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Kompressions-Kleidung von Strammer Max im Test

Manche mögen's mit, manche lieber ohne: Kompressionsstrümpfe sind unter anderem auch Geschmackssache.

Manche mögen's mit, manche lieber ohne: Kompressionsstrümpfe sind unter anderem auch Geschmackssache.

Foto: iStock

Dortmund.  Es gibt Firmen, die sprechen unseren Laufblogger schon wegen des Namens an: Strammer Max etwa. Aber taugt die Kompressions-Wäsche aus Köln auch etwas?

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Kompression ist eine Glaubensfrage. Oder doch nicht? Die Hersteller der eng anliegenden Klamotten versprechen viel, wenn es darum geht, Kompressions-Wäsche an das sportliche Volk zu bringen. Wenn ein Sportler dem nichtsportlichen Teil seines Bekanntenkreises berichtet, den letzten Halbmarathon mit Kompressionsstrümpfen gelaufen zu sein, erntet er allerdings oftmals diesen fragend-zweifelnden Blick. "Kompressionsstrumpf" klingt nach Oma oder nach Thrombose. Jedenfalls taucht vor dem inneren Auge unweigerlich das Bild eines hautfarbenen Stützstrumpfs auf.

Doch, halt! Kompressionsstrümpfe für Läufer haben nichts mit den Strümpfen zu tun, die etwa nach Bein-Operationen oder auf langen Flügen getragen werden sollen, um Thrombosen zu vermeiden. Überhaupt nichts! Zumindest optisch. Denn im Gegensatz zum tristen Omastrumpf ist die Kompressionssocke in ihrer sportlichen Variante ein farbenfrohes Etwas. Bei vielen Laufveranstaltungen stechen Kniestrümpfe in allen denkbaren Neonfarben ins Auge. Neuester Trend: der Ringelstrumpf. Insbesondere Langstreckler schwören auf die Wirkung der langen, engen Strümpfe.

Weniger Schmerzen, aber mehr Ausdauer durch Kompression

Die Wirkweise von Kompressionswäsche ist simpel: Die Kleidung fördert durch ihre Enge den Transport von venösem, also "gebrauchtem", Blut zum Herzen und sorgt so dafür, dass frisches, sauerstoffreiches Blut schneller durch die Arterien in die Muskeln kommt. Läufer versprechen sich dadurch vor allem zwei Dinge: weniger Schmerzen und mehr Ausdauer. Am Oberkörper gilt die gleiche Rechnung. Insgesamt soll die Kompression am ganzen Körper stützen und zusätzlich für eine bessere Durchblutung und somit für mehr Frische sorgen.

Die Frage ist: Was bringt mir das?

Die Antwort fällt etwas schwer - womit wir bei der Glaubens-Problematik angelangt wären. Die einfachste Antwort wäre: Kompression schadet zumindest nicht. Aber lohnt es sich, 40 bis 50 Euro für Kniestrümpfe und noch einiges mehr für Hosen und Shirts auszugeben, wenn man bislang auch ohne sehr gut laufen konnte? Noch eine Antwort, diesmal ganz simpel: Einfach ausprobieren.

Unterstützung beim Heilungsprozess

Ich persönlich neige dazu, bei Läufen jenseits der 20 Kilometer mit Kompressionsstrümpfen zu laufen, aber nicht zwanghaft. Vom Gefühl her ist es in der Tat angenehmer, die Waden stramm verpackt zu haben. Die Muskeln werden kompakter und wackeln nicht. Als ich zuletzt alles daran setzte, meinen Muskelfaserriss in der Wade möglichst schnell verheilen zu lassen, kam ebenfalls ein Stützstrumpf zum Einsatz. Mit Erfolg. Mit Strumpf konnte ich beinahe schmerzfrei von der Couch zum Kühlschrank und zurück gehen, während ich ohne unterstützende Maßnahmen, nur auf Krücken durch die Wohnung humpeln konnte. Kompressionsstrümpfe sorgen also nicht nur für bessere Durchblutung, sondern sie geben auch Halt.

Obenrum, also am Oberkörper, trage ich ohnehin immer enge Shirts unter dem Laufshirt, allein schon wegen des Feuchtigkeitstransports und um die Brustwarzen zu schonen. Und auch an den Oberschenkeln mag ich es, wenn die Muskeln in engen Hosen ihre Arbeit verrichten.

Test: Kompressionskleidung von "Strammer Max" 

Der deutsche Hersteller "Strammer Max" hebt in der Werbung für seine Kleidung mit ihrer besonders starken Kompression. Auch hier sollen die erwähnten Vorteile zum Tragen kommen: stärkere Durchblutung, starker Halt. Netterweise hat mir die Firma ein Test-Paket aus Strümpfen, Hose und Unterhemd zum Testen zur Verfügung gestellt.

"Da soll ich reinpassen?", schießt es mir durch den Kopf, als ich das Unterhemd aus der Verpackung geholt habe. Das Teil sieht wirklich megaklein aus. Ein kurzer Greif-Test ergibt allerdings, dass das Material durchaus dehnungsfähig ist. In der Tat: Beim Anziehen habe ich keine Probleme. Ein Blick in den Spiegel ergibt allerdings, dass Kompressionskleidung bestehende Problemzonen zwar strafft, aber auch optisch betont. Also schnell ein Laufshirt drüber. Die Lauftight entpuppt sich als Kompressions-Unterhose. Auch sie lässt sich ohne Schwierigkeiten anziehen und übt sofort einen angenehmen Druck auf die Oberschenkel aus, ohne einzuengen. Über der Hose sollte zum Laufen aber noch eine weite Laufhose getragen werden. Angesichts der hohen Temperaturen am Testtag hatte ich da große Bedenken. Teil drei des Kompressions-Ensembles sind die Strümpfe. Auch sie lassen sich gut anziehen und schmiegen sich eng an die Waden.

Mein erster Testlauf mit der Kleidung sollt ein Intervall-Training auf der Bahn sein. An einem heißen Tag betrete ich das Stadion und verfluche mich für die Idee, ausgerechnet heute in den engen Klamotten zu laufen. Doch nach dem Einlaufen merke ich, dass es nirgends zu einem Hitzestau kommt. Die Kleidung leitet Feuchtigkeit sehr gut nach außen und engt überhaupt nicht ein. Ich drehe abwechselnd meine schnellen und langsamen Runden und fühle mich trotz der Hitze wohl. Natürlich kann ich das nicht definitiv der Kleidung zuschreiben. Vielleicht bin ich auch einfach nur gut drauf.

Fazit: So schneidet Kleidung von Strammer Max ab

Das Tragegefühl ist auch bei längeren Läufen hervorragend. Durch die gute Verarbeitung gibt es weder Druck- noch Scheuerstellen. Der Körper fühlt sich durch die Kompression kompakt an, aber nicht eingeengt. Das Laufgefühl ist sehr gut, weil der ganze Körper straffer ist, was wiederum die Muskeln und das Bindegewebe schont. Ob die Kleidung wirklich so wirkt, wie es der Hersteller verspricht, lässt sich aber schwer sagen, weil man nie weiß, welche Rolle der Faktor Tagesform bei den jeweiligen Testläufen gespielt hat. Ich bin in meinem Leben bislang zwei Marathons unter vier Stunden gelaufen – einmal mit und einmal ohne Kompressionsstrümpfe. Somit bleibt es wohl bei der Glaubensfrage und der simplen Feststellung, dass Kompression zumindest nicht schadet.

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