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VfL Bochum hat die Mentalität für den Klassenkampf

Kommt immer besser in Form: Robert Tesche dominiert mit Anthony Losilla das Mittelfeldzentrum, er ist unter den neuen Trainern gesetzt.

Kommt immer besser in Form: Robert Tesche dominiert mit Anthony Losilla das Mittelfeldzentrum, er ist unter den neuen Trainern gesetzt.

Ingolstadt.   Die Erleichterung ist groß nach dem Sieg in Ingolstadt. Doch beim VfL Bochum weiß man, dass dies nur ein erster Schritt war. Es bleibt eng.

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Am Tag nach seinem ersten Sieg als VfL-Coach steht Robin Dutt wieder seinen Mann auf dem Platz. Rund 13 Stunden zuvor hatte der Trainer des VfL Bochum seine letzten Körner aus sich herausgeholt, die ihm ein Infekt noch übrig gelassen hatten. Schlusspfiff in Ingolstadt. 1:0 gewonnen. Dutt jubelt. Seine Stimme aber hat sich nun endgültig verabschiedet. Interviews überlasst er seinem Co-Trainer Heiko Butscher.

Kein Problem. Für Dutt ist Butscher mehr als ein „Co“, ein Vertrauter, einer auf Augenhöhe. Butschers Elf gegen Darmstadt, im Spiel eins nach der Trennung von Jens Rasiejewski und Sportvorstand Christian Hochstätter, gab die Richtung vor, die Dutt beibehalten hat: Die Startelf steht, der Kader steht. Gesamtbilanz: zwei Siege, ein Remis, eine Niederlage. Stabilität, Struktur, Kompaktheit. Gefälliger Fußball, weitgehend. Und: Abschluss-Schwäche.

Starke erste Halbzeit

In Ingolstadt sah man eine starke erste Halbzeit mit feinen Gegenstößen, denen der rackernde Lukas Hinterseer nur die Krönung versagte. Nach der Pause allerdings zog der VfL seine Konter nicht durch, nutzte die Räume nicht, musste deshalb zittern bis zum Schluss. Manuel Riemann, der Elfmeterheld, sprach wie üblich Klartext: „Gegen eine Mannschaft, die uns so viele Räume bietet, muss man mehr herausholen.“

Auch Stefano Celozzi sah „unsere schlechteste Leistung“ in den drei Partien unter Dutt. Letztlich aber überwog doch der Stolz auf das Erreichte, auf den „aufopferungsvollen Fight“, so Abwehrturm Patrick Fabian. Und darauf, „wie die Mannschaft dem Druck standgehalten hat nach den anderen Ergebnissen. Das war Wahnsinn“, lobte Celozzi.

Sie waren alle erleichtert, aber von Euphorie war nichts zu spüren. „Wir stehen weiter mit dem Rücken zur Wand“, mahnte Fabian umgehend, und Celozzi meinte: „Wir müssen weiter punkten.“ Aue hat ja nur einen Zähler weniger auf Relegationsrang 16.

Butscher packte die Defizite in dieses Fazit: „Es ist gut, gewonnen zu haben und trotzdem noch viel verbessern zu können.“ Auch der (Co-) Trainer sah im Vergleich zum Nürnberg-Spiel einen schwächeren Auftritt, stellte aber den Charakter heraus: „Die Mentalität der Mannschaft war sehr gut.“ Ein wichtiger Faktor im Nervenspiel namens Klassenkampf.

Im Heimspiel gegen Kiel am Samstag, sagt Butscher, soll der nächste Schritt gelingen. „Dann wollen wir an die gezeigten Leistungen, die wir zu Hause geboten haben, anknüpfen.“ Vermutlich, wenn keiner erkrankt, mit der gleichen Startelf. Mit Sidney Sam, der trotz seiner grippal bedingten Trainingspause Schwung zeigte, der weiter im Aufwind ist unter Dutt und Butscher. Mit Robert Tesche, dem Torschützen, für den das erst recht gilt: Viele hatten den Leihspieler aus Birmingham, der zuvor kaum zum Zug kam, schon abgeschrieben.

Tesche zählt nun zum festen Stamm

Seit vier Partien bildet der 30-Jährige mit Anthony Losilla das Mittelfeldzentrum. Und wird immer stärker. „Es ist schön, dass ich der Mannschaft helfen kann“, sagt er. Und natürlich steige mit mehr Spielpraxis auch die Sicherheit. Tesche ist ein Grund, warum es schwerer geworden ist, gegen den VfL ein Tor zu erzielen, zweimal in Folge stand nun die Null. Obendrein hat Tesche den VfL erstmals seit drei Monaten mit 1:0 in Führung gebracht und damit zum Sieg geköpft. Zu einem Erfolg, der „für uns enorm wichtig war“, sagte Patrick Fabian. „Nicht nur für das Tabellenbild, sondern auch für das Selbstvertrauen.“

Vielleicht benötigt man 40 Punkte

Ein Selbstvertrauen, das nötig sein wird, um sich mit der statistisch nun schon viertbesten Defensive (28 Gegentore, nur Sandhausen, Ingolstadt und Braunschweig kassierten weniger Tore) gegen die offensivstärkste Mannschaft der Liga zu behaupten. Holstein Kiel hat auch einen Befreiungsschlag gelandet, hat beim 5:0 gegen Duisburg seine Tore 46 bis 50 erzielt.

Robert Tesche, der Routinier, ahnt, dass in dieser brutal engen 2. Liga die bisher stets ausreichenden 38 Punkte diesmal zu wenig sein könnten für den Klassenerhalt. „Vielleicht benötigt man diesmal 40 Punkte oder mehr“, sagt Tesche. 30 hat Bochum. Tesche: „Da fehlt noch ein ganz schöner Batzen.“

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