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Sag niemals nie: Nun also doch ein Triathlon

Triathlon-Start in Hamburg - so professionell wird es nicht aussehen, wenn unser Laufblogger ins Wasser geht.

Triathlon-Start in Hamburg - so professionell wird es nicht aussehen, wenn unser Laufblogger ins Wasser geht.

Dortmund.  Niemals würde unser Laufblogger einen Triathlon in Angriff nehmen. Auf keinen Fall. Außer den am 11. Juni in Kamen. Man kann's ja mal probieren.

Jetzt also Triathlon. Jetzt also noch eine Sportart oder Disziplin, von der ich noch vor einem Jahr aus voller Überzeugung gesagt habe, dass ich sie nienienienie ausprobieren würde. Ich war mir ja auch sicher, dass ich nie einen Ultra-Marathon laufen würde, bis ich es dann tat. Aber Triathlon? Allein schon wegen der elenden Schwimmerei: Im Leben nicht!

Dann absolvierte ein Kollege einfach so einen Triathlon und schrieb darüber. Mein Jagdinstinkt war geweckt. Ich könnte ja mal... Also, ganz vielleicht...

An den vergangenen beiden Samstagen war ich im Schwimmbad. Vergangene Woche habe ich mein Fahrrad aus der Werkstatt geholt. Die Reifen waren abgenutzt. Das Teil muss ja flott sein, wenn ich auf Zeit fahren will. Das Schicksal nimmt so offenbar seinen Lauf und will mich am 11. Juni nach Kamen führen.

So soll es dann wohl sein: Ich plane einen Triathlon

Triathlon also. Schwimmen, Radfahren, Laufen - alles an einem Tag. Ist das diese Midlife Crisis, die ich eigentlich schon überwunden glaubte? Bin ich an dem Punkt in meinem noch jungen Läuferleben angelangt, an dem ich merke, dass ich nicht mehr schneller werde und darum eine neue Herausforderung suche? Mitte 40 ist ja das klassische Alter für alle, die sich noch für jung genug für einen Neuanfang halten. Wenn die Läufe nicht mehr schneller werden, verlängert man halt die Distanz. Ausdauernd lang und langsam laufen geht schließlich immer. Oder man garniert das Laufen mit zwei weiteren Disziplinen.

Ganz ehrlich: Ich bin fest davon überzeugt, dass der Ausflug ins Triathlon-Geschehen eine einmalige Sache bleiben wird. Wenn ich den Trainingsaufwand bedenke, wird mir ganz anders. Das Radfahren werde ich wohl auf dem Weg von der Arbeit nach Hause trainieren. Eine weitgehend flache Strecke habe ich mir bereits herausgesucht. Die langen Sonntagsläufe sind ohnehin gesetzt und Samstag ist jetzt eben Schwimmtag.

500 Meter schwimmen sind 20 Bahnen im Hallenbad um die Ecke

Schwimmen. Beim Breitensport-Triathlon in Kamen stehen 500 Meter auf dem Programm. Im großen Becken sind das bloß zehn Bahnen, im Hallenbad um die Ecke sind es 20. 20 Bahnen! Am Stück!

Um ungefähr zu wissen, in welcher Zeit ich diesen wassergewordenen Everest bezwingen muss, habe ich einen Blick in eine Ergebnisliste des Kamener Triathlons geworfen. Der Letztplatzierte hatte eine Schwimmzeit von rund 17 Minuten. Der Mann startete in der Altersklasse M70. Das ist also mein Benchmark: Ich muss einen Mann im Alter zwischen 70 und 74 schlagen. Das wird hart, ganz hart.

Etwas Mut schöpfte ich immerhin am vorvergangenen Samstag beim Schwimmen (ich nenne es gerne Überlebenstraining). Im Becken war Platz, ich schwamm relativ ungestört und blickte immer wieder etwas neidisch zu dem betagten Mitschwimmer auf der Nebenbahn, der dort ruhig und zügig seine Bahnen zog. Das sah gar nicht schlecht aus. Aber: Selbst mit meinem schrecklichen, kraftraubenden Bruststil war ich schneller, insbesondere dann, wenn ich es schaffte, über einen längeren Zeitraum eine Tauchphase einzubauen. Nimm das, Mr. M70!

15 Minuten lang durchs Wasser gepflügt

Ich pflügte also durch das Wasser und bewältigte laut Uhr die 500 Meter in 15 Minuten. Da ich mir nicht sicher war, ob sich die Uhr vielleicht verzählt hatte, schwamm ich vorsichtshalber sogar noch zwei Bahnen. Eine Woche später brauchte ich eine Minute länger. Ein Rückschlag? Ich muss dranbleiben. Vielleicht langsamer und länger schwimmen. Beim Laufen wird man ja auch durch langsame, lange Läufe schneller.

Ich bin recht zuversichtlich, dass ich die erste Disziplin beim Triathlon zumindest überleben werde. Und wenn ich als Letzter aus dem Becken steige, muss ich wenigstens mein Fahrrad nicht suchen.

Um die dritte Disziplin, das Laufen, mache ich mir keine Sorgen. Fünf Kilometer sind ja quasi Sprint. Die mache ich mal eben so. Denke ich mir zumindest mal. Allerdings kommt ja zwischen Überlebenskampf und Laufeinheit noch das Fahrradfahren.

Die Fahrradstrecke ist die große Unbekannte

Ich fahre sehr gerne Fahrrad. Ich fahre auch gerne weite Strecken und schnell. Natürlich haben echte Triathleten eine andere Vorstellung von "schnell" als ich, aber die haben auch Rennräder. Ich habe ein Trekkingrad. Und da der Triathlon ja ganz bestimmt eine einmalige Angelegenheit bleiben wird, plane ich nicht die Anschaffung einer Rennmaschine. Meine Beine müssen es richten. Ich vertraue ihnen.

Der erste Härtetest erfolgte am 30. April auf der Strecke Hagen-Dortmund. Da der Ruhrtalradweg wieder frei ist, gibt es jetzt endlich eine Möglichkeit, sich von der Hagener City aus weitgehend flach dem Dortmunder Stadtgebiet zu nähern. Ich trat kräftig in die Pedale und raste in einer – wie ich finde – sehr ordentlichen Zeit von einer Stunde und zehn Minuten auf 27 Kilometern. Im Schnitt sind das zwar nur 23 km/h, was aber okay ist, wenn ich bedenke, dass es notgedrungen die eine oder andere verkehrlich (Ampeln, störende Fußgänger ...) oder landschaftlich (der Aufstieg von Schwerte nach Dortmund) bedingte langsamere Passage gab. Auf komplett flacher Strecke wäre der Schnitt höher gewesen, darauf lässt sich sicherlich aufbauen.

Auf alle Varianten des Ausscheidens vorbereitet

Bis Kamen sind es nur noch anderthalb Monate - immerhin genügend Zeit, um mich mit allerlei Gedankenspielen verrückt zu machen. Dadurch bin ich zumindest mental auf jede Form des Ausscheidens vorbereitet. Spontanes Ertrinken im Schwimmbad, Aufgabe aus Verzweiflung, weil ich mein Fahrrad nicht finde, Disqualifikation, weil ich beim Wechseln oder beim Radfahren gegen das nicht unkomplizierte Regelwerk verstoße - alles habe ich bereits durchgespielt.

Entsprechend bescheiden ist meine Zielsetzung. Ich will ankommen, möglichst nicht als Letzter. Dann ist das Thema Triathlon erfolgreich abgehakt. Für immer. Ganz bestimmt.

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