Snowboard

Welche Rechnung Selina Jörg in Winterberg begleichen möchte

Sie lachen den Finalfrust vom Vortag beim Teamwettbewerb einfach weg: Selina Jörg (re.) und Stefan Baumeister belegen den dritten Platz.

Sie lachen den Finalfrust vom Vortag beim Teamwettbewerb einfach weg: Selina Jörg (re.) und Stefan Baumeister belegen den dritten Platz.

Foto: Falk Blesken

Winterberg.   Selina Jörg ist Weltmeisterin und gewann 2018 Olympia-Silber. Doch nach dem Weltcupfinale in Winterberg bleibt eine Rechnung offen. Ein Ansporn?

Selina Jörg ballte ihre rechte Faust -- und in ihrem Gesicht wich der skeptische dem überaus fröhlichen, gut gelaunten Blick. Als ihr Teamkollege Stefan Baumeister beim Weltcupfinale der alpinen Snowboarder im Parallel-Slalom in Winterberg über die Ziellinie fuhr, stand schließlich fest: Selina Jörg, die amtierende Weltmeisterin im Parallel-Riesenslalom beendet diesen Winter gemeinsam mit Baumeister auf dem Podest stehend.

Nach ihren jeweils zweiten Plätzen im Einzelwettbewerb rundeten die beiden besten Deutschen das Wochenende mit dem dritten Platz beim Sieg von Benjamin Karl/Daniela Ulbing (Österreich) ab.

Und damit waren auch der wenige Frust verflogen, den die 31-Jährige unmittelbar nach eben dem zweiten Platz im Einzel für einige Momente geschoben hatte. Denn das mit nur einer hundertstel Sekunde verlorene Finalduell gegen Patrizia Kummer aus der Schweiz hatte Folgen für Jörg.

Mickrige 20 Punkte

„Ich habe mich noch nie so über einen zweiten Platz geärgert“, sagte die aus Sonthofen stammende Racerin nach dem Rennen. „Vor allem, weil es das zweite Mal so knapp ausgeht. Letztes Jahr haben nach meinem Sieg hier zehn Punkte gefehlt, dieses Jahr sind es 20 Punkte. Das ist nichts!“ Was sie meinte: Auf Grund der Niederlage gegen Kummer verpasste sie im Weltcup in der Disziplin-Wertung Parallel-Slalom Rang eins und damit die kleine Kristallkugel um mickrige 20 Punkte.

Besonders ärgerte dies Jörg, weil ihre Hauptkonkurrentinnen Julie Zogg (Schweiz) und Sabine Schoeffmann (Österreich) bereits im Achtelfinale ausschieden. Für Jörg, Olympia-Zweite von Pyeongchang 2018, war der Weg zur kleinen Kristallkugel also frei. „Aber mir ist dann oben tatsächlich etwas die Düse gegangen“, sagte sie – und lächelte einige Zeit nach dem Rennen doch wieder. Schließlich krönen Platz zwei (hinter Zogg) in der Disziplin-Wertung sowie ebenfalls Platz zwei (hinter der Tschechin Ester Ledecká) in der Gesamtwertung des Weltcups ihre tolle Saison.

Stefan Baumeister ärgerte sich zwar im ersten Moment ebenfalls über sein verlorenes Finalduell gegen den Österreicher Lukas Mathies – jedoch grinste er schnell wieder breit, als ihn einige Teamkolleginnen nämlich auf Schultern zur Siegerehrung der Disziplin-Wertung Parallel-Slalom trugen. Diese gewann der 25-Jährige schließlich dank seines zweiten Platzes in Winterberg, der sich also wie ein Sieg für ihn anfühlte. „Diese kleine Kugel bedeutet mir schon sehr viel“, sagte Baumeister. „Sie ist einfach das Größte, was man als Sportler erreichen kann. Das ist mehr wert als eine WM-Medaille, weil es zeigt, dass man über das ganze Jahr hinweg konstant gefahren ist.“

Einige Dinge sacken lassen

Für die Fans von Selina Jörg könnte deren Finalniederlage in Winterberg aus diesem Grund auch etwas Gutes haben. Gedanken an ein Karriereende sind ihr nach all den Jahren auf dem Snowboard schließlich nicht fremd und mit Anke Wöhrer beendete eine weitere Teamkollegin aus Jörgs Generation in Winterberg die aktive Zeit im Leistungssport. „Doch jetzt steigen die Chancen, dass ich nächstes Jahr hier nochmal stehe“, sagte Jörg lachend. „Ich habe echt noch diese eine Rechnung mit so einer Kristallkugel offen“, erklärte sie. Und: „Ich glaube, dass ich nochmal angreife, aber ich muss ein paar Dinge ordnen und jetzt lassen wir erstmal die Saison zu Ende gehen und einige Dinge sacken.“

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