Skeleton

Darum bleibt Skeleton-Star Jacqueline Lölling der RSG treu

Den Verein verlassen? Das kommt für Jacqueline Lölling nicht in Frage. Sie bleibt trotz ihrer Erfolge der kriselnden RSG Hochsauerland treu.

Den Verein verlassen? Das kommt für Jacqueline Lölling nicht in Frage. Sie bleibt trotz ihrer Erfolge der kriselnden RSG Hochsauerland treu.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Wiemeringhausen.  Skeleton-Star Jacqueline Lölling fährt von Erfolg zu Erfolg. Warum es aber keine Option ist, die kriselnde RSG Hochsauerland zu verlassen.

Ihre Entscheidung zu verstehen, ist schwierig – oberflächlich betrachtet. Schließlich ist sie Weltmeisterin, zweifache Vize-Weltmeisterin, zweifache Gesamtweltcup-Siegerin und holte bei den Olympischen Winterspielen 2018 die Silbermedaille. Skeleton-Star Jacqueline Lölling startet trotzdem weiterhin für die RSG Hochsauerland – und wundert sich sogar, wenn das jemand in Frage stellt.

„Die RSG ist mein Verein“, sagt Jacka, wie die sympathische 24-Jährige aus Brachbach im Siegerland an den Eisbahnen landauf, landab überwiegend genannt wird. „Und ich wäre sehr traurig, wenn es ihn in Zukunft nicht mehr geben würde“, ergänzt sie. Der kleinste, aber durch ihre Erfolge erfolgreichste Skeleton-Klub in Deutschland kämpft um sein Überleben. Weil es der im Olsberger Ortsteil Wiemeringhausen beheimateten RSG Hochsauerland um ihren Vereinsvorsitzenden Wolfram Schweizer an Sponsoren, Nachwuchs und erwachsenen Aktiven mangelt.

Außer Lölling – fährt mittlerweile niemand mehr für die RSG.

Doch trotz ihrer großartigen Erfolge denkt die Siegerländerin gar nicht daran, „ihre“ Rennschlittengemeinschaft zu verlassen. Zum einen, weil sie bodenständig, heimatverbunden und einfach eine treue Seele ist. „Ich habe mit 12 Jahren mit Skeleton angefangen, bin seitdem im Verein und weiß genau, was Wolfram und die RSG damals alles für mich getan haben“, sagt sie.

8000 Euro für die RSG

Zum anderen bleibt sie aus finanziellen Gründen, obwohl das im ersten Moment paradox klingt, da es dem Klub ja an Sponsoren mangelt. Aber: „Ich darf mich selbst vermarkten und das finde ich sehr gut“, erklärt Lölling. Als ausgebildete Bundespolizistin ist die 24-Jährige grundsätzlich abgesichert. Erfolgsprämien oder Sponsorengelder fließen zudem in Löllings Tasche, aus der allerdings auch die Kosten getragen werden müssen, die nicht von den Verbänden übernommen werden. Die RSG? Kassiert nichts, unterstützt sie aber auch finanziell nicht.

Siegerländer Platt mit Skeleton-Star Jacqueline Lölling
Siegerländer Platt mit Skeleton-Star Jacqueline Lölling

Allerdings bedeutet das nicht, dass Lölling ihren Verein nicht unterstützt. Alte Kufen, nicht mehr benötigte Kleidungsstücke – immer wieder überlässt sie Schweizer und Co. solche Dinge. Als sie nach dem WM- und Gesamtweltcup-Sieg 2017 bei der Sportler-des-Jahres-Gala in Baden-Baden zur Newcomerin des Jahres gewählt wird, spendet sie die Hälfte des Preisgeldes, 8000 Euro, an die RSG. „Natürlich geht das Geld an meinem Heimatverein“, sagt sie damals auf der Bühne. Der beschafft davon vor allem neues Material für Nachwuchspiloten. „Mittlerweile ist das Geld jedoch verbraucht“, sagt Wolfram Schweizer.

Das Material steht parat – nur die Benutzer fehlen.

Lölling benennt das Problem

Auch Jacqueline Lölling beschäftigt sich sehr mit dem Thema Nachwuchsgewinnung. „Wer kennt Skeleton? Das ist doch das Problem“, sagt sie. An Talentsichtungen nimmt sie gerne teil, „aber das ist oft nur eine Veranstaltung im Jahr, da müsste mehr kommen“, fordert sie.

Ebenso sei von Kindern und Jugendlichen, die Lust auf Skeleton hätten, mehr Einsatz gefragt, als beispielsweise bei Fußball-Interessierten. „Du musst das feste Ziel haben, dich weiterentwickeln zu wollen, ansonsten ist der Aufwand etwa mit den Fahrten zum Bahntraining nach Winterberg schnell zu hoch“, sagt sie. Ihr Plan ging auf. Sie gehört zur Weltspitze im Skeleton. Als Athletin der RSG Hochsauerland.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben