Behindertensport

Darum ist ID-Judo auch in Meschede mehr als Therapiesport

Der BSV Meschede, hier bei den NRW-Landesmeisterschaften im ID-Judo, hat seine Trainings- und Wettkampfgruppe wieder etabliert.

Der BSV Meschede, hier bei den NRW-Landesmeisterschaften im ID-Judo, hat seine Trainings- und Wettkampfgruppe wieder etabliert.

Foto: Privat

Meschede.  Was ist ID-Judo? Und wie kann man Menschen dafür begeistern? Lothar Braukmann vom BSV Meschede liefert Erklärungen und Einblicke.

Durch sportliche Aktivitäten die eigene Motorik, Kondition und Kraft verbessern: Das ist einer der Ansätze der Sportart ID-Judo, also des Judos für gehandicapte Menschen. Beim BSV Meschede leitet Lothar Braukmann eine Gruppe von etwa zehn Judoka, die in diesem Sport voll aufgehen.

Das wird verbessert

Die Sportart, für die sich international der Name ID-Judo – ID steht für intellectual disability, also eingeschränkter Intellekt – etabliert hat, bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, kombiniert mit gymnastischen Angeboten und verschiedenen Spielen neben Kraft, Kondition und der gesamten Motorik ebenso das Gleichgewicht, die Konzentration und die eigene Reaktion zu fördern.

Dies kann durch Übungen, die das sichere Fallen, Halten und Werfen vermitteln, durch Konter- und Kombinationstechniken sowie mittels zahlreicher Stand- und Bodentechniken gewährleistet werden. „Auch das Selbstbewusstsein und das Sozialverhalten der Sportler werden gestärkt. Das Miteinander ist sehr wichtig und fördert auch die Sicherheit unserer Teilnehmer im Alltag“, erläutert Lothar Braukmann.

Er selbst hatte zunächst „mit Judo rein gar nichts zu tun“, gibt der BSV-Übungsleiter freimütig zu. Als er vor etwa zwölf Jahren für seinen Sohn Nick, der heute 24 Jahre alt ist und das Down-Syndrom hat, sportliche Freizeitaktivitäten suchte, landete er bei der damaligen ID-Judo-Gruppe des BSV Meschede. Als die Gruppe nur kurze Zeit später aus verschiedenen Gründen aufgelöst worden war, „fehlte mir dieser Sport richtig“, sagt Braukmann. Kurzerhand stieg er selbst beim BSV ein und arbeitete rasch mit Sportlehrer Christopf Borghoff, Träger des 2. Dans, am Aufbau einer neuen Gruppe.

Die Arbeit ist nicht immer leicht

Durch Borghoff, der mehrfacher Deutscher Meister in der Judo-Königsdisziplin Kata ist, fand auch Lothar Braukmann endgültig Gefallen an diesem Sport. „Unsere neue Gruppe besteht nun auch schon seit etwa zehn Jahren und umfasst etwa zehn bis zwölf Sportler. Das ist eine gute Größe“, sagt der BSV-Coach, der damals einen Übungsleiter-Schein absolvierte, um voll in die Vereinsarbeit einsteigen zu können.

Die Arbeit mit Menschen mit Handicap sei ebenso wie mit allen anderen Menschen nicht immer einfach und mitunter auch anstrengend, doch insbesondere der Zusammenhalt, der sich bei Ausflügen beispielsweise zu Wettbewerben entwickele, sei jede Mühe wert. „Unsere Gruppe soll unbedingt weiterbestehen, denn die Arbeit schweißt zusammen“, sagt Lothar Braukmann.

Nachdem BSV-Judoka Stefanie Drescher bereits im März dieses Jahres bei den Weltspielen in Abu Dhabi, also den Olympischen Spielen für Sportler mit geistigen Handicaps, teilgenommen hatte und dort zwei Medaillen gewann, wird die Sportlerin aus Velmede mittlerweile gezielt gefördert. Drescher hat von der Gold-Kraemer-Stiftung ein Sportstipendium erhalten und lebt mittlerweile in Köln. „Leider kann Stefanie daher nicht mehr bei uns trainieren, aber wir freuen uns natürlich sehr für sie“, betont Lothar Braukmann.

Sie ist die Vorzeige-Athletin

Erfolgreich war Stefanie Drescher nun auch bei den jüngst zu Ende gegangenen ID-Judo-Europameisterschaften in Köln, bei denen sie eine Bronzemedaille sammelte. Es war die zweite EM, bei der diesmal insgesamt 125 Judoka aus 15 Nationen an den Start gegangenen waren. Die Wettbewerbe wurden in den ASV-Sporthallen im Sportpark Müngersdorf in drei Wettkampf- und acht Gewichtsklassen ausgerichtet.

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