Schalke 04

Domenico Tedesco steht bei Schalke vor dem Aus

Schalke-Trainer Domenico Tedesco in Manchester

Schalke-Trainer Domenico Tedesco in Manchester

Foto: dpa

Manchester/Gelsenkirchen.  Schalkes Sportchef Jochen Schneider gibt dem Trainer keine Job-Garantie. Die Königsblauen kündigen eine Erklärung für Donnerstag an .

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Es regnete leicht, als die Profis von Schalke 04 gestern Mittag zum Auslaufen auf dem Trainingsplatz erschienen. Müde drehten sie ihre Runden, die 0:7-Blamage in der Champions League bei Manchester City vom Abend zuvor hatten sie noch im Kopf. Parallel machten sich die Klubmitarbeiter schick: Von 17.04 bis 19.04 Uhr gab der neue Sportchef Jochen Schneider seinen Einstand im VIP-Bereich der Arena.

In diesen zwei Stunden hatte Schneider nichts mit dem drängendsten von vielen Problemen zu tun, die der abstiegsbedrohte Klub mit sich herumschleppt. Nach der Mitarbeiterparty ging es in der Geschäftsstelle um die Frage, ob Trainer Domenico Tedesco die Mannschaft noch auf das Bundesligaspiel gegen RB Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) vorbereiten darf. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr gering. Was die Diskussion ergeben hat, will Schalke schon heute verkünden. Die Zeit drängt.

Schneiders Idee ist hinfällig

Genug wichtige Entscheider waren in Gelsenkirchen versammelt: Vier Mitglieder des Aufsichtsrats gehörten zur Reisegruppe, auch Finanzvorstand Peter Peters sowie Marketingsvorstand Alexander Jobst. Schon nach einer Woche im Amt ist Schneiders erste Idee hinfällig. Er wollte selbst eine knappe Niederlage in Manchester in Kauf nehmen, um Tedesco dann ein Endspiel am Samstag gegen RB Leipzig zu ermöglichen. Unmittelbar nach dem Abpfiff wollte er seine neue Erkenntnis noch nicht verkünden. Sagte er nach dem Spiel am Dienstagabend noch alle Interviews ab, sprach er am Mittwochmorgen auf dem Flughafen von Manchester.

Und er fand deutliche Worte: „So kann man sich nicht präsentieren, so darf man sich nicht präsentieren, egal wie stark der Gegner ist.“ Auf die Frage, welche Konsequenzen das haben würde, antwortete Schneider: „Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir werden die nächsten Stunden nutzen, um es intern zu besprechen. Wir müssen die Gesamtsituation erörtern, es ist nicht nur das eine Spiel.“ Und konkret über Tedesco: „Ich möchte den Gesprächen nicht vorgreifen. Das war zu heftig, das war zu deutlich.“ Eine Job-Garantie sieht anders aus – und selbst Schneider sagte: „Wo gibt es Garantien? Nicht einmal die Deutsche Bank garantiert irgendwas.“

Doch nicht nur Schneiders Aussagen sprechen für einen bevorstehenden Trainerwechsel. Es gibt weitere Indizien: Aufsichtsratschef Clemens Tönnies sagte eine Podiumsdiskussion in Goslar ab. Auf ihrer Internetseite gaben die Schalker an, dass sämtliche Trainingseinheiten bis zum Leipzig-Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden – unüblich. Weil sie ein neuer Trainer leitet?

Tedesco lehnt Rücktritt ab

Tedesco selbst lehnt einen Rücktritt ab. „Ich habe keine Sekunde daran gedacht, irgendetwas zu verändern“, sagte er. Sein Vertrag gilt bis zum 30. Juni 2022, für ihn geht es um viel Geld. Dass seine Zeit als Schalke-Trainer zu Ende geht, dürfte er noch in Manchester erfahren haben. Dort führte er mit Schneider ein langes Einzelgespräch.

Doch wie geht es ohne Tedesco weiter? Im Spiel gegen Leipzig könnte Co-Trainer Seppo Eichkorn auf Schalke die Verantwortung übernehmen, bevor in der Länderspielpause ein neuer Trainer kommt. Es ist auch möglich, dass Schalke-Ikone Mike Büskens vorerst übernimmt. Einen Eindruck vom Team hat er bekommen: Auch er hatte sich die Blamage im Stadion angeschaut.

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