Fußball

Eike Bansen und Julian Schauerte: „Unsere“ Profis in Belgien

Aktiv für den belgischen Erstligisten KAS Eupen: Der Schmallenberger Julian Schauerte (am Ball).

Aktiv für den belgischen Erstligisten KAS Eupen: Der Schmallenberger Julian Schauerte (am Ball).

Foto: Imago

Eupen.  Abenteuer Ausland: Julian Schauerte aus Grafschaft und Eike Bansen aus Voßwinkel spielen als Fußballprofis in Belgien. Was sie dort erleben.

Er ist bestens informiert. „Klar verfolge ich noch den Fußball im HSK. Zum Beispiel kann der FC Fleckenberg/Grafschaft am Sonntag ja die Meisterschaft in der Kreisliga A West klar machen“, sagt Julian Schauerte im Gespräch mit dieser Zeitung vergnügt.

Der Fußballprofi, der aus dem Schmallenberger Ortsteil Grafschaft stammt, spielt seit dem vergangenen Sommer in der ersten belgischen Liga, der Jupiler Pro League. Was er Europa-Skeptikern entgegen hält, warum es für ihn sportlich bei der Königlichen Allgemeinen Sportvereinigung (KAS) Eupen nicht optimal läuft und wieso er sich trotzdem wohlfühlt, hat uns der 31-Jährige verraten.

Mitten im „deutschen“ Teil Belgiens

Es war ein Stück weit ein Gang ins Ungewisse, als Julian Schauerte im vergangenen Sommer beim belgischen Erstligaklub KAS Eupen unterschrieb und zusammen mit seiner Frau und dem gemeinsamen Kind ganz in die Nähe der 19.000-Einwohner-Stadt im Osten Belgiens in das nur eine halbe Stunde entfernte Aachen zog. Schauerte, in dessen Vita unter anderem 171 Partien in der 2. Bundesliga notiert sind, wechselte erstmals in seiner Profi-Karriere ins Ausland.

Wobei: In Eupen und Umgebung – hier liegt das Zentrum der Deutschen Gemeinschaft in Belgien – „sprechen die meisten Menschen deutsch, auch hier bei uns im Verein. Das hat mir die Eingewöhnung natürlich erleichtert“, sagt der Fußballer. An der Kleinstadt schätzt der Profi die Ruhe, „wir wollten für unseren Wohnort aber auch ein bisschen mehr Abwechslung haben“, betont er.

Nach Stationen bei Bayer 04 Leverkusen (2004 bis 2009), dem SV Sandhausen (2009 bis 2014) und Fortuna Düsseldorf (2014 bis 2018) wählte Schauerte mit der KAS Eupen einen Klub mit spannender jüngerer Vergangenheit aus. Die Eupener verfügen über einen illustren Kader, der Spieler aus 13 Nationen führt. Hier spielen Ghanaer, Senegalesen, Japaner, Belgier, Franzosen, Tunesier – und mit Schauerte auch ein Deutscher. Der Nationenmix hat einen Grund, denn vor sieben Jahren kaufte der Staatsfonds des Emirates Katar den belgischen Fußballverein. Er steht seitdem im Besitz der Aspire Zone Foundation.

Ein Weltstar als Coach

Der belgische Provinzverein, der lange Zeit in der zweiten Liga spielte, ist seitdem schuldenfrei und wird von den Katari mit Zuwendungen in Millionenhöhe bedacht. Seit drei Jahren spielt die KAS wieder in der ersten Liga.

Der Trainer ist ein Weltstar: Claude Makélélé. Der 46-Jährige, als Spieler für Real Madrid und den FC Chelsea aktiv, spricht mit der Mannschaft meistens Französisch, erzählt Julian Schauerte.„Da hilft mir, dass ich viele Französisch-Vokabeln gepaukt habe. Der Trainer kommuniziert aber auch auf Englisch mit uns, das ist einfacher“, erzählt der Rechtsverteidiger.

