VfL im Trainingslager

Manche fluchen: VfL-Bochum-Trainer lässt die Spieler laufen

Fußball, Zweitligist VfL Bochum im Trainingslager in Jerez de la Frontera, Spanien.

Fußball, Zweitligist VfL Bochum im Trainingslager in Jerez de la Frontera, Spanien.

Foto: VfL Bochum 1848/Jan Aben

Jerez de la Frontera.  Noch ohne Neuzugang Robert Zulj, der am Nachmittag eintrifft, hat der VfL Bochum ohne Ball trainiert. Trainer Reis sich keine Freunde gemacht.

Immer noch strahlt die Sonne über dem Süden Spaniens, doch von Genuss konnte bei den Profis des VfL Bochum am Donnerstagvormittag keine Rede sein. Manche fluchten wie Silvere Ganvoula, manche verzerrten ihr Gesicht wie Armel Bella-Kotchap, während andere die reine Ausdauereinheit ohne Ball vorneweg absolvierten wie Patrick Fabian, wie Simon Zoller, wie Anthony Losilla.

Letztlich hielten alle durch, als der Pyramidenlauf über fast den ganzen Platz in vier Gruppen beendet war. Langsames Laufen zum Regenerieren über 50 Meter folgten zügigere Laufabschnitte, die Gruppen sollten möglichst beisammen bleiben, was nicht überall gelang in der über einstündigen Einheit. Auch Danilo Soares, auch der allerdings wegen muskulärer Probleme leicht angeschlagene Danny Blum mussten ein wenig abreißen lassen am Ende, unter anderen.

Trainer Reis: „Die Jungs müssen mich nicht immer alle lieb haben“

Und Thomas Reis? Er lächelte zufrieden: „Alle haben es geschafft, trotz der hohen Belastung, die wir bisher hatten“, lobte er allgemein und schob nach: „Das ist ätzend, gehört aber im Trainingslager dazu. Ich mache nichts, was ich nicht selbst mal gemacht habe“, so der Ex-Profi. „Die Jungs müssen mich nicht immer alle lieb haben. Es geht um die Bereitschaft, auch über einen wunden Punkt hinauszugehen. Das benötigen wir auch in der Saison.“

Reis freut sich über die Bereitschaft im Zweikampfverhalten

Zufrieden ist der Trainer mit dem Stand der Vorbereitung, auch mit dem ersten Testspiel am Vortag, dem 2:0 gegen Mol Fehervar FC, immerhin Tabellenzweiter in Ungarn. „Besonders gut hat mir gefallen, dass wir die Zweikämpfe in allen Bereichen angenommen haben“, bilanzierte Reis. „Dann ist es egal, in welcher Grundordnung wir spielen.“ In Halbzeit eins mit dem A-Team war es die Dreier-/Fünferkette, in Halbzeit zwei eine Viererkette. „Es war nicht alles gut, aber das Durchschieben hat schon gut geklappt. Wir wollen variabel sein, auch während eines Spiels“, sagt Reis. „Wir wollen dem Gegner auch unser Spiel aufzwingen.“

Robert Zulj kommt ablösefrei von der TSG Hoffenheim - Freitag erste Einheit

Das Problem der Dreierkette mit Losilla und Janelt oder Tesche im defensiven Zentrum davor: An Offensivkräften sind dann nur noch drei Spieler auf dem Feld, Blum, Zoller und Ganvoula. Helfen könnte Robert Zulj, der nach WAZ-Informationen ablösefrei von der TSG Hoffenheim zum VfL wechselte und einen Vertrag bis zum Sommer 2023 unterschrieb. Am Nachmittag wurde er von Sport-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz und Pressesprecher Jens Fricke vom Flughafen abgeholt, am Freitag soll er seine erste Einheit beim VfL bestreiten.

Beim Testspiel am Samstag gegen Dinamo Bukarest, so Reis, soll Zulj möglichst seine ersten 45 Minuten für Bochum absolvieren. „Wir wollen ihn schnell integrieren“, sagt der Trainer. Positionell sieht er ihn als Zehner oder als hängende Spitze im 4-2-3-1, auch ganz vorne kann der groß gewachsene, zweikampfstarke Österreicher etwas bewegen. Auch eine Doppelacht mit Zulj in einem 4-3-3-System ist vorstellbar. Bei einer Dreierkette wäre Zulj eine deutlich offensivere Variante als mit Janelt oder Tesche. „Robert Zulj ist robust, macht Läufe in die Tiefe“, erklärt Reis den Unterschied etwa zu Chung-Yong Lee, der den Ball eher in den Fuß gespielt haben will.

Transferpoker um einen Verteidiger wie Sobiech kann sich noch hinziehen

Nach Zulj soll wie berichtet noch mindestens ein Verteidiger kommen, ins Trainingslager stößt aber kein Neuer mehr hinzu. Top-Kandidat ist Lasse Sobiech (28) vom 1. FC Köln, dem aber mehrere Angebote auch aus der englischen 2. Liga vorliegen. Der VfL würde ihn gerne ausleihen, Sobiech könnte sofort weiterhelfen. Klappt das nicht, hat Bochum weitere Spieler im Visier, die zumindest Alternativen wären. Bedarf, da herrscht Konsens, besteht in der Innenverteidigung auf jeden Fall.

Maxim Leitsch macht zwar einen stabilen Eindruck im Trainingslager, mit ihm ist aber in den ersten Saisonwochen noch nicht zu rechnen. Blieben vier Innenverteidiger – und damit bei einer Dreierkette nur eine Alternative. Der Transferpoker um einen Neuzugang für die Abwehr könnte sich aber durchaus noch bis Ende Januar hinziehen.

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