Skeleton

Kästner erklärt Krise der RSG Hochsauerland und will helfen

Sven Kästner (mit grüner Mütze) während eines Weltcups in Winterberg. Kästner ist Geschäftsführer des NWBSV.

Sven Kästner (mit grüner Mütze) während eines Weltcups in Winterberg. Kästner ist Geschäftsführer des NWBSV.

Foto: Privat

Winterberg.  Sven Kästner liegt viel an einer Zukunft der RSG Hochsauerland. Er erklärt deren Krise, bietet Hilfe an und vergleicht Skeleton mit Fußball.

Bei Sven Kästner laufen alle Fäden zusammen. Der 46-Jährige ist Stützpunktleiter für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) am Olympiastützpunkt in Winterberg, er führt die Geschäfte des Sportinternats und er ist Geschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Bob- und Schlittensportverbandes (NWBSV). Im Interview spricht Kästner über die Krise der RSG Hochsauerland und erklärt das Problem bei der Nachwuchsarbeit im Kufensport.

Herr Kästner, der RSG Hochsauerland fehlt es an Sponsoren, an Nachwuchs – wie groß ist aus Ihrer Sicht die Chance des Klubs auf eine Zukunft?

Sven Kästner: Wenn man in die Geschichte der RSG schaut, weiß man, dass viel mehr Potenzial in dem Verein schlummert, als aktuell ausgeschöpft wird.

Die RSG, so erfolgreich sie sportlich war und ist, war schon immer ein kleiner Verein, der sich aber auf wichtige Themen konzentriert hat. Zu Beginn gab es ganz viele Nachwuchssportler in der RSG und alle waren mit viel Herzblut dabei, aber irgendwann ist das Vereinsleben leider eingeschlafen. Eine Zukunftschance gibt es dennoch.

Ganz viele Nachwuchssportler – was heißt das in Zahlen?

Die RSG hatte tatsächlich mal zehn Sportler.

Mit Verlaub, über diese Zahl würde jeder Fußballverein schmunzeln.

Das ist eine Frage der Wahrnehmung. Im Skeleton ist das tatsächlich viel, weil zum Beispiel zehn Geräte und entsprechende Bahnzeiten benötigt werden. Wenn ich vier Vereine mit jeweils zehn Skeletonsportlern hätte, wüssten wir gar nicht, wie wir diese Sportler angemessen bewegen könnten. Dann hätten wir schon ein Problem.

Was lief denn bei der RSG trotz der vielen vorhandenen Talente in den vergangenen Jahren falsch, dass der Klub nun um sein Überleben kämpft?

Die Verantwortlichen haben nichts falsch gemacht. Das ist eine Entwicklung, gegen die ein Verein immer wieder arbeiten muss. Es ist doch bei vielen Klubs so, dass Ehrenamtliche aufhören und es zum Schluss nur noch einen kleinen Kreis gibt. Dann stellt sich irgendwann die Frage berechtigt, ob es den Verein noch braucht oder nicht. An diesem Punkt ist die RSG.

Braucht es den Verein aus Ihrer Sicht, der Verbandssicht, noch?

Die RSG ist ganz wichtig für uns. Wir wollen so viele Vereine wie möglich haben, weil es um die Gesamtstruktur geht.

Ein Beispiel aus dem Bereich Nachwuchsgewinnung: Wenn die Eltern eines Nachwuchssportlers mit einem Bekannten sprechen, der gleichzeitig Vorsitzender eines ortsansässigen Vereins ist, ist das viel, viel einfacher als bei einem Großverein. Auch die Vermarktung ist eine ganz andere und funktioniert kleinteiliger.

Bei der RSG ist das aber aktuell nicht der Fall. Auch die Vermarktung, also die Sponsorensuche ist ein Problem.

