Laufstrecken

Hausrunde mit Pater Tobias: Laufen im Auftrag des Herrn

Die Hausrunde von Pater Tobias (rechts) führt entlang des Rhein-Herne-Kanals. Dadurch lässt sich die Streckenlänge gut variieren. Pater Tobias ist hier sogar schon bis Essen-Kray gelaufen. Mit ihm sind Andrea von Horn und Marc Wolko unterwegs.

Die Hausrunde von Pater Tobias (rechts) führt entlang des Rhein-Herne-Kanals. Dadurch lässt sich die Streckenlänge gut variieren. Pater Tobias ist hier sogar schon bis Essen-Kray gelaufen. Mit ihm sind Andrea von Horn und Marc Wolko unterwegs.

Foto: Marit Langschwager / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Pater Tobias ist Seelsorger, Manager und Lauftrainer. Wir begleiten den 56-Jährigen beim Training. Und reden über Gott, die Welt und das Laufen.

Der erste Blick durchs Büro verrät es bereits: Hier hat sich jemand eingerichtet, der gerne läuft. Unter dem Heizkörper warten 15 Paar Laufschuhe darauf getragen zu werden, hinterm Schreibtisch steht ein großer Garderobenständer voller Laufklamotten, an der Wand hängen Urkunden und Fotos von Wettkämpfen aus aller Herren Länder. Willkommen im Büro von Andreas Breer, der diesen Namen allerdings selbst nur noch selten hört. Besser kennt man ihn als Pater Tobias oder auch den „Marathon-Pater“.

Schnell werden wir aufgeklärt, dass „nur“ 8 Paar Schuhe seine sind und die anderen von den Mitstreitern seiner syrischen Laufgruppe sind. Und schon wir sind mitten im Gespräch, das wir nach einer kurzen Besprechung der geplanten Laufstrecke, unterwegs weiterführen.

Auf der Hoag-Trasse geht es Richtung Oberhausen

Startpunkt der Hausrunde des Paters ist – wie kann es anders sein – das Gemeindebüro der Duisburger Herz-Jesu-Gemeinde neben dem Schmidthorster Dom, wie die Neumühler ihre Kirche auch nennen. Auch wenn er als Pater eigentlich in der Prämonstratenser-Abtei Hamborn lebt, startet er viele seiner Läufe von hier und hat sogar eine Dusche in seinem Büro. Denn der Tagesablauf von Pater Tobias ist eng getaktet, genauso die Trainingszeiten, die er meist nutzt, um den Kopf frei zu bekommen.

Bereits nach wenigen Metern und zweimaligem Abbiegen sind wir auf der alten Hoag-Trasse, der zu einem Fuß- und Radweg umgebauten ehemaligen Güterverkehrsstrecke zwischen der Zeche Sterkrade und dem Walsumer Rheinhafen. Hier haben wir zunächst die Wahl: Nach rechts geht es in Richtung Landschaftspark Nord. Hier sammelt Pater Tobias Höhenmeter, indem er immer und immer wieder den alten Hochofen erklimmt. Links geht es in Richtung Oberhausen – Hausrunde Nummer 2, für schnelle Läufe und Intervalle. Wir entscheiden uns für links. Und durchaus zügig sind wir auch unterwegs.

Die Strecke an sich ist flach und zunächst einmal durchgehend asphaltiert. Wie viele der umgebauten Bahntrassen im Ruhrgebiet ist die Hoag-Trasse wunderschön angelegt und begrünt. Kennzeichen und Wegweiser sind überdimensionale farbige Spielfiguren. Fernab vom Autoverkehr lässt es sich hier prima laufen.

Laufen als Integrations-Projekt

Während wir unterwegs sind, erzählt Pater Tobias uns von den Dingen, die ihm am Herzen liegen und die ihn antreiben:„Es ist das Laufen mit und für Menschen.“ Er erzählt von syrischen Flüchtlingen, die ohne ein Wort Deutsch zu sprechen und zu verstehen, und ohne einen Kilometer in Laufschuhen laufend bewältigen zu können, bei uns angekommen sind.

