Schalke

Schalke-Stürmer Uth hat Europa noch nicht abgeschrieben

Den Ball im Blick und gut gelaunt: Mark Uth wirkt im Schalker Trainingslager voller Tatendrang.

Den Ball im Blick und gut gelaunt: Mark Uth wirkt im Schalker Trainingslager voller Tatendrang.

Foto: dpa

Benidorm.  "Die Schalke-Fans sind sehr geduldig mit mir", sagt Mark Uth im Interview. Wir haben mit ihm auch über Joachim Löw und Verletzungspech geredet.

Nach 30 Minuten Interview kommt der schwierigste Teil für Mark Uth (27). Der Schalker Nationalspieler benötigt zwei Versuche, um vom weißen Terrassensofa auf der Poolseite des Hotels Melia Villaitana aufzustehen. Die warme Sonne hat das Kunstleder so aufgeweicht, dass es an den Oberschenkeln von Uth festklebte. In der Rückrunde will Uth vor allem eines: Nicht mehr zu halten sein.

Herr Uth, bei Ihrer Vorstellung im letzten Sommer haben Sie Schalke 04 als „geilsten Klub der Welt“ bezeichnet. Gilt diese Einschätzung im Januar 2019 immer noch?

Mark Uth: Ja, dabei bleibe ich. Mit dem Wechsel von Hoffenheim zu Schalke habe ich alles richtig gemacht.

Warum steht der geilste Klub in der Fußball-Bundesliga nur auf dem 13. Tabellenplatz?

Uth: Eine gute Frage. Die ersten fünf Partien, in denen wir keinen Punkt geholt haben, ziehen wir durch die ganze Saison mit. Aber viel wichtiger ist es nun, nach vorne zu schauen und die Rückrunde erfolgreicher zu gestalten.

Wie erleben Sie bisher die Schalke-Anhänger?

Uth: Ich muss ganz ehrlich sagen: Die Schalke-Fans sind sehr geduldig mit mir. Vielleicht merken sie, dass ich versuche, alles rauszuhauen, zu kämpfen, zu kratzen. Als ich gegen Mönchengladbach die große Chance vergeben habe, da gab es auf meinem Instagram-Profil Kritik in Form von Nachfragen: Was machst du denn da? Aber ansonsten habe ich nur Zuspruch erfahren.

Ist das ein Beleg dafür, dass Sie mit Ihrer Spielweise ankommen?

Uth: Das nehme ich an. Ich kämpfe und laufe viel. Ich glaube, dass diese sprichwörtliche Maloche, die hier auf Schalke jeder sehen will, ein Teil meiner Spielweise ist.

Befindet sich Schalke angesichts des geringen Abstands von nur vier Zählern auf den Relegationsplatz im Abstiegskampf?

Uth: Es bringt nichts, sich an solchen Begrifflichkeiten festzubeißen. Wir müssen am 20. Januar gegen Wolfsburg direkt drei Punkte einfahren, das ist viel wichtiger. Und dann wäre es schön, direkt eine kleine Serie zu starten und uns das Selbstvertrauen in den Spielen zu holen.

Ist mit Schalke 04 viel mehr möglich?

Uth: Auf jeden Fall. In der Hinrunde kamen viele Faktoren zusammen. Wir sind in einen Negativ-Strudel geraten, eins kam zum anderen. Aber wir trainieren hart, arbeiten viel im taktischen Bereich und wollen uns verbessern.

Wo muss der Hebel besonders angesetzt werden?

Uth: Wir benötigen mehr Zielstrebigkeit vor dem Tor, müssen uns die Chancen noch besser herausspielen. Gerade, wenn wir über die Außenpositionen Angriffe starten, ist es wichtig, den Mann in der Mitte zu finden. Ich bin überzeugt, dass wir das verbessern. Wir haben noch ein paar Tage hier in Spanien und danach eine ganze Woche zuhause, bis es wieder los geht.

Das Jahr 2018 war für Sie ein Wechselbad der Gefühle. Wie lautet Ihr Fazit?

Uth: Trotz der Verletzung aus dem Frankfurt-Spiel, in dem ich mir einen Muskelfaserriss zugezogen habe, war das zurückliegende Jahr sehr positiv. Der Wechsel zu Schalke war für mich sehr, sehr schön. Mit der Einladung zur Nationalelf ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. In den Wochen vor meiner Verletzung lief es ganz gut für unsere Mannschaft und für mich persönlich. Dass man zwischenzeitlich mal ausfällt, gehört leider zum Fußball dazu. Dann muss man hart arbeiten, um wieder zurückzukommen.

Spukt Ihre Verletzung, bei der auch die Oberschenkel-Sehne in Mitleidenschaft gezogen wurde, noch im Hinterkopf?

Uth: Nein, ich spüre gar nichts mehr. Jetzt im Trainingslager habe ich ein bisschen Muskelkater, weil ich hier nach wochenlanger Pause wieder richtig mittrainiert habe.

Fühlen Sie sich als Nationalspieler noch wertvoller als bisher?

Uth: In solchen Kategorien denke ich nicht. Es gibt einfach nichts Tolleres, als für sein eigenes Land auflaufen zu dürfen. Das war das einzige, was mir dabei durch den Kopf gegangen ist.

Hatten Sie die Telefonnummer von Bundestrainer Joachim Löw eigentlich vorsorglich eingespeichert?

Uth: (lacht) Nein. Jogi Löw hat versucht, mich vor dem Training zu erreichen und mir dann eine Nachricht geschickt. ‚Hier Jogi Löw, kannst du mal zurückrufen?‘ Da muss man erstmal schlucken. Und dann habe ich zurückgerufen und erfahren, dass er mich für die Kracherspiele gegen Holland und Frankreich nominiert.

Gab es in Ihrer Verletzungszeit Kontakt zum Bundestrainer?

Uth: Ja, er hat mich angerufen, mich gefragt wie es mir geht und mir kurz vor Weihnachten schöne Feiertage gewünscht. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut.

Sie haben im DFB-Trikot die Nationalhymne gehört und zuvor mit Schalke mehrmals die Champions-League-Hymne: Was hören Sie lieber?

Uth: Beide Hymnen sorgen für Gänsehautmomente, die ich nicht missen möchte.

Sind Sie vor Länderspielen angespannter als bei normalen Begegnungen?

Uth: Geschlafen habe ich vor dem Holland-Spiel ganz gut, aber natürlich war es aufregend. Vor dir steht auf einmal Manuel Neuer. Hinter dir flachst Thomas Müller. Ich bin vor jedem Spiel etwas aufgeregt. Ich brauche das auch, um die nötige Spannung zu haben. So kann ich mich am besten aufs Spiel vorbereiten.

Wie viele Tore erzielen Sie in der Rückrunde?

Uth: Ich hoffe, dass ich ein paar mache. In meiner ersten Bundesligasaison habe ich acht Stück gemacht. In meiner zweiten Spielzeit sind mir sieben Tore gelungen. Ich möchte nicht unter dieser Quote bleiben.

Wo landet Schalke?

Uth: Das sehen wir am Ende der Saison, jetzt gilt es erstmal, da unten raus zu kommen. Den internationalen Wettbewerb habe ich noch nicht abgeschrieben, solange es rechnerisch noch möglich ist

Wem würden Sie die Meisterschaft gönnen?

Uth: (lacht) Borussia Dortmund darf ich nicht sagen. Borussia Mönchengladbach darf ich als ehemaliger Kölner auch nicht sagen. Dann wird es schon eng für mich. Also sage ich: Es ist mir egal.

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