Frauenfußball-WM

Wegen Qatar-Airways-Spot: ARD und ZDF in der Kritik

ARD und ZDF und müssen wegen eines Vertrags mit der Fifa während der Frauen-WM Spots von Qatar Airways zeigen.

ARD und ZDF und müssen wegen eines Vertrags mit der Fifa während der Frauen-WM Spots von Qatar Airways zeigen.

Foto: dpa

Essen.  ARD und ZDF zeigen Werbung für das umstrittene Staatsunternehmen Qatar Airways. Wie passt das mit der kritischen Berichterstattung zusammen?

6,15 Millionen. So viele Menschen schauten am Mittwochabend das Frauenfußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Spanien im ZDF. Ein Top-Wert. Und sie sahen einen Werbespot: Die Weltmeisterschaft im ZDF, präsentiert von der Fluggesellschaft Qatar Airways, hieß es da. Dafür gibt es Kritik von der Vereinigung „Reporter ohne Grenzen“, die sich für Pressefreiheit einsetzt. Geschäftsführer Christian Mihr fordert auf Anfrage dieser Redaktion, „dass ausländische, zumal öffentlich-rechtliche Leitmedien Abstand zu Regimen wie Katar halten und Themen wie die desolate Lage der Pressefreiheit in dem Golfstaat immer wieder in ihrer Berichterstattung aufgreifen“.

Qatar Airways ist ein hundertprozentiges Staatsunternehmen Katars. Das Land steht in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 128 von 180. Die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt, Homosexualität ist eine Straftat. Immer wieder versucht Katar sich in der Öffentlichkeit als modernes, offenes Land zu zeigen. „Sponsorenverträge katarischer Unternehmen wie der von Qatar Airways mit der Fifa sind Teil dieser strategischen PR“, sagt Mihr. Leider sei es eine „altbekannte Tatsache, dass die Fifa Menschenrechtsverletzungen wie die Unterdrückung der Pressefreiheit nicht als Hinderungsgrund für solche Kooperationen mit repressiven Staaten betrachtet“.

Vertrag mit der Fifa

ARD und ZDF berichten kritisch. Der WDR sendete in der vergangenen Woche einen Beitrag über katastrophale Zustände auf WM-Baustellen in Katar, das ZDF kritisierte Anfang Januar die Trainingslagerwahl des FC Bayern in Doha - aus den genannten Gründen. Nun zeigen aber beide Sender den Qatar-Airways-Spot. Warum? „Die Ausstrahlung der Sponsorentrailer ist Bestandteil des mit der Fifa geschlossenen Vertrages und vorbehaltlich einer Vereinbarkeit mit den für ARD und ZDF geltenden Richtlinien für Werbung“, heißt es nach wiederholter Nachfrage aus der Presseabteilung des ZDF.

Unbeantwortet ließ der Sender unter anderem die Frage, ob es moralisch und ethisch korrekt sei, dass ein öffentlich-rechtliches Medium aus Deutschland einen solchen Spot zeigt und ob der Fall intern diskutiert worden ist. Stattdessen bat das ZDF darum, diese Fragen der Fifa zu stellen. Außerdem stellten die Verantwortlichen des Senders klar, dass ja nicht der Staat Katar Sponsorpartner sei, sondern das Unternehmen Qatar Airways. „Diesem können die von Ihnen angesprochenen Vorwürfe nicht vorgehalten werden, so dass wir vertraglich keinen Handlungsspielraum haben.“

FC Bayern in der Kritik

Die engen Verbindungen und Verflechtungen zwischen Staat und Unternehmen sind jedoch offensichtlich. Qatar Airways bezeichnet sich selbst als nationale Fluglinie. Geschäftsführer Akbar Al Baker steht auch gleichzeitig der nationalen Tourismusbehörde Katars vor. 2015 war Qatar Airways von den Vereinten Nationen für den Umgang mit weiblichen Angestellten öffentlich gerügt worden. Inzwischen ist der Konzern Ärmelsponsor des FC Bayern, wofür der Rekordmeister in die Kritik geraten war. Im November 2018 berichtete das WDR-Magazin „Sport Inside“. „Bayern München und Qatar Airways - Die Würde des Geldes“ heißt der Beitrag, der noch immer in der Mediathek zu sehen ist. Nun taucht die Fluggesellschaft wieder im öffentlichen-rechtlichen Fernsehen auf. Als Werbepartner der Fifa.

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