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Triathlon-Training erlaubt Einblicke in die Sportlerseelen

Beim Triathlon wird es eng im Kamener Freibad.

Beim Triathlon wird es eng im Kamener Freibad.

Dortmund.  Unser Laufblogger trainiert für einen Triathlon. Fast so interessant wie der Leistungszuwachs sind die Einblicke in fremde Sportlerwelten.

Nur noch wenige Tage bis zum Triathlon. Während des Trainings habe ich beim Schwimmen ungefähr ein dutzend mal beschlossen, einfach nicht anzutreten. Auf eine passable Trainingseinheit folgte eine verheerende. Richtig gut hat es nur sehr selten geklappt. Ich bleibe dabei: Die erste Disziplin will ich einfach nur überstehen.

Dabei habe ich in den vergangenen Wochen durchaus Fortschritte gemacht und meine Brusttechnik erheblich verbessert. Die Prioritäten habe ich dabei auf die Armarbeit und die Wasserlage gesetzt. Ich habe Videos studiert und heimlich anderen Schwimmern zugeschaut.

Beim Schwimmen geht Technik über Kraft

Tauchen, gleiten, ausatmen, auftauchen, einatmen – Schwimmen ist echte Koordinationskunst. Ich weiß nicht, wie viele Liter Wasser ich beim Versuch, unter Wasser einzuatmen, schon geschluckt habe. Oder beim Einatmen über Wasser, aber mit einer Wand aus Wasser vor dem Gesicht. Eine erstaunliche Lehre: Je ruhiger ich schwimme, desto besser klappt es. Und selbst wenn ich mich ganz auf die Technik konzentriere und wirklich ruhig die Gleitphase unter Wasser auskoste und mit Bedacht auftauche und einatme, bin ich immer noch schneller als mit dem "Köpfchen über Wasser"-Stil, den ich sonst so als schwimmen bezeichne. Hektik oder übermäßiger Krafteinsatz bremsen. Wenn ich lospowere, bin ich nach einer Bahn so platt und voller Wasser, dass ich erst einmal verschnaufen muss. Ich muss aber zehn Bahnen schwimmen.

Auch meine Hantel habe ich entstaubt und abends beim Fernsehen auf der Couch etwas für meine viel zu dünnen Ärmchen getan. Momentan bin ich halbwegs optimistisch. Es ist schon immer wieder erstaunlich, wie Training wirkt. Und trotzdem werde ich einen lauten Jubelschrei ausstoßen, wenn ich die Schwimmstrecke hinter mich gebracht habe.

Radfahren mit dem Arbeitsweg kombiniert

Das Radfahren habe ich ausschließlich auf dem Weg zur Arbeit und wieder nach Hause trainiert. Das funktioniert sehr gut. Auf dem Hinweg noch gemütlich unterwegs, habe ich auf dem Rückweg richtig Stoff gegeben. Die 24 Triathlon-Kilometer sollte ich wohl in 45 Minuten schaffen – die Strecke ist ja flach (O-Ton meines radfahrenden Kollegen: "45 schaffste locker!"). Ums Radfahren mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

Ulkiger ist da schon der Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke bzw. die ersten paar hundert Meter in Laufschuhen. Es fühlt sich an, als liefe man auf Eiern, wenn man vom Rad steigt und beginnt zu rennen. Die Muskeln brauchen eine ganze Weile, um sich an das neue Bewegungsmuster zu gewöhnen. Dazu kommt, dass der Kopf noch das Fahrradtempo gewohnt ist und die Laufgeschwindigkeit überhaupt nicht einschätzen kann. Das ist bei lediglich fünf zu laufenden Kilometern allerdings eher von Vorteil – Augen zu und durch!

Der Wechsel als vierte Disziplin

Bleibt die Sache mit den Wechseln, die ich dringend nochmals einstudieren muss. Bei meinem bislang einzigen Versuch, vom Hallenbad aus direkt aufs Rad zu wechseln, merkte ich, dass es so gut wie unmöglich ist, einen nassen Oberkörper in ein enges Kompressionsshirt zu quetschen. Das Shirt kann also zu Hause bleiben. Immerhin weiß ich jetzt, warum Triathleten im Einteiler schwimmen, radeln und laufen. Ich habe mich für eine Triathlonhose entschieden, mit der ich alle drei Disziplinen bewältigen kann. Vollständig umziehen muss ich mich also nicht. Aber finde ich mein Fahrrad? Vermutlich ja, weil nicht mehr all zu viele Räder in der Wechselzone stehen werden, wenn ich mich aus dem Becken wuchte.

Was ohne Probleme geklappt hat, war das Anziehen von Lauffüßlingen und -schuhen. Da ich mit meinem normalen Rad unterwegs sein werde, kann ich auch in Laufschuhen fahren. Beim Wechsel von der Rad- auf die Laufstrecke muss ich also nicht viel machen. Rechtzeitig vom Rad steigen, den Helm nicht zu früh öffnen und ablegen, Startnummer von hinten nach vorne drehen. Dann geht's los in Richtung Ziellinie.

So groß meine Skepsis vor der ersten Disziplin ist, so groß ist meine Vorfreude (gemischt mit Versagensangst) auf den Triathlon. Es wird eine komplett neue Erfahrung. Ich bin total aufgeregt.

Schwimmer, Radfahrer, Läufer – alles Typen für sich

Doch eine Sache ist fast genau so interessant wie das Beobachten der eigenen Trainingsfortschritte: Die Analyse der unterschiedlichen Sportler-Typen. Dabei sind mir große Unterschiede zwischen Schwimmern, Radfahrern und Läufern aufgefallen. Beim Lesen bitte nicht das Augenzwinkern übersehen, mit dem folgende Zeilen geschrieben worden sind.

