Laufblog

Auf langen Läufen erfolgreich die Langeweile bekämpfen

In der Marathon-Vorbereitung werden die Läufe immer länger.

In der Marathon-Vorbereitung werden die Läufe immer länger.

Foto: dpa

Dortmund.  Marathonvorbereitung – das bedeutet, dass die Läufe am Wochenende immer länger werden. Unser Laufblogger grübelt über die Streckenauswahl.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Endlich Wochenende! Für Arbeitnehmer bedeutet das: Freizeit, Muße, Erholung. Für Läufer eher nicht, schon gar nicht in der Vorbereitung auf einen Marathon. Speziell in der dunklen Jahreszeit bietet das Wochenende die einzige Möglichkeit, lange bei Helligkeit zu laufen. Mindestens 20 Kilometer sollten es sein, gerne auch zweieinhalb oder gar drei Stunden. Und dabei immer aufs Tempo achten und nicht zu schnell werden. Der Sonntag gehört der Grundlagenausdauer 1.

Laufblog Lang und langsam laufen wir also durch die Stadt, durch Wälder, über Felder. Für Nichtläufer hört es sich vermutlich nach unvorstellbarer Anstrengung an, 25 oder 30 Kilometer am Stück zu laufen. Doch das ist gar nicht das Problem. Viel schwieriger ist es, eine Strecke zu finden, auf der sich die angepeilte Distanz bewältigen lässt, ohne dass es langweilig wird. Nicht die körperliche Strapaze ist das Problem bei langen Läufen, sondern die Langeweile, die sich manchmal einstellt.

Ich lege mir vor einem langen Lauf eine ungefähre Route vor meinem geistigen Auge zurecht. Ich überlege mir, woher ich wohin laufen könnte und schätze die Entfernung. Außerdem schließe ich in meine Planung ein, ob ich flach oder bergig laufen möchte.

Spontan einen Berg hoch gelaufen

Neulich zum Beispiel. Mein Plan sah ganz grob so aus: Ich wollte zum Rheinischen Esel, einer schön ebenen ehemaligen Bahnlinie zwischen Dortmund-Löttringhausen und Bochum-Langendreer laufen, dann noch ein Stück auf dem Esel traben und irgendwann in einer Schleife wieder nach Hause. 25 weitgehend flache Kilometer sollten so zusammenkommen. Ich erreichte den Rheinischen Esel, lief ein Stück und sah dann ein Straßenschild: Am Hülsenberg. "Kenne ich", dachte ich. "Steil wie Sau", dachte ich - und beobachtete mich dabei, wie ich abbog und diese steile, wirklich steile Straße in Angriff nahm. 17 Prozent Steigung - egal, ich laufe da jetzt hoch. Das war's mit dem flachen Lauf. In Dortmund-Schnee angekommen, lief ich weiter bis Witten und dann in einem Bogen zurück nach Hause. 24 Kilometer.

So etwas passiert mir öfter. Ich gehe aus der Haustür mit dem Plan, links herum zu laufen und biege sofort rechts ab. Ich will im Flachen laufen und erklimme plötzlich Dortmunds Berge. Immer und immer wieder weiche ich vom Plan ab. Ich weiß nicht, wie oft ich bei geplanten Flach-Läufen schon den Hügel am Phoenixsee hochgerannt bin. Der steht halt da!

Der Luxus des einsamen Läufers

Klar, das ist der Luxus, den man hat, wenn man alleine unterwegs ist. Ich muss mich nach niemandem richten. Wenn ich spontan Lust auf einen Berg bekomme, muss ich niemanden beknien, mitzukommen. Ich laufe einfach. Da ich in einem vorigen Leben Brieftaube gewesen sein muss, schaffe ich es dennoch fast immer, die anvisierte Kilometerzahl zu sammeln.

Sinnvoller wäre es aber vermutlich, mir ein Ziel zu setzen, eine Route festzulegen und dann zu laufen. Den Rheinischen Esel bis Langendreer und wieder zurück nach Hause zum Beispiel. Macht insgesamt rund 30 Kilometer. Ein wunderbarer langer Lauf. Laaaaangweilig! Auf der selben Strecke hin und wieder zurück zu laufen, finde ich unendlich öde. Und immer und immer wieder die gleiche Route abzulaufen, ebenfalls. Überhaupt finde ich es öde, stur auf ein Ziel zu zu laufen. Aber das wäre doch eigentlich klug, weil bei einem Marathon das Ziel auch nicht spontan den Ort wechselt.

Musik und Hörspiele gegen die Langeweile

Aber wie bekämpfe ich die Langeweile? Ich habe mir jetzt angewöhnt, doch mit Musik zu laufen. Das hilft wirklich. Allerdings neige ich dazu, bei schneller Musik auch etwas schneller zu laufen. Ich will aber noch die Grundlagenausdauer trainieren. Beim Lauf mit der Spontan-Besteigung des Hülsenbergs hatte ich etwas für mich völlig Neues auf den Ohren: Hörspiele, genau gesagt Star Wars als Hörspiel. Dort ist jeder Film auf 65 Minuten komprimiert, mit Erzähler und der Original-Tonspur. ich war begeistert. Zwei Folgen lang lief ich und lauschte der Metamorphose des Anakin Skywalker. Just als er als Darth Vader seinen ersten Atemzug durch seine Maske hauchte, war ich wieder zu Hause.

Ich war immer skeptisch, wenn Läufer erzählten, dass sie beim Laufen Hörbücher hören. Jetzt kann ich es mir doch vorstellen. Nicht für schnelle Läufe - da werde ich weiterhin auf Musik zurückgreifen oder gänzlich auf Kopfhörer verzichten. Aber bei langen Ausdauereinheiten scheinen Hörspiele und -bücher eine echte Alternative sein. Sie lenken auf unaufdringliche Weise ab und sorgen für Zerstreuung. Der Körper kümmert sich um die Lauferei, der Geist ist beschäftigt. Ich glaube, ich mache das jetzt öfter.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben