Schalke

Schalke hält seit 45 Jahren den Rekord der jüngsten Elf

So sah damals die Bundesliga aus: Schalkes Manni Dubski hält den Berliner Lorenz Horr auf Distanz. Trikotwerbung gab es noch nicht.

Foto: imago sportfotodienst

So sah damals die Bundesliga aus: Schalkes Manni Dubski hält den Berliner Lorenz Horr auf Distanz. Trikotwerbung gab es noch nicht.

Gelsenkirchen.   Am 31. März 1973 spielte Schalke mit der jüngsten Startelf, die es jemals gegeben hat. Manni Dubski war der Jüngste und erinnert sich.

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Es wäre unpassend, einen gestandenen Mann von 63 Jahren als Nesthäkchen zu bezeichnen – deswegen lassen wir das. Aber vor 45 Jahren wird dieser Begriff so ähnlich gefallen sein. Damals war Manni Dubski der jüngste Spieler einer Schalker Mannschaft, die seit dem 31. März 1973 einen Rekord für die gesamte Bundesliga hält: Niemals war eine Startelf in der Bundesliga jünger als Schalke auf den Tag genau vor 45 Jahren beim 1:1 gegen Hertha BSC Berlin. In der WAZ erinnert sich Manni Dubski, damals der Jüngste in der jüngsten Mannschaft aller Zeiten, wie es dazu gekommen ist.

Der Bundesliga-Skandal war wie ein Damoklesschwert

Es war von Anfang an eine schwierige Saison, denn über Schalke hing wie ein Damoklesschwert: Der Bundesliga-Skandal. Der Reihe nach wurden Stars wie Klaus Fischer, „Rolli” Rüssmann, „Tanne” Fichtel oder „Aki” Lütkebohmert gesperrt, und Manni Dubski weiß heute noch genau, was der legendäre Schalke-Präsident „Oskar” Siebert zu den verbliebenen Spielern gesagt hat: „Wir können Großes leisten, wenn wir die Klasse erhalten.” Nur darum ging es für Schalke in der Saison 1972/73, und so auch am 27. Spieltag gegen Hertha BSC.

Als Manni Dubski den Zettel mit der Aufstellung sieht, sagt er: „Alles ganz erfahrene Spieler.” Er meint die Mannschaft von Hertha BSC mit Erich Beer, Lorenz Horr, Ludwig Müller oder Erwin Hermandung. Schalke setzt dagegen seinen Talentschuppen: Torwart Norbert Nigbur ist mit 24 Jahren der Älteste, Manni Dubski, am Spieltag genau 18 Jahre und 193 Tage alt, der Jüngste. Eigentlich darf er sogar noch in der Schalker A-Jugend spielen, aber Trainer Ivica Horvat braucht ihn schon in der Bundesliga. Dubski weiß: „Der Bundesliga-Skandal war mit ein Grund, dass man so früh dazu gekommen ist.”

Der Skandal war mit ein Grund – aber nicht der einzige.

Denn es ist Schalkes Weg in den 1970er-Jahren, konsequent auf die Jugend zu setzen. Ivica Horvat, den man auf Schalke „Papa” nennt, hat ein Händchen für junge Spieler, und „Oskar” Siebert ein „Diamantenauge”: Der Meisterspieler von 1958 hat als Schalke-Präsident einen untrüglichen Blick für Talente. Aus der Mannschaft, die am 31. März 1973 gegen Hertha aufläuft und die zur jüngsten Elf in der Geschichte der Bundesliga werden soll, haben bis auf drei Spieler alle zuvor die Jugend-Nationalmannschaften durchlaufen. Der Altersschnitt beträgt an diesem Tag 22,09 Jahre. „Oskar” Siebert hat diese Jungs alle nach Schalke geholt.

Damals kamen die Talente noch aus der Nachbarschaft

Es ist die Zeit, in der die Nachwuchstalente noch aus der Nachbarschaft kommen, und nicht aus Amerika. Manni Dubski kommt aus Bottrop, spielt für die Jugend von Fortuna Bottrop und für die Schüler-Nationalmannschaft. Als Knirps von elf Jahren hat ihn ein Nachbar mal mit in die Glückauf-Kampfbahn genommen zum Spiel zwischen Schalke und Bayern. Seitdem steht für ihn fest: „Ich will unbedingt nach Schalke.” Der große Hennes Weisweiler, der ihn zu Borussia Mönchengladbach holen will, kann sich den Anruf sparen – fünf, sechs andere Interessenten auch. Als Schalke anklopft, ist die Sache schnell klar. Nur Dubskis Vater hat noch einen Einwand: „Erst macht der Junge seine Lehre zu Ende.” Manni Dubski absolviert erst seine Ausbildung zum Dreher, dann die zum Fußball-Profi.

Dubski durfte sogar noch in der A-Jugend spielen

Im Sommer 1972 kommt er nach Schalke – zu einem Verein, der gerade den DFB-Pokal gewonnen hat, und er sagt sich: „Wahnsinn, ich wechsele zu so einer Mannschaft.” Vereinbart ist, dass er als A-Jugendlicher schon mit den berühmten Profis trainieren soll, mit Rüssmann und Fichtel, mit Nigbur und den Kremers-Zwillingen. Am 14. Oktober 1972 darf er dann auch das erste Mal mit ihnen in der Bundesliga spielen: Knapp einen Monat nach seinem 18. Geburtstag feiert Manni Dubski sein Bundesliga-Debüt, beim Spiel in Oberhausen wird er für ein paar Minuten eingewechselt.

Mit einem „Riesen-Herz“ zum Klassenerhalt

Ein halbes Jahr später häufen sich die Einsätze, und am 31. März 1973 steht Manni Dubski beim Spiel gegen Hertha BSC zum fünften Mal in der Startelf. Gerade einmal 13 Tage vorher waren mit Fichtel, Wittkamp, Rüssmann und Lütkebohmert vier weitere Spieler wegen des Bundesliga-Skandals gesperrt worden, so dass Schalke das 1:1 gegen die erfahrene Hertha wie einen Sieg feiert: Klaus Beverungen trifft zwei Minuten vor dem Ende zum Ausgleich für die jüngste Elf, die jemals in der Bundesliga gespielt hat.

Am Ende der Saison steht: Ein Rekord, der noch heute Bestand hat. Und der Klassenerhalt, nur drei Punkte vor dem ersten von zwei Abstiegsplätzen. „Wir hatten alle ein Riesen-Herz”, erinnert sich Manni Dubski: „Und das brauchten wir auch, um die Klasse zu halten.”

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