Pater Tobias hat sie mitgenommen auf seine Läufe und ihnen dabei das Land, die Sprache und den Laufsport nähergebracht. „Die ersten deutschen Worte der Syrer waren ‘Baumarkt’, ‘Baum’ und ‘Weg’“ – gelebter Deutschunterricht und eine erste herzliche Anekdote auf unserer Laufstrecke.

Mittlerweile sprechen die ehemaligen Flüchtlinge ausgezeichnetes Deutsch, haben Ausbildungen erfolgreich absolviert und laufen immer noch. Einige von Ihnen sind mehrfache Marathonläufer und lassen den Pater durchaus mal hinter sich, wenn sich die Laufgruppe zu einem gemeinsamen Tempotraining trifft.

Dass wir es bei Pater Tobias mit einem trainierten Läufer zu tun haben, merken wir daran, wie mühelos wir uns trotz des flotten Tempos und der Wärme am heutigen Vormittag unterhalten. Bei den interessanten Geschichten vergeht die Zeit wie im Flug. Wir haben inzwischen die ersten 4,5 Kilometer absolviert und erreichen das Niederrhein-Stadion. Direkt hinter dem Wohnzimmer von RWO führt uns die Laufstrecke an den Rhein-Herne-Kanal. Entlang des Kanals geht es in Richtung Centro und Gasometer. Die Bäume spenden uns an diesem schwülwarmen Vormittag etwas Schatten. „Hier bin ich schon bis Essen-Kray gelaufen“, berichtet Pater Tobias. „Für lange Läufe ist das hier wunderbar geeignet“.

Pater Tobias hat erst mit 43 Jahren mit dem Laufsport begonnen

Seine Laufkarriere hat Pater Tobias erst mit 43 Jahren gestartet und im gleichen Jahr seinen ersten Marathon absolviert. Mittlerweile ist er bei Nummer 79 angelangt. Alle im Auftrag des Herrn. Denn wenn Pater Tobias an den Start geht, sammelt er Spenden. Für Duisburger Kinder, sein gemeinnütziges Projekt LebensWert und viele andere Projekte.

Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist ihm in dieser langen Liste von Läufen der Oman-Wüsten-Marathon. In sechs Tagen ist er 165 Kilometer durch die Wüste gelaufen. Durch Sand, über Dünen, in sengender Hitze. „Richtig Angst hatte ich eigentlich nur vor dem Marathon in der Nacht. In kompletter Dunkelheit sind wir durch die Wüste gelaufen. Jeden Kilometer stand eine Laterne, an der wir uns orientieren konnten. Teilweise war es stockdunkel, weit und breit war keine Laterne zu sehen und ich war mutterseelenalleine unterwegs. Da bin ich mental an meine Grenzen gekommen. Erst auf der nächsten Düne war dann wieder ein Licht zu sehen.“

Im Lichtkreis der Laternen tummelten sich Schlangen und Skorpione, berichtet der 56-Jährige, während er locker weitertrabt und wir das Kribbeln nahezu spüren. „Vor denen hatte ich Angst. Auch nachts, wenn wir in den Zelten schliefen. Wir hatten Pumpen dabei, mit denen wir im Falle eines Bisses sofort das Gift absaugen mussten. Einige sind gebissen worden, ich zum Glück nicht.“

Für uns die Gelegenheit das Thema Gottvertrauen anzusprechen. Hilft der Glaube bei solch einem einsamen Lauf durch die Wüste? Glaubst Du, dass die Skorpione Dich nicht gebissen haben, weil Du als Priester unterwegs warst? Mit einem Augenzwinkern gefragt und ebenso beantwortet: „Ich hatte Weihwasser dabei. Wenn das den Teufel abhält, dann vielleicht auch Skorpione und Schlangen. Aber im Ernst. Den Glauben lebe ich jeden Tag, er ist fester Bestandteil meines Lebens. Er gibt mir Gelassenheit und lässt mich vor allem Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit leben.“