Schwimmer: Die Eigenbrötler unter den Sportlern. Nichts ist individueller als einsam im Wasser seine Bahnen zu ziehen. Hin und her und her und hin und wieder zurück. Bahn um Bahn, Kachel um Kachel. Ohne Auge für ihre Umgebung spulen Schwimmer ihr Pensum runter. Kein Gruß, kein Geräusch. Nur Wasser und Arme. Schwimmen ist wahnsinnig unkommunikativ. Für mich ist das nichts, ich tausche mich doch so gerne ständig aus.

Noch dazu kommt, dass Menschen wie ich, also eigentlich Nichtschwimmer, gar keinen Kontakt zu richtigen Sportschwimmern bekommen. Schwimmen ist elitär. Während die Könner auf ihren abgetrennten Bahnen unterwegs sind, teile ich mir des Rest des Beckens mit Schwimmern, die nicht unbedingt mit sportlichen Ambitionen unterwegs sind. Gesundheitsschwimmer! Hätten sie Stöcke, wären sie Nordic Walker. So sind sie Hindernisse. Allerdings durchaus Hindernisse, auf die ich neidisch blicke. Denn es ist schon beeindruckend, wie Menschen, die sich an Land kaum bewegen können, im Wasser aufblühen und durch das Nass gleiten. Ich gleite ja nicht, ich kämpfe mit dem ungeliebten Element.

Meine Lieblinge sind aber die Rückenschwimmer, von mir auch „Rückwärtsschwimmer“ genannt. Mal ehrlich: Wie kann man auf die Idee kommen, in einem vollen Becken rückwärts zu schwimmen, sodass man nicht sehen kann, wen man da gerade in die Tiefe rammt? Sich einfach darauf zu verlassen, dass die anderen Schwimmer schon noch ausweichen, ist schon dreist. Ich laufe doch auch nicht rückwärts durch den Wald!

Radfahrer: Auch so eine Spezies für sich, nicht gerade leicht zugänglich und nicht sehr kommunikativ. Dass man freundliche Radfahrer an den Fliegen zwischen den Zähnen erkennt, ist eine alte Weisheit. Wenn ich beim Training richtig aufgepasst habe, besteht diese Gefahr bei den wenigsten Pedaleros. Meist wirken sie konzentriert oder angestrengt oder beides. Vom Laufen bin ich es ja gewohnt, entgegenkommende Sportler zu grüßen oder gegrüßt zu werden und zurück zu grüßen.

Radfahrer grüßen nicht und reagieren nicht. Vielleicht grüßen sie aber auch wegen der Fliegen nicht. Oder einfach nur mich nicht, weil sie mich nicht für voll nehmen. Ich besitze ja kein Rennrad, sondern ein Straßenrad mit Licht und Schutzblechen. Das sieht das geübte Auge des Rennradfahrers natürlich sofort und somit gelte ich offenbar nicht als grüßenswerter Artgenosse, sondern als einfacher Verkehrsteilnehmer. Selbst wenn ich erkennbar in Sportklamotten und schnell unterwegs bin, ernte ich eher Blicke à la „Was will der Typ hier?“ als einen kollegialen Gruß unter Sportskameraden.

Am Ende ist Radfahren also offenbar ein elitärer Sport, bei dem sich die Sportler an der Ausrüstung erkennen. Ist das wirklich so? Das wäre schade. Oder gibt es unter Radfahrern geheime Grußzeichen, die ich als Läufer nicht (er)kenne?

Läufer: Natürlich bin ich befangen, aber Läufer sind toll! Laufen ist demokratisch. Laufen kann jeder. Es gibt auf der Straße keine Extra-Spur für „echte“ Läufer, selbst auf der Tartanbahn im Stadion Rote Erde können Hobby-Läufer zeitgleich mit Profis trainieren, so lange sie niemanden im Wege stehen. Niemand rennt rückwärts andere Läufer um, man grüßt sich, hat Respekt und beurteilt die Mitsportler nicht nach ihren Schuhen oder ihrer Hose. Läufer sind Brüder und Schwestern im Schweiße. Wir treffen uns im Wald und sagen „hallo“. Wir treffen uns im Park und grüßen uns mit einem kurzen Schnaufer. Wir machen Fotopausen, wenn die Gegend schön ist. Wir ändern unsere Laufrichtung, wenn uns ein netter Mitläufer entgegenkommt. Wir laufen ein Stück gemeinsam und unterhalten uns.

Ganz egal, wie ich beim Triathlon abschneiden werde: Ich bin Läufer – und das ist auch gut so.

Die Sportart bestimmt das Verhalten

Vielleicht liegen die Unterschiede aber auch ganz einfach in den Eigenheiten der jeweiligen Sportarten begründet. Wer beim (sportlichen) Schwimmen plaudert, schluckt Wasser. Außerdem ist außer Wasser eh nicht viel von der unmittelbaren Umgebung zu sehen. Bei hohem Tempo auf dem Rad ist Konzentration gefragt und wer sich gerade einen Mörderanstieg hochquält, ist mit seinen Gedanken wahrscheinlich gerade ganz woanders. Wir Läufer haben es da schon leichter. Wer nicht gerade Intervalle ballert, findet meist eine Zehntelsekunde, um kurz die Augenbraue zum Gruß hochzuziehen.

In dem Sinne: Haut rein, egal, was ihr macht.

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