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Die letzte Woche vor dem Marathon: Muffensausen

So war's im vorigen Jahr: Ein strahlender Laufblogger vor dem Triumphbogen.

So war's im vorigen Jahr: Ein strahlender Laufblogger vor dem Triumphbogen.

Foto: Reinke

Dortmund.  Die letzte Woche der Marathon-Vorbereitung hat begonnen. Zeit, sich Gedanken über das Training zu machen und Muffensausen zu bekommen.

Montag. Als ob allein das nicht schon schlimm genug wäre, ist es zu allem Überfluss auch noch DER Montag. Der erste Tag der Marathonwoche.

Für alle Nicht-Läufer: Das ist die Woche, in der Körper und Geist von einer surrealen Mischung aus Tatendrang, Müdigkeit und Endzeitstimmung erfüllt sind. Am liebsten würde man trainieren, trainieren und noch mehr trainieren, um auch ja fit für den großen Tag zu sein. Andererseits ist der Körper müde und der Geist wünscht sich, es sei alles schon vorbei. Zwischen mir und der Medaille um meinen Hals liegen vier Arbeitstage, ein Reisetag, ein Paris-Tag und verdammte 42,195 Kilometer. Ach, hätte ich doch nie mit diesem Sport angefangen!

Selbstzweifel gehören zur letzten Marathon-Woche

Zu einer ordentlichen Marathonwoche gehört auch eine gehörige Portion Selbstzweifel. Ganz speziell in Bezug auf das geleistete Trainingspensum. Im vorigen Jahr hatte ich eine Bilderbuchvorbereitung. Aber in diesem Jahr? Arbeitszeiten, die mir bei der Erfüllung des Trainingsplans eine Menge Kreativität abverlangten, dazu Zipperlein und immer wieder kleine gesundheitliche Rückschläge haben dafür gesorgt, dass diese Vorbereitung nicht unbedingt das Prädikat "perfekt" verdient hat.

Doch vorbei ist vorbei. Es hat sich aus vorbereitet. Diese Woche wird gechillt.

Der letzte lange Lauf sollte ein flacher Zwanziger werden, ganz gemütlich nach dem Sonntagsdienst mit Ankunft daheim im Hellen.

Die letzten 20 Trainingskilometer

Das machte ein kleiner Zwischenfall zunichte, der den Dienst um 90 Minuten verlängerte. Vom Laufplan ließ ich mich aber nicht abhalten und machte mich so bald wie möglich auf die Socken. Ich fand tatsächlich eine flache Strecke, auf der ich Richtung Heimat trabte. Auf dem Ruhrtalradweg genoss ich die letzten Sonnenstrahlen und mir schwante, dass ich wohl das eheliche Läufertaxi in Anspruch nehmen müsste, um nach Hause zu kommen. Es passte: Nach exakt 20 überwiegend flachen Kilometern stieg ich ins Auto. Platt und glücklich. Die nächste 20 wird erst wieder am Sonntag auf meiner Laufuhr stehen und vermutlich werde ich dann denken, dass noch nicht mal Halbzeit ist.

Während ich also darauf warte, dass ich endlich in den Zug nach Paris steigen kann, drehen sich die Gedanken darum, was ich jetzt noch alles machen kann, um das nicht so gute Training zu kompensieren. Die Antwortet lautet natürlich: Nichts!

Proteine, Kohlehydrate und viel Schlaf

Aber geht nicht trotzdem irgendetwas? Die Ernährung noch einmal extrem auf Eiweiß und Kohlehydrate umstellen? Mehr Nudeln und Kartoffeln, mehr Lachs und Hühnchen - schaden kann es nicht. Vorhin bin ich tatsächlich noch in eine Drogerie eingekehrt und stand dort mit großen Augen vor dem Regal mit den Eiweißriegeln. Ein kleiner Proteinschub tut den müden Muskeln bestimmt gut. Und selbst wenn das Eiweiß keinen Nutzen hat, ist es doch besser als nur Däumchen zu drehen und auf Freitag zu warten. Und früh ins Bett zu gehen, denn viel Schlaf sorgt für gute Erholung.

Für Mittwoch steht noch mal eine kleine Trainingseinheit im Plan. Ansonsten bleibt mir wohl nichts übrig, außer zu warten und vom Arc de Triomphe zu träumen.

P.S.: Einen Nachbericht zum Paris-Marathon wird es in diesem Jahr nicht geben - denn nach dem Zieleinlauf ist erst einmal Urlaub angesagt.

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