Nachdem er zu Saisonbeginn stets in der Startelf gestanden hatte, hat Schauerte nun eine lange sportliche Durststrecke hinter sich. Nach 30 Ligaspielen in der regulären Saison schloss die KAS die Spielzeit als Tabellenzwölfter von 16 Teams ab. In der nun laufenden Europa-League-Qualifikationsrunde – hier spielt die KAS am Samstag ihre letzte Partie bei Sporting Charleroi – werden die Eupener im Mittelfeld landen. Julian Schauerte: „Unser Ziel war es aber, nicht abzusteigen. Da wir das schon lange geschafft haben, ist die Saison für uns als kleiner Verein ein großer Erfolg.“

Warum Schauerte Europa wichtig ist

Die Defensivkraft hat in dieser Spielzeit nur vier Einsätze in der regulären Saison und bislang ein Spiel in den Playoffs absolviert. „Sportlich lief das sehr bescheiden für mich. Die Mannschaft hat dann funktioniert und daher ist es für mich schwer, wieder ins Team zu kommen“, erzählt Schauerte. Bereits im Winter habe er Claude Makélélé um ein Gespräch gebeten. „Der Trainer hat mir versichert, dass ich sehr gut trainiere und auf meine Chance warten muss.“

Aktuell wird Schauerte der Belgier Alessio Castro-Montes als Rechtsverteidiger vorgezogen. Schauertes Vertrag in Eupen läuft noch zwei Jahre. „Über eine Veränderung mache ich mir keine Gedanken, denn Vereinstreue ist mir sehr wichtig. Im Fußball kann es aber schnell gehen“, weiß der Profi.

Sein Ziel, Erstligaluft zu schnuppern, habe er schon erreicht, betont Schauerte. Ferner mag er den Umgang mit Kollegen aus verschiedenen Nationen – wie in Eupen: „Das macht den europäischen Gedanken aus. Mir ist es wichtig, dass Europa weiterhin vereint bleibt.“

Eike Bansen: Bodenständig und ohne Star-Allüren

„Er hat keine Star-Allüren. Er ist weiter sehr bodenständig“, sagt Thomas Weber, 1. Vorsitzender des TuS Voßwinkel, über Eike Bansen. Der 21-Jährige Torhüter aus dem Dorf der „schlauen Füchse“ ist Mitte Januar 2018 aus der zweiten Mannschaft von Bundesligist Borussia Dortmund zum belgischen Erstligisten SV Zulte Waregem gewechselt. Waregem liegt in Westflandern nahe der Grenze zu Frankreich.

„Ich fühle mich hier sehr wohl. Die Sprache ist kein Problem. Hier wird flämisch gesprochen und das ähnelt sehr dem Niederländischen“, berichtet Eike Bansen, der bei Zulte Waregem noch Vertrag bis 2021 hat.

Lange Wartezeit

Auf sein Profi-Debüt in der ersten Mannschaft musste der 1,94 Meter große Torhüter, der mit den A-Junioren von Borussia Dortmund in der Spielzeit 2016/17 Deutscher Meister geworden ist, allerdings bis zum 2. April dieses Jahres warten. Beim 3:3 im Auswärtsspiel der Play-off-Runde zur Europa League bei Cercle Brügge stand der 21-Jährige erstmals zwischen den Pfosten. Es folgten bis heute drei weitere Einsätze. „Ich habe für mein Debüt hart gearbeitet“, sagt Bansen und ergänzt: „Als Profi muss man einfach lernen, sich durchzusetzen.“

Neben seinem Beruf als Fußballer absolviert Eike Bansen ein Fernstudium im Bereich Sport-Management. Auch Bansens Freundin studiert, allerdings in Osnabrück. „Ich versuche so oft wie möglich, entweder sie oder meine Eltern in Voßwinkel zu besuchen“, sagt Bansen. „Wenn ich in Voßwinkel bin, gehe ich natürlich auch zum Sportplatz. Der TuS ist mein Heimatverein und dort hat schließlich alles angefangen.“

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