Genau. Und deshalb haben wir bereits unsere Unterstützung angeboten. Bislang hat die RSG das Thema Sponsoring irgendwie intern gelöst, jetzt merken die Verantwortlichen, dass das Geld nicht mehr reicht. Aber: Jeder Verein benötigt Geld von außen – und die Kufensportarten sind im Nachwuchsbereich eben teurer als zum Beispiel der Fußball.

Könnte der Verband nicht einfach Kosten übernehmen?

Das macht keinen Sinn. Dann ist das Problem kurzfristig gelöst, aber die Zukunft des Vereins nicht gerettet. Wir unterstützen die RSG sehr, sehr gerne.

Wir entwickeln auch gemeinsam mit dem Verein Konzepte wie eine Zukunft aussehen kann und sprechen Sponsoren an. Aber: Wir stehen nur als Berater zur Verfügung, denn wenn wir Aufgaben übernähmen, wäre der Verein verloren.

Wie beurteilen Sie die Nachwuchsarbeit Ihres Verbandes generell? Läuft sie optimal?

Dann könnten wir aufhören. (lacht)

Wo gibt es Verbesserungspotenzial?

Wir müssen uns generell in der Breite verbessern und parallel die Finanzierung gelöst bekommen. Wir haben uns zum Beispiel im Rennrodeln so stark entwickelt, weil die Trainer ganz viel Einsatz zeigen, dass wir aktuell nicht mehr wissen, wie wir die vielen Sportler so auf die Lehrgänge bekommen, dass wir uns das noch leisten können.

Siegerländer Platt mit Skeleton-Star Jacqueline Lölling
Siegerländer Platt mit Skeleton-Star Jacqueline Lölling

Auch die Personalsuche wird immer aufwändiger. Ein Verband oder ein Verein muss immer weiter nachdenken, wie etwas mit möglichst wenig Geld verbessert werden kann.

Wie sieht die Nachwuchssituation bei Klubs wie dem BSC Winterberg oder dem BRC Hallenberg aus?

Im Skeleton gibt es generell wenig Sportler, weil die Sichtung fast ausschließlich hauptamtlich über unser Trainerpersonal funktioniert.

Über welchen Weg finden Sie denn Ihren Nachwuchs?

Wir gehen im direkten Umfeld in die Schulen und machen in der siebten oder achten Klasse und in der zehnten Klasse eine Sichtung für Skeleton.

Es gibt Jahre, in denen kommen tatsächlich fünf Neue, und es gibt Jahre, in denen kommt niemand. Du brauchst auch diese Cliquenbildung. Wenn einer talentiert ist, er aber mit seinen Freunden Fußball spielt, dann kriegst du denn nur selten zum Skeleton. Hat er zwei Freunde, die es auch mal versuchen möchten, hast du sofort drei.

Gibt es außer der Schulsichtung noch andere Versuche, Nachwuchs für den Kufensport zu gewinnen?

Bei Großveranstaltungen wie den Weltcups laden wir die Schulen auch an die Bahn in der Veltins-EisArena ein, beim Rodeln die Grundschulen, beim Bob und Skeleton die weiterführenden Schulen – da bleiben auch mal Sportler hängen.

Und es gibt das Projekt Quereinsteiger für Ältere. Aber: Wir benötigen immer die Vereine vor Ort. Wir könnten zum Beispiel in Fredeburg noch 25 Jahre werben, wenn da nicht ein Johannes Geueke wäre, der jede Woche das Training über den SC absichert.

Alles in allem bleibt festzuhalten, dass es beim BSC Winterberg oder beim BRC Hallenberg auch in Sachen Nachwuchs besser läuft, dass Sportlerzahlen wie zum Beispiel beim Fußball im Rennrodeln, Skeleton oder Bobfahren nie erreicht werden können und auch nicht erreicht werden wollen?

Die Vereine und wir wollen uns immer verbessern und benötigen Nachwuchs. Aber wir werden nie in jedem Klub 100 Sportler haben, wie es im Fußball möglich ist, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben – weil wir sie nicht sinnvoll betreuen könnten.

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