Kommentar

Wie Schalke versucht, den Fans Sand in die Augen zu streuen

Sehen keinen Grund zur Beunruhigung: Schalke-Coach Jens Keller (l.) und Sportvorstand Horst Heldt.

Sehen keinen Grund zur Beunruhigung: Schalke-Coach Jens Keller (l.) und Sportvorstand Horst Heldt.

Foto: Getty

Das Champions League-Achtelfinale ist immer noch in Reichweite. Dennoch gibt der FC Schalke 04 seit geraumer Zeit ein eher trostloses Bild ab. Was die Verantwortlichen allerdings nicht daran hindert, die Lage immer wieder schön zu reden. Ein Kommentar.

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Die Konstellation in der Champions League macht dieses Szenario immer noch möglich: Dortmund muss in die Europa League absteigen, Schalke darf in der Königsklasse weitermachen. Es würde freilich der Entwicklung beider Klubs Hohn sprechen. Während die Schwarz-Gelben nach wie vor mitreißenden Fußball und Spektakel garantieren, langweilt Schalke bestenfalls nur noch. Was sich trefflich an den Gesichtern der sportlichen Führung ablesen lässt.

In Bukarest reduzierte S04-Trainer Jens Keller seine Zufriedenheit darauf, man habe „wenig zugelassen“. Und Sportvorstand Horst Heldt bemerkte nach dem 0:0 lakonisch, das Ergebnis sei doch im Nachhinein eh zweitrangig. Was nach der Gruppen-Arithmetik nur insofern stimmt, weil Schalke wegen des Baseler Sieges über Chelsea selbst bei einem Erfolg in Bukarest noch gegen die Schweizer hätte punkten müssen. Aber unabhängig davon, dass sich die Ausgangsposition, anders als von Heldt und Keller dargestellt, sehr wohl verändert hat (ein Unentschieden reicht nun nicht mehr) – wer ignoriert, dass ein überzeugender Auftritt in Rumänien einen Unterschied ausgemacht hätte, hat nichts verstanden, schon gar nichts von den Befindlichkeiten einer Fan-Seele.

Mit der Routine, mit der andere Salzstreuer verwenden, versuchen die Schalker Verantwortlichen beharrlich, ihrem Publikum Sand in die Augen zu streuen. Weil der „worst case“ immer noch so gerade verhindert werden konnte, wird nach dem Prinzip Hoffnung weiter gewurschtelt. Dabei ist selbst den treuesten Anhängern längst aufgegangen, dass die zum Teil ja durchaus hochkarätig besetzte Mannschaft keine Entwicklung, geschweige denn eine Spielkultur erkennen lässt.

Wer reißt Schalke aus der Lethargie?

Will Schalke seinen Ansprüchen gerecht werden, bedarf es personeller Konsequenzen bis in die höchste Ebene. Dass der Aufsichtsratschef regelmäßig markige Worte an seine Angestellten in die Boulevardpresse lanciert, reicht definitiv nicht. Das Weiterkommen in der Champions League im Übrigen auch nicht. Ja, immer mehr Leute, die es gut mit Schalke meinen, könnten inzwischen sogar mit einem kräftigen – wenn auch schmerzhaften – Schuss vor den Bug leben. Wenn er denn als Weckruf verstanden würde. Das Dilemma: Weit und breit ist niemand zu sehen, der den Klub aus seiner Lethargie reißen könnte. Dortmund ist weiter weg, als mancher Schalker zugeben mag.

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