Sein bisher härtester Marathon: An fünf Tagen durch die Wüste von Oman

Mit den Bildern vom Wüstenmarathon im Kopf überqueren wir den Rhein-Herne-Kanal und nehmen Kurs aufs Centro. Hier wollen wir direkt am Kanal bleiben und müssen dafür an der Marina einige Treppen hoch und runter laufen – da schlagen zwei Trainerherzen höher - denn auch Pater Tobias ist seit kurzem ausgebildeter Lauftrainer. Die beiden Lauftrainer fachsimpeln direkt über die Möglichkeiten des Treppentrainings, über Trainingspläne, lange Läufe und das Lauftraining allgemein – Läufer halt! Wer trotz der Trainingsmöglichkeiten keine Treppen mag, kann diese aber auch mit einem kleinen Schlenker um das CentrO und durch den Klettergarten vermeiden.

Unser nächstes Zwischenziel ist die Slinky Springs to Fame-Brücke. Ein wunderbares Bauwerk, quasi wie für Läufer gemacht. Die als Spirale konzipierte Brücke hat einen bunten Bodenbelag aus Tartan, der hervorragend federt. Das Laufen ist Vergnügen pur und schnell finden wir in den Gleichschritt und bringen die Brücke zum Vergnügen einiger Kinder ordentlich ins Schwingen. Umso härter trifft uns dann der Übergang zurück auf den Asphalt – zurück auf dem Boden der Tatsachen und auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt – noch knapp 5 Kilometer to go.

So langsam melden sich bei uns Durst und Hunger. Umso mehr, da Pater Tobias von seinem Syrisch-Deutschen Restaurant Sham schwärmt, das direkt neben seinem Gemeindebüro liegt. Einer seiner syrischen Schützlinge, Yamen Kadour, hat gerade seine Abschlussprüfung zum Koch erfolgreich bestanden. Ab August ist Yamen fest als Koch im Restaurant Sham angestellt und bietet dort an mehreren Tagen in der Woche syrische Gerichte an. „Das syrische Essen ist sehr leicht und ausgewogen. Das ist ein hervorragendes Essen für Läufer“, schwärmt Pater Tobias und macht uns richtig Lust auf einen Besuch. Yamen ist nicht nur Koch sondern auch ein hervorragender Läufer und hat bereits 11 Marathonläufe für arme Kinder gefinisht. Man merkt deutlich, wie sehr diese Geschichte Pater Tobias bewegt und mit Stolz erfüllt.

Wenn Sie die Runde nachlaufen möchten, helfen Ihnen diese Informationen:

  • So kommt man hin: Start- und Zielpunkt der Route ist der Schmidthorster Dom der Herz-Jesu-Gemeinde, Holtener Straße 162/164 in Duisburg-Neumühl (Kartenausschnitt bei Google-Maps).
  • Die Streckenlänge: Die Route misst laut GPS-Tracker rund 15 Kilometer (variiert je nach Gerät). Je nach Trainingspensum und Lust oder Laune kann der Rundkurs durch Schlenker zum Beispiel am Gehölzgarten Ripshorst, dem „Zauberlehrling“ oder dem Klettergarten am Centro verlängert werden.
  • Das Höhenprofil: Die Strecke ist durchgehend flach, der Wendepunkt über eine der Kanalbrücken oder der Abstecher über Slinky sind die einzigen Anstiege.
  • Der Boden: Die Route geht zum Teil über asphaltierte und geschotterte aber gut zu laufende Wege entlang des Rhein-Herne-Kanals.
  • Das passende Schuhwerk: Perfekt ist ein Straßenschuh, wer schnell laufen möchte, der kann hier durchaus auch mal seine Wettkampfschuhe schnüren.
  • Für wen eignet sich die Strecke: „Die Hausrunde von Pater Tobias eignet sich für jeden Läufer oder auch für Wanderer. Sie kann an einigen Stellen verkürzt oder auch verlängert werden. Wer mag, kann schnelle Passagen oder Treppentrainings einbauen. Auch für nicht so geübte Läufer ist die Strecke gut zu laufen da sie sehr flach ist und man sich auf den autofreien Wegen ganz auf seinen Lauf konzentrieren kann“, so Andrea von Horn.
Die GPS-Daten der Strecke
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