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Kein Rücktritt, kein Rauswurf: Tönnies lässt Amt nur ruhen

Schalke-Boss Clemens Tönnies.

Schalke-Boss Clemens Tönnies.

Foto: firo

Gelsenkirchen.  Schalke-Boss Clemens Tönnies zieht sich für drei Monate zurück. Der Ehrenrat begrüßt die Entscheidung des Aufsichtsratsvorsitzenden.

Als Schalke 04 die Meldung um 23.10 Uhr verbreitete, saßen die Damen und Herren immer noch hinter verschlossenen Türen in der Arena zusammen. Der Schalker Ehrenrat und Vereinschef Clemens Tönnies, die am späten Dienstagabend nach stundenlanger Sitzung zu folgendem Ergebnis gekommen waren: Clemens Tönnies lässt sein Amt als Mitglied und Vorsitzender des Schalker Aufsichtsrates für einen Zeitraum von drei Monaten ruhen. Danach, so teilte Schalke mit, „wird er seine Tätigkeit im Aufsichtsrat wieder aufnehmen“.

Zuvor war der Schalker Ehrenrat zu dem Schluss gekommen, „dass der gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden des S04, Clemens Tönnies, erhobene Vorwurf des Rassismus unbegründet ist“. Tönnies hatte sich in der vergangenen Woche als Gastredner beim „Tag des Handwerks“ in Paderborn zu Äußerungen über Afrikaner hinreißen lassen, die vom Schalker Ehrenrat aber offenbar nicht als rassistisch gewertet wurden.

Verstoß gegen Diskriminierungsverbot

Vorzuwerfen sei Tönnies laut Schalke allerdings, gegen das in der Schalker Satzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben. Tönnies habe diese Pflicht verletzt und diesen Verstoß in der Sitzung auch eingeräumt. Zudem habe er darüber „ein weiteres Mal sein Bedauern zum Ausdruck gebracht“.

Aufgrund dessen habe er sich bereit erklärt, sein Amt im Aufsichtsrat für besagte drei Monate ruhen zu lassen. Danach, so der Stand vom Dienstagabend, will der Unternehmer seine Schalke-Tätigkeit wieder aufnehmen. Für den Ehrenrat ein Agreement, das dieser „zustimmend zur Kenntnis“ genommen habe.

Das Verhör von Tönnies hatte sich den ganzen Abend hingezogen. Der 63 Jahre alte Tönnies war gegen 18.15 Uhr auf das Gelände der Veltins-Arena gefahren, wo der fünfköpfige Ehrenrat in einem Sitzungsraum hinter verschlossenen Türen bereits zuvor zusammengekommen war. Zunächst ging es darum, einen Vorsitzenden in dem fünfköpfigen Gremium mit Klaus Bernsmann (Leiter des Lehrstuhls für Strafrecht an der Ruhr-Uni Bochum), Götz Bock (Richter am Hessischen Finanzgericht), Hans-Joachim Dohm (Evangelischer Pfarrer i.R.), Bernhard Terhorst (Steuerberater) und Kornelia Toporzysek (Richterin am Oberlandesgericht Düsseldorf) zu wählen.

Danach musste sich Tönnies äußern. Vor der Arena warteten derweil Übertragungswagen von TV-Sendern, aber Zwischentöne von der Anhörung drangen nicht nach draußen – bis Schalke um 23.10 Uhr das Ergebnis veröffentlichte. Um diese Zeit war es schon dunkel vor der Arena - aber die Damen und Herren saßen immer noch beieinander, abgeschirmt von Security-Mitarbeitern.

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