwarnungen?
Dies muss erst noch auf dem DFB-Bundestag in Frankfurt durchgewunken werden. Danach liegt es an den Landesverbänden, ob sie diese Regelung übernehmen oder nicht.


Wenn Sie entscheiden dürften – welche Regeln würden Sie einführen?
Ich würde auf jeden Fall die Zeitstrafe wieder einführen, die wesentlich effektiver war und ist. Zudem würde ich bei Verfehlungen der Bank die betroffene Mannschaft mit einer Zehn-Minuten-Strafe für einen Spieler bestrafen. In anderen Sportarten klappt das super.

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