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Unter Tage beim Kristall-Marathon in Merkers

Mit Helm und Stirnlampe liefen die Teilnehmer beim elften Kristall-Marathon im Erlebnis-Bergwerk Merkers.

Mit Helm und Stirnlampe liefen die Teilnehmer beim elften Kristall-Marathon im Erlebnis-Bergwerk Merkers.

Foto: Stefan Reinke

Merkers/Dortmund.  Ein Lauf unter Tage - das konnte sich unser Laufblogger als Ruhrpott-Urgestein natürlich nicht entgehen lassen. Also, auf nach Thüringen!

"Glück auf! Glück auf!", tönt das Steigerlied aus zahlreichen Boxen und füllt den riesigen ehemaligen Salzbunker des Erlebnisbergwerks Merkers in Thüringen. Das gigantische Bauwerk liegt 500 Meter unter der Erdoberfläche und ist so etwas wie eine riesengroße Mehrzweckhalle mit Klettergarten, Spielplatz und Konzertbühne.

Doch heute ist die alte Kali- und Salzgrube fest in den Händen von mehr als 500 Läufern und ihren Familienanhang. Dem Ruf des Ausrichters Triathlonverein Barchfeld sind Sportler aus der ganzen Republik gefolgt, sehr viele aus dem Westen, davon wiederum erstaunlich viele aus Dortmund. Ein Lauf unter Tage ist eben etwas ganz Besonderes, vor allem dann, wenn man selbst aus einer Bergbauregion stammt. Bei uns in der Heimat hat man ja leider nicht alltäglich die Möglichkeit, per Seilfahrt Hunderte von Metern ins Bergwerk einzufahren - zu gefährlich, zumal Kohlegruben deutlich höheren Risiken ausgesetzt sind als Salzbergwerke. Sehr schade.

Test für das lädierte Sprunggelenk

Umso wichtiger war es mir, am Kristall-Marathon teilzunehmen. Gleichzeitig sollte der Lauf ein Test für mein lädiertes Sprunggelenk sein und ich war froh, dass ich es nicht mehr geschafft hatte, mich für den Halbmarathon anzumelden, sondern mit dem Zehner vorlieb nehmen musste.

Unter Tage ist es eng und schmutzig

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Unter Tage ist es eng und schmutzig
WAZFotoPool

Der Kurs sollte durchaus anspruchsvoll sein, gespickt mit Kurven und einigen Höhenmetern. Und warm. Das wird uns schon beim Aussteigen aus dem Förderkorb klar. Die Entscheidung, nur kurze Laufsachen einzupacken, war goldrichtig. Die Temperatur beträgt 23 Grad, die Luft ist staubtrocken - ein Sommerlauf mitten im Februar.

Rasante Lkw-Fahrt zum Start

Das erste Highlight erwartete die Läufer und ihren Anhang allerdings lange vor dem Start: Nach der nur rund 90-sekündigen Seilfahrt bis zur Teufe von 500 Metern wurden wir mit großen Lkw zum Salzbunker gebracht. Hier wurde erstmals klar, warum im Bergwerk Helmpflicht besteht, denn die äußerst rasante Fahrt führte durch teilweise sehr niedrige Gänge, das schroffe Gestein knapp über den Köpfen der Mitfahrer.

Auch beim Laufen besteht Helmpflicht. Ein Geleucht sollten wir ebenfalls mitbringen. So blicke ich vor dem Start auf ein Meer aus bunten Radhelmen, an denen die Läufer auf verschiedene Weise - zum Beispiel mit Kabelbindern - Stirnlampen befestigt haben. Auf das Steigerlied folgt ein Countdown, dann setzt sich der Läufer-Tross in Bewegung. Schon nach wenigen Kurven entpuppt sich das Geleucht als sehr hilfreich, denn die Strecke im Salzbergwerk ist in weiten Teilen zwar nicht stockfinster, wohl aber schummrig.

Niedrige Luftfeuchtigkeit geht den Läufern an die Substanz

Während mein Körper die Wärme souverän wegsteckt, macht sich die niedrige Luftfeuchtigkeit schnell bemerkbar. Ich bekomme Durst, der durch die im Schein der Stirnlampe tänzelnden Salzpartikel noch verstärkt wird. Doch die Organisatoren haben an alles gedacht und auf dem nur 3,25 Kilometer langen Rundkurs zwei Verpflegungsstellen eingerichtet. An jeder davon mache ich kurz Rast und gönne mir zwei Becher Wasser.

Der Boden ist angenehm zu laufen, selbst glitschig aussehende, relativ steile Bergab-Passagen bieten den Schuhen einen festen Halt. Mein Sprunggelenk spielt ebenfalls mit, sodass sich meine Gedanken sehr bald ausschließlich auf das Erlebnis, endlich einmal unter Tage zu laufen, fokussieren. Ich genieße den Lauf, mache Foto- und Videopausen und wünsche den an der Strecke postierten Bergleuten brav "Glück auf". Allerdings bin ich auch froh, nur den Zehner zu laufen, denn unter den Bedingungen wäre ein Halbmarathon zu viel für mich. Noch dazu ist die Strecke nicht wirklich abwechslungsreich.

Nach gut 55 Minuten passiere ich die Ziellinie, nehme stolz meine Medaille entgegen und bin einfach nur happy. Ich hatte mir vom Kristall-Marathon nicht zu wenig versprochen. Und im Ziel bedaure ich es noch mehr, dass solche Veranstaltungen bei uns "vor Kohle" nicht machbar sind.

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