Skispringen

Löst Stephan Leyhe den Griff der unsichtbaren Hand?

Stephan Leyhe (SC Willingen) ist nach der Qualifikation zum Weltcup-Skispringen ein gefragter Mann.

Stephan Leyhe (SC Willingen) ist nach der Qualifikation zum Weltcup-Skispringen ein gefragter Mann.

Willingen.   Beim Weltcup-Skispringen in Willingen gelingt Lokalmatador Stephan Leyhe ein starker Auftakt. Warum das „Heimspiel“ für ihn so wichtig ist.

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Stephan Leyhe schmunzelte lediglich – und ging. „Ich bin echt relaxt und möchte an diesem Wochenende einfach nur Spaß haben“, hatte der 26-jährige Skispringer des SC Willingen nach dem siebten Platz in der Qualifikation zu seinem Heim-Weltcup im Sauerland noch gesagt.

Als aber der als Scooter bekannte H. P. Baxxter auf der Bühne auflegte und die Bässe härter durch das Strycktal als je zuvor wummerten, flüchteten Leyhe und Co. doch. Denn so war das mit dem Spaß nicht gemeint. Der Party-Weltcup nahm Fahrt auf – natürlich ohne seine Hauptakteure.

Zum einen geht es für den Gesamtweltcup-Führenden Richard Freitag oder seinen hartnäckigsten Rivalen, den Polen Kamil Stoch, in den Einzelspringen am Samstag (16 Uhr) und Sonntag (10.20 Uhr) um den Sieg und damit um wichtige Punkte im Kampf um das Gelbe Trikot.

Zum anderen winken dem erfolgreichsten Springer des Weltcup-Wochenendes in der neuen Wertung „Willingen Five“ als Prämie 25 000 Euro. Und außerdem steht mit den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang der Saison-Höhepunkt bevor. Am Montag fliegen die DSV-Adler von Frankfurt aus nach Südkorea.

Heißt: Konzentration auf das Sportliche statt döp, döp, döp.

Konkurrent Karl Geiger

„Ich bin froh, vor den Olympischen Winterspielen nochmal hier zu sein“, sagte der aus Schwalefeld stammende Stephan Leyhe. Während der Wintersaison sind Besuche in der Heimat ziemlich selten, weshalb der Weltcup in Willingen als letzter vor Olympia für ihn eine glückliche Fügung ist. Immerhin kämpft Leyhe hinter Freitag, Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler noch um den vierten Platz in der deutschen Mannschaft beim olympischen Teamwettbewerb.

„Es ist doch prima, wenn sie sich einen Kampf liefern“, sagte Bundestrainer Werner Schuster nach der Qualifikation. Leyhes interner Konkurrent ist Karl Geiger, der am Freitag auf der Mühlenkopfschanze lediglich auf Rang 26 landete.

„Das war schon einer der besseren Sprünge von Stephan“, lobte Schuster seinen Skispringer, über den er erst kürzlich sagte: „Er ist ein wichtiger Baustein unseres Teams. Aber es macht manchmal ein bisschen den Eindruck, als ob ihn eine unsichtbare Hand noch zurückhalten würde.“ In der Qualifikation von Willingen ließ sie ihn für einen Moment los: Mit 143 Metern gelang ihm einer der weitesten Sprünge. Jedoch sorgten günstige Windbedingungen für Punktabzüge, so dass beim Sieg des Polen Kamil Stoch vor Richard Freitag für Leyhe Platz sieben heraussprang.

„Ein Top 15-Ergebnis in den Einzelspringen wäre okay, Top ten wäre super“, sagte Leyhe in seiner bescheidenen und ruhigen Art mit Blick auf Samstag und Sonntag. Die Rolle als vierter Mann des DSV-Quartetts ist ihm übrigens geläufig, er füllte sie schon bei der Nordischen Ski-WM im vergangenen Jahr und bei der Skiflug-WM in dieser Saison aus.

Leyhe hält Schanzenrekord

„Der Druck im Team, das belastet mich gar nicht“, sagte Leyhe. Da es bei beiden Großevents statt einer Medaille nur Rang vier gab, soll bei Olympia nun das erste Edelmetall her. Als der Weltcup vor Jahresfrist in Pyeongchang gastierte, legte Leyhe mit einem Satz auf 139,5 Meter im zweiten Durchgang nicht nur einen neuen Schanzenrekord hin, sondern feierte mit Platz fünf auch seine Karrierebestleistung.

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