Pyrotechnik

Magdeburg-Fans zünden Pyro in Bochum – Kritik an Polizei

Luftbild des Bochumer Hauptbahnhofs: Weil Magdeburg-Fans im Zug Pyro gezündet hatten, schritt die Bundespolizei ein.

Luftbild des Bochumer Hauptbahnhofs: Weil Magdeburg-Fans im Zug Pyro gezündet hatten, schritt die Bundespolizei ein.

Foto: Hans Blossey/Archiv

Bochum/Essen.  Weil Magdeburg-Fans vor dem VfL-Spiel Pyrotechnik zündeten, kam es zu Problemen am Hauptbahnhof Bochum. Die Fanhilfe kritisiert den Großeinsatz.

Vor dem Spiel des Vfl Bochum gegen Magdeburg ist es am Bochumer Hauptbahnhof wegen Magdeburger Problemfans zu einem schweren Zwischenfall gekommen: Über längere Zeit waren die Gleise gesperrt, der Bahnverkehr war unterbrochen.

Laut Angaben der Polizei hatten Magdeburger Fans in einem Sonderzug zum Auswärtsspiel nach Bochum mehrfach Pyrotechnik gezündet. Daraufhin informierte die Bahn die Bundespolizei, die die Fans aus Sicherheitsgründen noch auf dem Gleis abtasten wollte. So hätten die Beamten verhindern wollen, dass die Fans weitere Pyro zünden und andere Reisende gefährden, erklärte Bundespolizeisprecher Volker Stall.

Gleise 3 und 4 mussten gesperrt werden

Das ließ ein Teil der rund 680 Fans aber nicht mit sich machen, erklärt die Polizei: Sie gingen einfach über Schienen und Nachbargleise davon. Einige stiegen auch zurück in den Zug, öffneten per Nothebel die Türen auf der anderen Zugseite und liefen über die Schienen.

In der Folge mussten einige Gleise gesperrt werden, was zu erheblichen Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs führte. Einige Reisende standen in ihren Zügen 20 Minuten auf offener Strecke, bis die Bahn eine Streckenumleitung organisiert hatte. Der RE 11 beispielsweise wurde über Gelsenkirchen und Herne umgeleitet.

Besonders lange waren die Gleise 3 und 4 gesperrt – dort stand der Sonderzug aus Magdeburg. Zum einen, so Polizeisprecher Stall, weigerten sich einige Fans massiv gegen das Abtasten. Zum anderen dauere es ohnehin lange, um alle Fans zu kontrollieren.

In ihrer Einsatzbilanz teilt die Bundespolizei am Abend mit: Mehrere Polizisten seien aus der unüberschaubaren Menge heraus durch Faustschläge, Tritte und einen Flaschenwurf angegangen worden. Eine Beamtin wurde von einem Fan (29) mit einen Faustschlag gegen den Helm attackiert, dann habe er die Beamtin in die Menschenmenge ziehen wollen. Insgesamt seien drei Einsatzkräfte leicht verletzt worden.

Dass An- und Abreise nicht ohne Probleme ablaufen würde, hatte die Polizei früh geahnt und über Twitter mitgeteilt. Etwa zur Halbzeit gab die Bundespolizei dann "Entwarnung" für den Bahnhof. Der Verkehr laufe normal, es gebe keine Einschränkungen mehr. Die Lage blieb aber aufgeheizt: Fans beklagten sich über massive Kontrollen und Einschränkungen beim Einlass ins Stadion.

Während der Rückreise, heißt es von der Polizei weiter, sei es im Bahnhof zu weiteren Zwischenfällen mit Gästefans gekommen. Ein Mann habe einen Bundespolizisten zu Boden zwingen wollen – bei der Gegenwehr der Beamten wurde der Mann am Kopf verletzt. Bei Abfahrt des Zuges seien die Einsatzkräfte mit Knallkörpern, Rauchpulver und Glasflaschen beworfen worden. Nach der Abfahrt fanden die Polizisten im Gleisbett Sturmhauben, Zahnschutz, Pfefferspray und Drogen. Unbekannte hatten die Sachen unter dem Zug "entsorgt".

Insgesamt leitete die Bundespolizei 30 Verfahren wegen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Widerstands, Körperverletzung, Beleidigung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ein. 25 Verdächtige wurden vorläufig festgenommen. Weitere Ermittlungen laufen.

Fanhilfe Magdeburg nennt Polizeieinsatz in Bochum "unbegründet"

Die Fanhilfe Magdeburg, die sich in ihrem Twitteraccount als Anwalt der Fans bei Problemen mit der Polizei sieht, schrieb von einem chaotischen, unsortieren und unbegründeten Einsatz. Darauf, dass die Lage angespannt war, deuteten auch Berichte hin, dass kurz nach Anpfiff viele Magdeburger Fans das Stadion wieder verlassen hätten – aus Solidarität mit den Fans am Bahnhof.

Maik Barthel von der Fanhilfe nannte die Maßnahmen der Polizei unverhältnismäßig und unbegründet. Die Beamten seien in ihrer Begründung der Pyrotechnik "zurückgerudert", am Ende sei nur noch von vereinzelter Pyrotechnik im Sonderzug die Rede gewesen. Barthel: "Der Einsatz war deshalb keinesfalls verhältnismäßig", die Aufnahme von Personalien und die Durchsuchung von Personen sei nicht zu rechtfertigen gewesen.

Christian Oberthür, Vorsitzender der Fanhilfe, nannte den Einsatz ebenfalls überzogen. Am Bahnhof oder im Zug Pyrotechnik zu zünden sei zwar zu verurteilen – aber wegen des Fehlverhaltens Einzelner gleich einen ganzen Zug festzusetzen sei ebenso falsch. "Die Situation ist auch deshalb eskaliert, weil die Polizei viel zu spät mitteilte, warum sie die Fans festhält", so Oberthür. Besser wäre gewesen, die Täter im Nachhinein mithilfe der anwesenden Magdeburger Polizisten zu ermitteln und festzusetzen.

Massenschlägerei von 15 Fans im Hbf Essen

Der Vorgang in Bochum war nicht der einzige Zwischenfall an diesem Wochenende. In der Nacht hatte die Polizei am Essener Hauptbahnhof eine Massenschlägerei von rund 15 Fußballfans auflösen und die Problemfans festnehmen müssen. In diesem Fall handelte es sich, so die Polizei, um Hooligans aus dem Schalker, Dortmunder und Essener Umfeld. Unklar ist, ob die Gewalttäter sich zufällig trafen oder für die Schlägerei verabredet hatten.

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