Bundesliga in Asien

Warum Bundesligisten die Reise-Strapazen in Kauf nehmen

Schalke-Trainer Domenico Tedesco

Foto: imago

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Essen/Shanghai.  Sportlich sind die Asien-Reisen für Schalke 04, Borussia Dortmund und den FC Bayern wenig sinnvoll. Aber die Bundesliga-Klubs brauchen das Geld.

Christian Heidel hielt sich nach dem 1:0-Testspielsieg des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 beim SC Paderborn zurück: „Die Bewertung überlasse ich dem Trainer, der kann besser beurteilen, wie die Leistung zum Trainingsstand passt“, sagte der Schalker Sportvorstand. Und die Bewertung von Domenico Tedesco fiel eindeutig aus: „Wir haben gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben.“

Denn Schalke tat sich beim Drittligisten schwerer als erwartet. Die einzig nennenswerte Chance der Schalker nutzte Yevhen Konoplyanka zum Siegtreffer (20.).

Über 20 000 Flugkilometer

Das mit der Arbeit allerdings ist in den nächsten Tagen so eine Sache: Am Sonntagabend ist Schalke nach Asien aufgebrochen. Der Abflug in Frankfurt lief weitgehend reibungslos, nur Innenverteidiger Matija Nastasic musste bei der Sicherheitskontrolle noch die Schuhe ausziehen und sich abtasten lassen. „Keine Ahnung, was los war“, sagte der Serbe. „Wahrscheinlich waren die Schuhe gefährlich.“

Über 20 000 Flugkilometer spulen Nastasic und sein Klub in den kommenden sieben Tagen ab, über Peking, Shanghai, Zhuhai und wieder zurück. Zum Programm gehören Testspiele gegen Besiktas Istanbul am Mittwoch und Inter Mailand am Freitag – für diese Partie geht es dann auch noch etwa zwei Stunden mit dem Bus von Shanghai nach Changzhou. Allein die An- und Abreise kostet insgesamt 32 Stunden Zeit.

Nicht zu vergessen: die zahlreichen PR- und Sponsorentermine. Trainiert werden soll zwischendurch natürlich auch noch – und das nicht eben bei angenehmen Bedingungen. „Die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit sind hoch“, weiß Sportdirektor Christian Heidel. „Im letzten Jahr ist unser Trainer Markus Weinzierl auf der Bank zusammengeklappt.“ Und doch reist Schalke wieder gen Osten – und das nicht als einzige Bundesliga-Mannschaft.

Borussia Dortmund ist seit Donnerstag in Tokio, der FC Bayern macht sich heute auf eine strapaziöse Reise: fast 23 000 Flugkilometer in zwölf Tagen, mit den Stationen Shanghai, Shenzhen und Singapur. Hinzu kommen vier Spiele im Rahmen des International Champions Cup gegen den FC Arsenal, AC Mailand, FC Chelsea und Inter Mailand.

Aus rein sportlicher Sicht ein wenig sinnvolles Programm. „Das ist ganz klar ein Problem für jeden Trainer“, räumt auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß ein. Andererseits könne man „es sich nicht leisten, von der Globalisierung zu sprechen, aber nicht dorthin zu reisen“, meint er. Auch Schalkes Marketing-Vorstand Alexander Jobst macht recht unverblümt deutlich, worum es geht: „Wir erwarten in China Begeisterung, Fan-Zuwachs, Zuspruch und natürlich wirtschaftlichen Erfolg“, sagt er.

Klose unterstützt die Bayern

Fußball boomt in Asien, da wollen die Bundesliga-Spitzenklubs dabei sein. Die Tour sei „ein enorm wichtiger Baustein unserer internationalen Strategie und unterstützt unseren weltweiten Markenausbau“, sagt das bei den Bayern für die Internationalisierung zuständige Vorstandsmitglied Jörg Wacker. Im Klartext: Die Klubs wollen die eigene Marke bekannter machen, die Einnahmen durch Merchandising erhöhen, digitale Reichweite generieren, zusätzliche Sponsoren gewinnen und langfristig höhere TV-Erlöse erzielen.

Dazu hat sich der Rekordmeister prominente Unterstützung geholt: Miroslav Klose wird für seinen Ex-Klub unter anderem einige Sponsoren- und PR-Termine wahrnehmen. Seit er bei der WM 2002 in Japan und Südkorea zweitbester Torschütze wurde, gehört der Weltmeister von 2014 zu den bekannteren deutschen Fußballern in Asien.

„Ich freue mich auf die Tage mit dem FC Bayern in Asien. Es sind viele interessante Stationen und sicher viele interessante Eindrücke“, sagt er nun.

Der BVB hat mit Shinji Kagawa ein Zugpferd im Kader. Der Test gegen Urawa war auch seinetwegen mit mehr als 60 000 Zuschauern ausverkauft. „Da waren 20 000 Schwarz-Gelbe im Stadion“, sagt Marketingdirektor Carsten Cramer. „Wenn man überlegt, dass bei unserem ersten Spiel vor zwei Jahren insgesamt so viele Zuschauer im Stadion waren, fühlen wir uns bestätigt, das nachhaltig zum dritten Mal in Folge zu machen.“

Nachhaltigkeit ist für Cramer das Stichwort: 15 regionale Sponsoring-Partnerschaften hat der BVB inzwischen geschlossen. Insgesamt rechnet er mit Einnahmen im achtstelligen Bereich. Bei Schalke geht man davon aus, dass die Marketing-Erlöse bis 2018 um zehn Millionen Euro steigen.

Schalke plant Büro in China

Dazu soll auch beitragen, was der FC Bayern und der VfL Wolfsburg bereits eingerichtet haben: „Wir denken mittelfristig darüber nach, ein festes Büro in China einzurichten“, sagt Jobst. „Aktuell arbeiten wir mit einer lokalen Agentur zusammen. Aber wenn wir auf dem asiatischen Markt weiter wachsen, müssen wir auch ein richtiges Office hier betreiben.“

Mitarbeit: Tim Lievertz, Maik Rosner

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