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Schalke steht auf Platz zwei – aber Meyer-Streit eskaliert

Max Meyer.

Foto: firo

Max Meyer. Foto: firo

Gelsenkirchen.  Spielerberater wirft dem Sportvorstand Christian Heidel Nachlässigkeit bei den Verhandlungen vor. Der Klubchef kontert und setzt Max Meyer unter Druck. Doch der bleibt dabei: Klarheit am 20. März.

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Sportlich befindet sich Schalke 04 voll auf Kurs. Durch den 1:0 (1:0)-Sieg über Hertha BSC Berlin, den Leihspieler Marko Pjaca mit einem Schuss aus fünf Metern sichergestellt hat (37.), ist der Revierklub wieder erster Verfolger von Spitzenreiter Bayern München.

Schön für die Fans: Schalke liegt knapp vor dem Erzrivalen Borussia Dortmund. „Wir haben jetzt 43 Punkte und werden und dürfen uns darauf nicht ausruhen“, verspricht Sportvorstand Christian Heidel.

Obwohl die Tendenz Richtung Champions League zeigt, hat die Harmonie auf Schalke tiefe Risse. Der Streit um Mittelfeldspieler Max Meyer (22) ist inzwischen eskaliert.

Der Auslöser: Meyers Berater Roger Wittmann hatte vor dem Hertha-Spiel in einem Telefongespräch mit Sky-Reporter Jens Westen gesagt: „Zwei E-Mails reichen nicht, um einen Schalker Jung vom Verbleib zu überzeugen.“ Ein deutlicher Vorwurf, wie nachlässig Schalke bei den Verhandlungen um die Vertragsverlängerung sein soll.

Weniger Respekt als bei Goretzka?

Die Meyer-Seite fühlt sich im Vergleich zu Leon Goretzka weniger respektvoll behandelt. Bei Goretzka hatte sich in der heißen Phase Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies persönlich eingeschaltet. Ohne Erfolg: Goretzka entschied sich trotzdem für Bayern München, wo er einen Vier-Jahres- Vertrag ab Juli 2018 unterzeichnete.

„Öffentlich zu diskutieren, wer da jetzt mehr Wertschätzung bekommt und ob sich Clemens Tönnies einschaltet, das mache ich nicht“, sagt Christian Heidel. Zum Vorwurf von Roger Wittmann, dass zwei E-Mails nicht ausreichen würden, kontert Heidel: „Ich kenne Berater, die schreiben zwei E-Mails und wollen Millionen dafür. Ich werde das nicht kommentieren. Ich kann es kaum glauben, dass er das sagt.“

Dann legt Heidel doch nach: „Ich möchte in der Öffentlichkeit nicht darüber reden, weil ich glaube, dass es auch nicht gut ist für Max – und für die Sache auch nicht. Die Millionen waren jetzt nicht auf Herrn Wittmann bezogen. Das war allgemein gehalten.“

Meyer, der gegen Hertha BSC von Scouts des spanischen Spitzenklubs Atletico Madrid beobachtet wurde, erklärte gegenüber dieser Zeitung seine Beweggründe für das Ablehnen des zweiten Schalke-Angebots: „Ich wollte mich bei meiner Entscheidung nicht unter Druck setzen lassen. Es gibt aktuell noch keinen neuen Stand, ich bitte da um Geduld. Ich habe immer gesagt, dass es eine Entscheidung nach dem Winter geben wird. Ich behalte das Datum 20. März bei.“

Heidel verliert die Geduld

Für Manager Heidel ist die Hängepartie wenig nachvollziehbar. „Es waren fünf Wochen, um sich das alles in Ruhe zu überlegen. Wir hätten auch bei Leon Goretzka nicht akzeptiert, dass er sich irgendwann vielleicht im April entscheidet. Weil wir ja auch für uns entscheiden und planen müssen. Mein Trainer, der dreht durch.“ Domenico Tedesco, der Meyer vom Zehner im offensiven zum Sechser im defensiven Mittelfeldspieler umschulte, würde gerne mit dem Blondschopf weiterarbeiten. Allerdings scheint er auf den Fall einer Trennung vorbereitet: „Dass Spieler den Verein wechseln, gehört dazu.“

Heidel kommt der Verein in der Diskussion um Meyer zu schlecht weg. „Max spielt eine gute Saison, das will keiner hier leugnen. Aber mir kommt es ein bisschen zu kurz, dass es hier auch um Schalke 04 geht. Denn wir haben einiges zu bieten. Aber momentan habe ich so den Eindruck, dass es in die Richtung gehen soll: Schalke 04 sitzt da und zittert von morgens bis abends, ob ein Spieler den Vertrag verlängert.“ Er stellt klar: „Das ist nicht die Position von Schalke 04. Auch wir haben hier sehr, sehr viel zu bieten, und das ist nicht nur Geld.“

Drei Möglichkeiten gibt es

Dass dem Klub der nächste Verlust eines Eckpfeilers droht, lässt Heidel keineswegs unruhig werden. „Ich akzeptiere jede Entscheidung eines Spielers, auch wenn er sich andersrum entscheidet, denn es ist seine persönliche Karriere. Dann ist das so. Punkt.“ Der 54-jährige Ex-Mainzer gibt zu bedenken: „Ich bin auch irgendwann mal gewechselt – und da gab es Menschen, die gefragt haben: Warum macht er das? Ich bin da völlig emotionslos und auch nicht böse. Das kann ich trennen.“

Im Moment klopfen sowohl die Königsblauen als auch Meyer ihre Möglichkeiten ab. „Es ist völlig legitim, dass Max das Angebot abgelehnt hat. Das bedeutet nur, dass wir uns an dieses Angebot nicht mehr gebunden fühlen.Es kann sein, dass Max kommt und sagt: Ich habe eine neue Liebe gefunden“, sagt Heidel.

Auch die zweite Variante führt der Sportvorstand aus: „Oder Schalke 04 sagt: Okay, jetzt haben wir etwas anderes gefunden. Und dann geht es eben nicht mehr.“

Die dritte Möglichkeit: Beide Parteien fahren ihre Emotionen herunter, raufen sich zusammen und bewerten die im Moment festgefahrene Situation noch einmal neu.

Alles scheint möglich zu sein.

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