VfL-Krise

Die zweite Reihe des VfL Bochum wittert ihre Chance

Vitaly Janelt überzeugte in Ingolstadt und empfahl sich für die Startelf. Es wäre eine Saisonpremiere.

Vitaly Janelt überzeugte in Ingolstadt und empfahl sich für die Startelf. Es wäre eine Saisonpremiere.

Foto: firo

Bochum.   Nach zuletzt drei Niederlagen muss Bochums Trainer entscheiden, wer gegen Kiel bereit für die Wende ist. Vielleicht gibt es einen Torwartwechsel.

An Selbstkritik mangelte es nicht nach der dritten Niederlage in Folge, aber unterm Strich bleibt: Gegen Holstein Kiel am kommenden Samstag (13 Uhr, Ruhrstadion/live in unserem Ticker) muss Trainer Robin Dutt eine Elf finden, die von Beginn an und bis zum Schluss alles reinhaut und zugleich den Kopf nicht verliert. Beides, der bedingungslose Einsatz und die spielerische Dominanz, sind nach der Winterpause verloren gegangen.

Robin Dutt kam vor gut einem Jahr nach Bochum und hat als erste und entscheidende Maßnahme Hierarchien wieder hergestellt, die unter den zahlreichen Vorgängern komplett verloren gegangen waren. Das funktioniert nur, wenn man auf einen klaren Stamm setzt: Ein Freund der ungezwungenen Rotation ist Dutt sicherlich nicht. Erstmals aber scheint fraglich, ob es der Trainer bei ein, zwei Wechseln belässt – oder verstärkt Spielern eine Chance gibt, die bisher meist nur auf der Bank saßen. Ein Überblick über die Alternativen.

Die Torwartfrage

Tor. Manuel Riemann hat nach einer ordentlichen Hinrunde gegen Duisburg, Sandhausen und Ingolstadt tor- und teils punkteentscheidend gepatzt. Felix Dornebusch, dessen Vertrag ausläuft und der sich zwangsläufig längst nach alternativen Vereinen umsehen muss, scharrt sprichwörtlich mit den Hufen. Eine Korrektur im Tor unterliegt aber anderen Maßstäben als auf dem Feld, sie muss längerfristig angelegt sein: Wechselt Dutt den Keeper, muss er Dornebusch für mehrere Partien das Vertrauen geben, um ihn so als neue Nummer eins gestärkt ins Rennen zu schicken.

Wenig Alternativen in der Abwehr

Abwehr. Danilo Soares ist nach dem Abgang von Timo Perthel links praktisch alternativlos. Jannik Bandowski ist verletzt. Den 17-jährigen Moritz Römling in einer Krise, von der Sportchef Sebastian Schindzielorz und Trainer Robin Dutt selbst sprechen, ins kalte Wasser zu werfen, wäre ein Wagnis, das im Falle des Scheiterns kaum zu reparieren wäre.

Auch an Tim Hoogland, mental und sportlich eine Führungskraft, gibt es trotz schwächerer Leistungen zuletzt nichts zu rütteln. Als zweiter Innenverteidiger könnte Patrick Fabian zurückkehren, falls er seine Verletzung (angebrochene Rippen) komplett auskuriert hat; Dominik Baumgartner jedenfalls hat sichtlich noch Anpassungsprobleme. Alternativ könnte, wie so oft in der Hinrunde, Jan Gyamerah einspringen. Auch hier muss Dutt abwarten, ob er seine Sprunggelenks-Verletzung auskuriert hat.

Ohnehin ist Gyamerah als Rechtsverteidiger stärker, wo Stefano Celozzi seine Chance erneut nicht nutzen konnte. Allzu groß ist die Auswahl in der Viererkette also nicht, da Maxim Leitsch bis zum Saisonende ausfällt (Adduktorenprobleme), Tom Baack nach seinem Infekt erst in dieser Woche ins Training zurückkehren könnte – und Anthony Losilla, der schon mal hinten aushalf, gesperrt fehlt.

Losilla fehlt, Janelt drängt sich auf

Mittelfeldzentrum, defensiv. Losilla fällt zum zweiten Mal in dieser Saison aus. Vitaly Janelt hat lange auf seine Chance gewartet – und sie in der zweiten Halbzeit in Ingolstadt genutzt. Der 20-Jährige könnte erstmals in dieser Saison in die Startelf rutschen auf Losillas Position oder etwas weiter vor. Daneben könnte Robert Tesche wieder zur ersten Wahl werden. Nach drei schwachen Leistungen hatte Dutt ihn in Ingolstadt erstmals freiwillig auf die Bank gesetzt. Das Experiment mit Sebastian Maier ging schief, weil er defensiv nicht präsent genug ist. Bliebe Chung-Yong Lee, der zuletzt müde wirkte und bisher eine Reihe davor gefragt war.

Sam und Kruse enttäuschten zuletzt

Dreier-Reihe offensiv. Hier gibt es etliche Möglichkeiten. Tom Weilandt hat sich, wie Janelt, in Ingolstadt empfohlen. Simon Zoller, der aufgrund der Ausfälle von Lukas Hinterseer und Silvere Ganvoula zuletzt ganz vorne agierte, bringt das geforderte Tempo mit.

Grundsätzlich gilt das auch für Sidney Sam und Robbie Kruse, die aber enttäuschten in den letzten beiden Partien, für Kruse gilt das schon länger. Zentral in dem auf ständige Positionswechsel angelegten System könnten Lee, Maier oder auch der von den Fans sehnsüchtig geforderte Görkem Saglam auflaufen. Der 20-Jährige, ein Zehner, kam bisher nur zum Zug, als die Alternativen fehlten, enttäuschte bei seinen vier Einsätzen nicht und blieb danach dennoch außen vor. Saglam könnte für mehr Spielfreude sorgen.

Auf Sicht, aber wohl erst im März kehren Milos Pantovic (Flügel) und Thomas Eisfeld (Zentrum) zurück. Dass Dutt sie für einen möglichen 20-Minuten-Einsatz, den er ihnen schon jetzt zutraut, auf die Bank setzt, ist eher unwahrscheinlich.

Ganvoula und Hinterseer kehren zurück

Sturmzentrum. Lukas Hinterseer blieb nach der Winterpause blass, zuletzt zwangen ihn erst Oberschenkelprobleme und dann ein Infekt zur Pause. Andererseits ist er mit zwölf Treffern einer der besten Torjäger der Liga. Silvere Ganvoula hat seine Rot-Sperre abgesessen, steht wieder zur Verfügung. Eine Chance von Beginn an hat er bisher noch nicht erhalten.

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