Rennrodeln

Corinna Martini feiert größten Sieg auf ihrer Heimbahn

Foto: Thomas Nitsche

Winterberg.   „Ich habe noch keine Minute bereut, dass ich 2013 mit 28 Jahren meine Laufbahn beendet habe“, sagt die ehemalige Rennrodlerin Corinna Martini.

Ihre sportliche Karriere ist für Corinna Martini eine runde Sache: „Ich habe noch keine Minute bereut, dass ich 2013 mit 28 Jahren meine Laufbahn beendet habe“, sagt die ehemalige Rennrodlerin aus Winterberg-Elkeringhausen. „Ich habe meine Möglichkeiten ausgeschöpft, auch wenn es nicht zu einer Olympiateilnahme gereicht hat.“

Sportlicher Höhepunkt ihrer über 20-jährigen Karriere war die Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2010 in Sigulda (Lettland). Das emotionale Highlight datiert am 22. Januar 2012: An diesem Tag feierte Martini auf ihrer Heimbahn in der Veltins-EisArena ihren einzigen Weltcup-Sieg. Da brachte ihr der Musikverein Medebach-Medelon auf der anschließenden Siegerparty in Elkeringhausen sogar ein Ständchen.

Die Leidenschaft fürs Rodeln hatte Martini schon früh gepackt. Ihre „große Schwester“ Diane, ebenfalls eine gute Rennrodlerin, „schleppte“ sie mit auf die Bahn. „Bereits mit fünf Jahren bin ich gerodelt, ab Kurve 11 ging es dann hinunter. Ich fand das richtig toll. Ich habe geübt und geübt, sogar zuhause in der Badewanne, da habe ich den Start mit den wichtigen Paddelschlägen simuliert. Das sorgte natürlich für Überschwemmungen. Für mich gab es damals nur Rodeln.“

Mit 14 Jahren der erste große Coup

Die sportlichen Erfolge des „Rodel-Kükens“ stellten sich naturgemäß ein, auch wenn es anfangs relativ zäh begann: „Zunächst war ich nur Mittelmaß.“ Mit 14 Jahren gelang ihr der erste große Coup: Sie wurde Deutsche Meisterin und gewann den damaligen Junioren-Cup. Ihr Trainer war Jens Morgenstern, heute Vorsitzender des BSC Winterberg. „Ich hatte in meiner Karriere eine Reihe sehr guter Trainer, die mich entscheidend weitergebracht haben.“ Beispielsweise auch Walter Oetzel, unter dem ihr der Sprung in die Junioren-Nationalmannschaft gelang. Die Erfolge der Athletin des BSC Winterberg in dieser Zeit waren der Lohn zielgerichteter und konsequenter Trainingsarbeit: Neben drei nationalen Titeln im Juniorenbereich gewann sie 2001 den Junioren-Gesamtweltcup, wurde bei der Junioren-WM 2003 am Königssee und 2004 in Calgary jeweils Dritte.

Der Sprung in den „großen Weltcup“ erfolgte am 14. Januar 2007 in Oberhof. „Ich gehörte damals der B-Mannschaft an, musste im Nationencup starten“, erzählt Martini. „Bundestrainer Thomas Schwab rief mich an und teilte mir mit, dass ich im Weltcup starten kann, weil Sylke Otto wegen Schwangerschaft zurückgetreten war. Ich war positiv geschockt.“ Martini nutzte ihre Chance und landete beim Weltcup-Debüt auf dem dritten Platz - auch zur Freude ihrer kurzfristig angereisten Familie.

Silberrang bei EM 2010 in Sigulda

In der Folge verlief ihre Karriere, meistens als vierte deutsche Weltcup-Starterin, wechselhaft. „Es war ein Auf und Ab. Bei der WM 2009 in Lake Placid bin ich buchstäblich hinterhergefahren, ein Jahr später lief es richtig rund.“ Bei der EM 2010 in Sigulda (Lettland) landete sie „überraschend“ hinter der Russin Tatjana Iwanova auf dem Silberrang. „Das war ein großer Erfolg.“ 2012 wurde sie Dritte bei der EM in Paramonowo (Russland). Die WM in Altenberg im selben Jahr schloss sie mit Platz fünf ab.

Das war nur wenige Wochen nach dem „emotional größten Erfolg“ ihrer Karriere. Klar, dass sich Martini daran genau erinnert: „Es war der 22. Januar 2012, Rennrodel-Weltcup auf der Heimbahn in Winterberg. Der erste Durchgang war ein absolut perfekter Lauf, der einzige meiner Karriere. Ich bin von oben bis unten praktisch blind gefahren und habe den Kopf nicht ein einziges Mal gehoben. Besser geht es nicht. Der zweite Lauf war auch gut, aber mehr ein Sicherheitslauf, da ich ja in Führung lag.“

Sie gewann ihren ersten und einzigen Weltcup vor Tatjana Hüfner und Natalie Geisenberger. Hinterher stieg die große Party in Elkeringhausen. „Der Musikverein aus Medebach-Medelon, den ich sehr gut von den Schützenfesten kenne, brachte mir ein Ständchen.“

Ein Jahr später ging es um die Qualifikation für das Weltcup-Team 2013/14 und die Perspektive Olympia 2014 in Sotschi. „Für mich war klar, wenn ich mich nicht qualifiziere, dann höre ich nach 20 Jahren auf und führe ein normales Leben.“ Es war eine Vorahnung, die Konkurrenz war einfach zu groß, sie schaffte es nicht und zog die Konsequenzen. Im November 2013 verkündete Martini ihren Abschied. „Leider hat es nicht zu einer Olympiateilnahme gereicht.“

2013 emotionaler Abschied

Ein Rennen stand noch an, die Deutschen Meisterschaften am 22. Dezember 2013 in Winterberg. Es wurde ein emotionaler Abschied. Dass sie „nur“ auf dem vierten Platz landete, war zwar „schade“, tat aber der Stimmung keinen Abbruch. Bundestrainer Norbert Loch verabschiedete sie mit Tränen in den Augen. „Er hat mich seit Jahren begleitet. Wir haben uns immer gut verstanden.“ Anschließend stieg die große Abschieds-Fete in der Schützenhalle in Elkeringhausen, die nicht nur das ganze Dorf begeisterte.

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