Fußball-EM

Uefa prüft Zuschauerkonzepte: EM-Stadt München unter Druck

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Als EM-Spielort in Gefahr: In der Münchener Arena sollen die drei Gruppenspiele der deutschen Mannschaft sowie ein Viertelfinale ausgetragen werden. Die Uefa verlangt eine Garantie, dass Zuschauer zugelassen werden.

Als EM-Spielort in Gefahr: In der Münchener Arena sollen die drei Gruppenspiele der deutschen Mannschaft sowie ein Viertelfinale ausgetragen werden. Die Uefa verlangt eine Garantie, dass Zuschauer zugelassen werden.

Foto: dpa

München.  Weil die Fußball-EM ausschließlich vor Zuschauern stattfinden soll, wächst der Druck auf den Spielort München. Die Uefa prüft die Konzepte.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bleibt mit München als Gastgeber der EM-Endrunde (11. Juni bis 11. Juli) im Rennen. Die bayerische Landeshauptstadt hat ebenso wie wohl die anderen elf Ausrichterstädte die erste formale Hürde genommen und rechtzeitig vor der Deadline am Mittwoch Konzepte für eine Teilzulassung von Zuschauern eingereicht.

Dies bestätigte die Stadt München auf Anfrage. Doch es bleiben große Zweifel, welchen Wert das Schriftstück, das an die Europäische Fußball-Union (Uefa) ging, letztlich haben wird. Denn in diesem ersten Schritt mussten die zwölf Gastgeber lediglich ihre prinzipielle Bereitschaft für Spiele mit Fans zusichern. Eine Garantie für die Zulassung von Zuschauern wurde in dieser Phase des Entscheidungsprozesses noch nicht verlangt. Doch das wird zeitnah folgen - und ein derartiges Bekenntnis ist von der Stadt München noch nicht zu bekommen.

Derzeit gebe es verschiedene Planungsszenarien, was die Zuschauerfrage betrifft, heißt es in der Mitteilung der Stadt: „Welches Szenario letztlich umgesetzt werden kann, wird vom aktuellen Pandemie-Geschehen im Juni beziehungsweise Juli abhängen.“ Das Problem: Bereits im Rahmen des Treffens des Uefa-Exekutivkomitees am 19. und 20. April oder spätestens bis Ende des Monats soll eine Entscheidung über das Format der derzeit in zwölf Ländern geplanten EM (11. Juni bis 11. Juli) fallen. In München sollen die Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich (15. Juni), Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) sowie ein Viertelfinale ausgetragen werden .

Bis zu diesem Mittwoch hatten die zwölf Gastgeberstädte bei der Uefa ihre Szenarien für die Durchführung der Partien einreichen müssen. Alle zwölf Städte haben ihre Konzepte noch vor dem Fristende eingereicht, teilte Uefa-Turnierdirektor Martin Kallen mit. Noch lasse sich aber nicht genauer festlegen, mit wie vielen Zuschauern die Städte planen. „Ich kann allerdings sagen, dass es jetzt gerade von Stadt zu Stadt große Unterschiede gibt, inwieweit die Stadionkapazität voraussichtlich ausgenutzt wird“, sagte Kallen.

Ursprünglich gab die Uefa vier mögliche Modelle vor - vom Geisterspiel bis zur Vollauslastung. Theoretisch könnte es bei der ersten paneuropäischen EM, für die offiziell weiter zwölf Städte vorgesehen sind, also trotz der Pandemie volle Arenen geben - wenn die nationalen Behörden mitspielen. Ob ausländische Fans zugelassen werden, ließ die Uefa noch offen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA haben die Gastgeber bis zum 28. April die Möglichkeit, ihre Konzepte zu modifizieren. Etwa, wenn die Corona-Lage in dem jeweiligen Land weitere Öffnungsschritte zulässt als zu Beginn des Monats.

DFB-Vize Rainer Koch appelliert an München

DFB-Vizepräsident Rainer Koch sieht München in der Zuschauerfrage unter Zugzwang. In anderen Ländern sei nicht nur das Impftempo „deutlich schneller“, sondern auch die „Entwicklung sowie Umsetzung von Spielkonzepten mit Zuschauern sehr viel weiter fortgeschritten“, sagte der 62-Jährige. „Von daher appelliere ich an die Verantwortlichen in der Stadt München und der Bayerischen Staatsregierung, alle Anstrengungen zu unternehmen, um tragfähige Konzepte für zumindest eine Teilzulassung von Zuschauern auch bei den Spielen in München zu ermöglichen“, führte Koch aus. Er unterstütze „die Haltung der Uefa, die Spiele der Europameisterschaft im Grundsatz vor Zuschauern austragen zu wollen.“

Tatsächlich haben sich andere Städte längst aus der Deckung gewagt und ambitionierte Pläne vorgestellt. Der niederländische Verband gab zu Protokoll, dass ein zu zwei Dritteln oder drei Vierteln gefülltes Stadion in Amsterdam angedacht sei. Der russische Gastgeber St. Petersburg strebt eine Auslastung von 50 Prozent der 61.000 Fans fassenden Arena an. In Kopenhagen, Bukarest und Glasgow wird aktuell mit Zuschauerzahlen im niedrigen fünfstelligen Bereich geplant.

Auf der Insel denkt man gar noch größer. Noch im April sollen im Wembley-Stadion in London zwei Testevents mit 4000 Fans beim Pokalhalbfinale und 8000 Zuschauern beim Ligapokalfinale stattfinden. Das Endspiel des FA Cups am 15. Mai - knapp einen Monat vor EM-Beginn - sollen 21.000 Fans verfolgen. „Das ist ein wichtiger erster Schritt, um die Fans zurückzubringen - mit dem Ziel der vollen Stadien“, sagte FA-Geschäftsführer Mark Bullingham. Dieses werde „hoffentlich“ schon zum Ende der Europameisterschaft erreicht. Insgesamt passen 90.000 Zuschauer in den Londoner Fußballtempel.

München beruft sich auf Corona-Verordnungen

Derartige Botschaften sind aus München bislang nicht zu vernehmen.Bislang beruft sich die Stadt komplett auf „die zum Zeitpunkt der Europameisterschaft geltende Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“. Demnach kann es eine Garantie bis Ende April eigentlich nicht geben. Die Uefa beteuert zwar offiziell, dass keine Stadt, in der hinter verschlossenen Türen gespielt werden müsste, automatisch ausscheide. Doch die Aussagen von Uefa-Präsident Aleksander Ceferin waren eindeutig: „Jeder Ausrichter muss garantieren, dass Fans zu den Spielen dürfen. Die Option, dass irgendein Spiel der EM ohne Fans ausgetragen wird, ist vom Tisch.“

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