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Laura Nolte nach Sieg: „Die ersten Fahrten - schrecklich“

Laura Nolte, Bobpilotin des BSC Winterberg, während der Pressekonferenz in Winterberg. In La Plagne gewann sie ihr erstes Weltcuprennen.

Laura Nolte, Bobpilotin des BSC Winterberg, während der Pressekonferenz in Winterberg. In La Plagne gewann sie ihr erstes Weltcuprennen.

Foto: Falk Blesken

Winterberg.  Sie ist die jüngste deutsche Pilotin, die einen Weltcup gewann. Im Interview spricht Laura Nolte (Winterberg) über Kurven, Kiriasis und die WM.

„No risk, no fun“ – das schrieb Laura Nolte unter ein Bild, welches sie auf Instagram veröffentlichte. Allerdings beschrieb die Bobpilotin des BSC Winterberg damit nicht ihre Renntaktik, die im französischen La Plagne sensationell zum ersten Sieg beim erst zweiten Start in ihrer Karriere im Weltcup geführt hatte.

Die 21-jährige Nolte, die als das größte Talent an den Lenkseilen in Deutschland gilt, präsentierte auf dem Bild die Tankanzeige ihres Transporters. Auf dem Weg zur nächsten Weltcup-Station in Österreich wurde der Sprit knapp. Am späten Sonntagabend kam die aus Unna stammende Pilotin mit ihrer Anschieberin und Vereinskollegin Deborah Levi aber in Innsbruck an – und sprach unter anderem über Kurven, Erinnerungen und die Konkurrentinnen.

Frau Nolte, sind Sie nach Ihrem ersten Weltcupsieg eigentlich mit Glückwünschen nur so überhäuft worden?

Laura Nolte: Ich konnte mich tatsächlich vor Glückwünschen kaum retten. (lacht) Aber mittlerweile hat es nachgelassen. Es war schon krass, wie viele Leute das Rennen am Livestream oder im Fernsehen verfolgt haben.


Sie
verfügten im Gegensatz zu zum Beispiel der Olympiasiegerin Mariama Jamanka bereits über Bahnerfahrung in La Plagne. War das der entscheidende Vorteil?

Das ist schwierig zu sagen. Ich bin vor gut zwei Jahren in meiner ersten Saison im Europacup schon mal in La Plagne gestartet, aber ich konnte mich kaum an etwas erinnern. Selbst die Kurvenreihenfolge – erst als ich sie mir kurz angeschaut habe, fiel sie mir wieder ein. Anschließend konnte ich sie vielleicht schneller auswendig lernen. Für Stephanie Schneider war das Rennen aber auch keine Premiere in La Plagne, bei ihr lagen die vorherigen Starts nur noch weiter zurück.


Schneider ist mit Ihrer Vereinskameradin Leonie Fiebig als Anschieberin Dritte geworden. Die zweitplatzierte Kanadierin Christine De Bruin war zum ersten Mal in La Plagne.

Ich wusste ungefähr noch, was für Kurventypen es dort gab, aber richtige Erinnerungen hatte ich wie gesagt nicht mehr. Die ersten Fahrten waren dementsprechend schrecklich. Ich habe nur gedacht: Oh, das ist aber ganz schön schnell hier, und: wo bin ich? Ich hätte niemals gedacht, dass ich das Rennen gewinnen könnte.


Sie haben gewonnen und sind nun mit Abstand die jüngste deutsche Siegerin eines Weltcuprennens. Für Ihren Stützpunkt in Winterberg holten Sie den ersten Sieg nach Anja Schneiderheinze und Sandra Kiriasis. Ging Ihnen das vor Lauf zwei durch den Kopf?

In diesen Details nicht. (lacht) Nach dem ersten Lauf habe ich aber schon ein bisschen daran gedacht, dass es zum Sieg reichen könnte. Das kann man nicht ganz verdrängen. Zumal ich ja in Führung lag, obwohl zwar von der Startzeit bis ungefähr zur Kurve 15 im ersten Lauf alles sehr gut war, ich aber in Kurve 16 einen Fehler hatte, der sich auf die weiteren auswirkte. Wenn ich jetzt einen Lauf hinbekomme, der unten etwas besser ist… das waren meine Gedanken vor Lauf zwei. (schmunzelt)


Nach dem Rennen jubelten Sie mit Deborah Levi in der Bahn. Aber: Wie wurde denn später noch gefeiert?

Feiern konnten wir nicht wirklich. Erstens steht das nächste Rennen ja bereits in dieser Woche an, zweitens ist Debbi leider krank geworden. Sie fühlte sich schon vor dem Rennen schlapp, wollte es aber unbedingt probieren. Anschließend hatte sie Schüttelfrost und so weiter. Aber es geht ihr wieder besser.


Jüngste deutsche Weltcupsiegerin, in den Fußstapfen von Schneiderheinze und Kiriasis – was macht Cheftrainer René Spies eigentlich, damit Sie jetzt nicht abheben?

(lacht) Der muss gar nichts machen, weil ich nicht abheben werde. Es ist mega cool, wenn man einen Weltcup gewinnt, und natürlich haben wir uns riesig gefreut und freuen uns immer noch. Aber das ist kein Grund, um abzuheben. Ich fahre trotzdem gegen Leute, die Olympiasieger, Weltmeister, Gesamtweltcupsieger, was auch immer geworden sind – die sind alle viel erfolgreicher als ich.


Die nationale Konkurrenz haben Sie aber bereits vor der Saison zum Beispiel bei der DM dominiert – auf der WM-Bahn in Altenberg. Sind Sie jetzt eine Medaillenkandidatin bei der WM?

So weit denke ich nicht, weil bis zur WM noch viel passieren kann.

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