Laufstrecken

Hausrunde mit Jan Fitschen: An den Fersen des Europameisters

Der ehemalige Europameister Jan Fitschen nimmt uns mit auf seine Lieblingslaufstrecke zwischen Ruhrgebiet und Bergischem Land.

Der ehemalige Europameister Jan Fitschen nimmt uns mit auf seine Lieblingslaufstrecke zwischen Ruhrgebiet und Bergischem Land.

Foto: Marit Langschwager

Mettmann.  Jan Fitschen, Europameister über 10.000 Meter, zeigt uns seine Lieblingsstrecke. Dabei erzählt er, wie er aus Nichtläufern Läufer machen möchte.

Der weite Blick über die Felder, die verschlungenen Wege vorbei an Fachwerkhäusern und durch den Wald, die kleinen Brücken über die Düssel: Die Augen von Jan Fitschen leuchten, wenn er von seiner Lieblingslaufstrecke erzählt. Und ja, es ist wirklich eine schöne Strecke, die der ehemalige Europameister über 10.000 Meter uns im Rahmen unserer Aktion „Hausrunde“ in seiner Heimatstadt Mettmann zeigt.

Wir treffen Jan Fitschen in Mettmann. Hier ist der 42-Jährige mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern (3 Jahre und 10 Monate) sesshaft geworden. Unsere Laufrunde startet am Parkplatz Goldberger Straße/Ecke Böttingerweg. Direkt loslaufen können wir nicht. Es werden Handys gezückt, Fotos gemacht und Uhren verglichen. „Ihr habt doch nichts gegen eine Instagram-Story, oder?“, fragt Fitschen, hält das Handy in die Luft, nimmt ein kurzes Video auf und lässt seine 10.000 Follower an unserem Lauf teilhaben. Geplant ist eine Strecke von 13 Kilometern.

Irgendwann traben wir los in Richtung Stadtwald und dort ein Stück entlang des Mettmanner Bachs. Der Fußweg im Stadtwald ist asphaltiert und ein klein wenig wellig. Wir verlassen den Stadtwald nach 700 Metern und laufen ein Stück an der Straße entlang, bis wir auf schmale Feldwege abbiegen. Wir gucken über die Weite der Felder und genießen den Ausblick, bevor wir uns ab Kilometer 3,5 dann doch ein wenig anstrengen müssen: Es geht berghoch. Nicht sehr steil, aber stetig. Nach 500 Metern sind wir oben – und kurzatmig.

Nur einer, der muss die ganze Zeit nicht nach Luft schnappen, kann pausenlos reden und uns die Gegend mit einer Leidenschaft zeigen, die deutlich macht: Das Nordlicht Jan Fitschen ist nicht nur sesshaft, sondern heimisch geworden hier zwischen Ruhrgebiet und Bergischem Land.

Kemnader Stausee bietet perfekte Trainingsbedingungen

Und so laufen wir durch die Felder in Richtung Wuppertal. Wir kommen vorbei an Fachwerkhäusern und Pferdeweiden, kreuzen im Wuppertaler Westen die Straße Hahnenfurth und biegen ab in den kleinen Wuppertaler Stadtteil Schöller. Hier erwartet uns der Höhepunkt der Laufrunde: das alte Rittergut Schöller.

Wir laufen an der imposanten Außenmauer entlang, umrunden einen Wachturm und biegen dann ab in den Wald, in dem uns schmale Wege entlang der Düssel führen. Wir sehen einen Teich mit einer wunderschönen Trauerweide, traben über kleine Holzbrücken und überwinden ein paar Anstiege, bevor wir den Wald wieder verlassen und eine kleine Gehpause am Berg einlegen müssen. Bei Kilometer 9,5 warnt uns ein Schild vor fliegenden Golfbällen des Golfvereins Haan-Düsseltal 1994.

Während seines Physikstudiums in Bochum hat Jan Fitschen meist am Kemnader Stausee trainiert. Damals musste für ihn eine Laufstrecke einfach „asphaltiert, flach, schnell“ sein. Heute läuft er zum Spaß, genießt Land und Leute. Zeiten sind ihm nicht mehr wichtig. „Wenn man mich fragt, was ich so mache, sage ich eh immer: Ich bin der langsamste Profiläufer Deutschlands“ und lacht. Und natürlich ist er nicht langsam (er hat eine Marathonbestzeit von 2:13:10!), wenn er alleine läuft. Aber halt langsamer als 2006 in Göteborg. Es waren 28 Minuten, 10 Sekunden und 94 Hundertstel, die ihn zum Europameister über 10.000 Meter machten und sein Leben veränderten.

Die Profikarriere hat er verletzungsbedingt vor ein paar Jahren an den Nagel gehängt, jetzt läuft er vielleicht noch dreimal pro Woche. Einmal davon gemütlich mit den Nachbarn. Es gibt keine Trainingspläne mehr, keine gezielte Wettkampfvorbereitung. Das Laufen selbst ist nur noch Hobby, der Sport Laufen aber weiter sein Beruf. Jan Fitschen hat ein Buch geschrieben, arbeitet als Moderator und Trainer.

"Laufen ist einfach so unkompliziert"

Vor kurzem hat er den Startschuss zu einem neuen Projekt "Laufen ist einfach" gegeben: Mit dem Vorhaben "10.000 x 10.000“ will er 10.000 Menschen dazu bringen, erstmals die Distanz 10.000 Meter zu schaffen. „Laufen ist einfach. Laufen ist unkompliziert. Schuhe an und los!“, schwärmt Fitschen. „Das kann jeder – in seinem Tempo.“ Dafür schickt er jedem, der sich registriert, kostenlose Newsletter mit Trainingstipps und Trainingsplänen.

Jan Fitschen hat so viel zu erzählen, dass er - als wir durch ein kleines Industriegebiet müssen - eine Abzweigung verpasst. Wir drehen, laufen ein paar hundert Meter zurück und biegen dann auf die Zielgerade, die uns nach 2,5 Kilometern wieder zum Ausgangspunkt bringt. Bei Kilometer 13 stoppen wir unsere Uhren. Punktlandung.

Wenn Sie die Runde nachlaufen möchten, helfen Ihnen diese Informationen:

  • So kommt man hin: Start- und Zielpunkt der Route ist der Parkplatz Goldberger Straße/Ecke Böttingerweg in Mettmann (Kartenausschnitt bei Google-Maps).
  • Die Streckenlänge: Die Route misst laut GPS-Tracker 13 Kilometer (variiert je nach Gerät). Je nach Trainingspensum und Lust oder Laune kann der Rundkurs durch Schlenker zum Beispie durch den Mettmanner Stadtwald oder um die "Grube 7" in Wuppertal-Vohwinkel verlängert werden.
  • Das Höhenprofil: Die Strecke ist leicht wellig.
  • Der Boden: Die Route geht zum Teil über asphaltierte und geschotterte Wege, zum Teil über unebene Waldwege und Feldwege.
  • Das passende Schuhwerk: Es ist kein spezieller Schuh notwendig.
  • Für wen eignet sich die Strecke: Der Lauf ist aufgrund der Länge und des doch etwas anspruchsvolleren Profils eher für etwas geübtere Läufer geeignet. Aber auch Walker kommen hier voll auf ihre Kosten und können die schöne Strecke genießen, so Lauftrainerin Andrea von Horn.
Die GPS-Daten der Strecke
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