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Lauf zwischen Kaue und Natur: der Bottroper Herbstwaldlauf

Die Waschkaue der Zeche Prosper-Haniel dient den Läufern beim Bottroper Herbstwaldlauf als Umkleide.

Die Waschkaue der Zeche Prosper-Haniel dient den Läufern beim Bottroper Herbstwaldlauf als Umkleide.

Foto: Stefan Reinke

Bottrop.  Für Ruhrpott-Fans ist der Bottroper Herbstwaldlauf ein absolutes Muss. Schon vor dem Start freute sich unser Laufblogger über das erste Highlight.

Der November ist nicht unbedingt des Läufers Lieblingsmonat. Ab und zu mögen noch ein paar sonnige Tage über das triste Herbstgrau hinwegtrösten, insgesamt sind die Highlights aber rar gesät. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie der Bottroper Herbstwaldlauf.

Das Motto "Aus der Kaue in den Wald" ist bei diesem traditionsreichen Event wörtlich zu nehmen. Denn bei der 44. Auflage des Bottroper Herbstwaldlaufs lagen Start und Ziel zum 20. Mal auf dem Gelände der Zeche Prosper-Haniel, der letzten noch aktiven Zeche des Ruhrgebiets. Unterm Fördergerüst finden die Läufer einen perfekt und familiär organisierten Lauf vor. Es duftet nach Kaffee und selbstgebackenem Kuchen, die Männer und Frauen vom Adler-Langlauf Bottrop an der Anmeldung haben für jeden Teilnehmer einen netten Spruch und ein Lächeln.

Vorfreude auf das Abenteuer Waschkaue

Das erste Highlight wartet schon vor dem Start auf die Läuferinnen und Läufer. Denn als Umkleide dient die Waschkaue, in der sich sonst die Bergmänner vor der Einfahrt ins Bergwerk umziehen bzw. nach der Schicht duschen und wieder in ihre Straßenkleidung schlüpfen. Ich muss zugeben, dass dies auch der Grund für meine Nervosität vor dem Start. Denn sportlich hatte ich mir keine großtaten vorgenommen. Die zu bewältigenden 25 Kilometer wollte ich einfach gemütlich laufen. Aber auf das Erlebnis, mich in einer echten Kaue umzuziehen und zu duschen, löste schon etwas Vorfreude aus - zumal ich etwas Bammel hatte, ob ich den Korb für die Kleidung ordnungsgemäß an die Decke befördern könnte. Außerdem fehlt mir diese Erfahrung noch, um meine Satz an Bergbauerlebnissen zu komplettieren, nachdem ich bereits im Besucherbergwerk Graf Wittekind in Syburg geschuftet habe und vor einiger Zeit eine Grubenfahrt auf Prosper-Haniel unternehmen konnte.

Als ich in die Kaue kam, hingen schon zahlreiche mit Sportklamotten gefüllte Körbe an der Decke. Einige leere Exemplare standen auf dem Boden. Ketten führten zu den Sitzbänken. Die Suche nach der Kette für den richtigen Korb erinnerte mich allerdings etwas ans Weihnachtswichteln, denn zumindest mir war nicht auf Anhieb klar, an welcher Kette ich ziehen musste, um welchen Korb zu bewegen. Als aber auch das geklärt war, ging alles ganz easy. Glücklicherweise hatte ich im Kleingedruckten des Veranstalters den Hinweis gelesen, dass man ein Vorhängeschloss mitbringen solle, sodass ich meinen Korb auch ordnungsgemäß sichern konnte, nachdem ich ihn an die Decke gezogen hatte.

Plaudernd auf der Strecke

Raus in die Kälte und ab an den Start. Zunächst wurden die 50-km-Läufer auf die Reise geschickt, 40 Minuten später war dann die 25-km-Gruppe an der Reihe. Ich startete neben meinem Vereinskollegen René. Beide schlossen wir kurz nach dem Start zu Monika und Vera auf, die für den Dortmunder Lauftreff LT Wischlingen auf Kilometerjagd gehen. Es war prima. Wir plauderten und liefen, von Leistungsdruck überhaupt keine Spur. Ich freute mich völlig entspannte 25 Kilometer.

Die Strecke des Herbstwaldlaufs lädt auch nicht zum Rennen ein - dafür ist sie viel zu schön. Das bunte Herbstlaub und die entspannte Atmosphäre im Läuferfeld sorgten für ein wirklich schönes Lauferlebnis rund um den Kirchheller Heidesee. Fast über die gesamte Distanz blieb unser Grüppchen zusammen. Nur für etwa 30 Minuten hatte ich mich etwas nach vorne abgesetzt, weil meine Beine gerade so gut von alleine liefen. Als ich bei einer Verpflegungsstation aber sah, dass meine Entourage nur rund 200 Meter hinter mir war, wartete ich, um gemeinsam weiterlaufen zu können. Mit dem Fördergerüst vor Augen überquerten wir nach 2:35 Stunden die Ziellinie und waren einfach nur zufrieden und froh, diesen wirklich schönen Lauf geschafft zu haben.

Für mich ging es anschließend wieder in die Kaue. Vorsichtig ließ ich meinen Korb von der Decke, packte meine Sporttasche aus, ging Duschen (allein wegen dieser hervorragend eingestellten Duschen kann man übrigens neidisch auf Bergleute sein), zog mich an und fuhr um eine Erfahrung, ein T-Shirt, ein Bierglas und eine liebevoll gestaltete Medaille reicher nach Hause.

Bottroper Herbstwaldlauf vor ungewisser Zukunft

Allerdings steht dieser tolle Lauf offenbar vor einer ungewissen Zukunft. Einerseits erwägt die Polizei, die Querung einer vielbefahrenen Straße zukünftig nicht mehr zu sichern. Andererseits wird Ende 2017 die letzte Schicht auf Prosper-Haniel gefahren. Ob auch über diesen Termin hinaus Start und Ziel auf dem Zechengelände liegen können, steht in den Sternen. Zu wünschen wäre es. Es ist schon schade genug, dass in den Zechen des Ruhrgebiets keine Unter-Tage-Läufe möglich sind, wie sie etwa in Thüringen angeboten werden. Doch auch Über Tage strahlen unsere Bergwerke Tradition aus. Es wäre ein Jammer, sollten die Teilnehmer des Bottroper Herbstwaldlaufs 2017 zum letzten Mal begleitet vom Steigerlied auf diese wunderbare Strecke gehen.

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