Laufen

Darum boomen Hindernisläufe wie Lake Run oder Tough Mudder

Im hohen Bogen in das Wasserbecken: Die Rutsche ist das Top-Hindernis beim Lake Run in Winterberg.

Im hohen Bogen in das Wasserbecken: Die Rutsche ist das Top-Hindernis beim Lake Run in Winterberg.

Winterberg.   Organisator Ingo Schaffranka spricht über den Lake Run in Winterberg, stellt sich einigen Kritikpunkten und schildert ein für ihn neues Erlebnis.

Nieselregen, nur einstellige Plusgerade – und trotzdem sorgten mehr als 1200 Teilnehmer für einen neuen Starterrekord bei der Wood-Edition der Lake-Run-Serie in Winterberg. Sie hangelten sich durch Hindernisse, sie rutschten in ein extra ausgehobenes Wasserbecken und absolvierten drei verschiedene Laufdistanzen.

Lake-Run-Chef Ingo Schaffranka stellt sich im Interview aber auch aufgekommener Kritik. Er spricht zudem über Mist auf dem Parkplatz, den Boom von Hindernisläufen und der neuen Lake-Run-Station im kommenden Jahr.


Herr Schaffranka, nach der Wood-Edition des Lake Runs in Winterberg prasselte in den Sozialen Medien Kritik auf Sie als Veranstalter ein. Wie gehen Sie damit um?
Ingo Schaffranka: Grundsätzlich freue ich mich über jede Art von Kritik, wenn sie sachlich vorgetragen wird. Wir möchten uns schließlich ständig weiterentwickeln und bei diesem Anspruch hilft es uns natürlich nicht weiter, wenn wir uns gegenseitig nur auf die Schultern klopfen. Aber...


...ein Aber musste kommen.
(lächelt) Aber insgesamt ziehe ich ein sehr positives Fazit nach dem Lake Run in Winterberg. Wir haben mit 1216 Teilnehmern einen neuen Starterrekord erzielt und so bei der dritten Auflage der Wood-Edition zum dritten Mal die Teilnehmerzahl gesteigert. Zum Vergleich: Am Möhnesee lagen wir im dritten Jahr bei 600 Teilnehmern. (schmunzelt) Alles in allem war Winterberg ein voller Erfolg – und die meisten Rückmeldungen waren auch positiv.


Was sagen Sie zum Kritikpunkt, dass einige Hindernisse zu gefährlich waren?
Im Fall der Monkeybar, das ist ein Hangelhindernis, teile ich die Kritik. Die Fallhöhe lag am höchsten Punkt bei vier Metern und das ist etwas zu hoch. Das werden wir in Zukunft ändern, obwohl eine Absicherung der Sportler durch Weichbodenmatten vorhanden war. Das Problem ist: Auf der einen Seite sind die OCR-Sportler, die ein gewisses Niveau erwarten; auf der anderen Seite sind die Hobbysportler, denen die Lust vergeht, wenn es zu schwer wird. Wir müssen die Hindernisse deshalb besser aufteilen und zum Beispiel die technisch anspruchsvollen mehr auf der 20-Kilometer-Strecke aufstellen als im Ziel im so genannten Battlefield.


Es gab auch Kritik am Parkplatz...
(lacht) So etwas ist mir in den vergangenen 20 Jahren tatsächlich auch noch nie passiert.


Was?
Während des Aufbaus am Freitag kam ein Landwirt, der meinte, dass das Land ihm gehöre und er darauf jetzt unbedingt Mist ausbringen müsste. Was sollten wir da machen? Wir hatten die Flächen von der Stadt Winterberg gepachtet – und die hat sich über das Verhalten selbst gewundert.


Und wieso gab es keine T-Shirts für die Teilnehmer? Das war der dritte große Kritikpunkt.
In den vergangenen Jahren hatten wir Baumwollshirts. Zum Ende der Serie haben wir unter Teilnehmern eine Umfrage gemacht, ob sie bei Preisstabilität lieber ein Shirt oder eine größere Medaille möchten. 80 Prozent haben sich für die Medaillen entschieden. Von T-Shirts war deswegen in den Ausschreibungen für 2019 auch keine Rede mehr.


Sollen wir auch mal über Lob nach der Wood-Edition sprechen?
Gerne. (lächelt)


Die Rutsche zum Beispiel hat, glaube ich, allen Teilnehmern sehr viel Spaß bereitet.
Die haben wir für echt viel Geld aufgebaut – und sie war ein richtig geiles Hindernis. Aber mal ehrlich: Der Lauf insgesamt ist super. Die Fallhöhe und der Parkplatz, das waren Dinge, die mich selbst auch sehr geärgert haben. Aber sonst? Ich bin wie die meisten Teilnehmer absolut zufrieden.

Und eins darf man auch nicht vergessen: Es gab zwar acht Verletzte, aber nie war ein Hindernis der Grund. Die Leute sind zum Beispiel umgeknickt. Ein Hindernislauf birgt diese Gefahr eben mehr als wenn es nur geradeaus geht.


Lake Run, Tough Mudder, Strongman oder wie die Hindernisläufe alle heißen. Wie erklären Sie sich den Boom in dieser Sparte?
Ich habe bereits vor Jahren prognostiziert, dass sich der Laufsport verändern wird – und das geschieht. Traditionsläufe wie der Silvesterlauf von Werl nach Soest oder der Paderborner Osterlauf ziehen weiterhin, aber ansonsten suchen die Leute den Reiz des Besonderen. Die persönliche Herausforderung, wie weit kann ich an meine Grenzen gehen und das Teamerlebnis sind solche Sachen.


Das Teamerlebnis?
Die Hälfte der Hindernisse in Winterberg hätten Sie und ich nicht alleine geschafft. (grinst)


Wie geht es denn in Zukunft weiter mit dem Lake Run?
Am 23. Juni folgt die Mud-Edition in Bremen, bevor es zur Wiege der Serie an den Möhnesee geht. Am 25. August erwarten wir 2700 Teilnehmer zur mittlerweile zehnten Water-Edition. Den Abschluss der Serie bildet dann zum zweiten Mal Trendelburg. Am 13. Oktober gibt Ritter Dietrich den Start frei und verteilt die Finisher-Medaille der Steel-Edition.


Danke, ich meinte: Wie geht es perspektivisch weiter?
(grinst) Im nächsten Jahr geht es ins Biathlon-Mekka nach Oberhof. Dort komplettieren wir die Serie der Elemente mit der Air-Edition inklusive Skisprungschanze offiziell. Wasser, Erde, Feuer, Luft – aktuell ist das mit Wood, also Holz, ja etwas gekrückt. Oder besser gesagt eine Vermischung der Kulturen.

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