3. Liga

RWO benötigt Millionen-Bürgschaft für Drittliga-Lizenz

Alexander Scheelen erzielte das bisher emotionalste RWO-Tor in dieser Saison.

Alexander Scheelen erzielte das bisher emotionalste RWO-Tor in dieser Saison.

Foto: Micha Korb / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Traditionsverein Rot-Weiß Oberhausen darf vom Aufstieg in die 3. Liga träumen. Den angeschlagen Präsidenten belastet das Finanzproblem.

Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, die Fußball-Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen am vergangenen Wochenende erlebte. Als Alexander Scheelen (31) bei seinem ersten Heimspiel nach überstandener Krebserkrankung in letzter Minute den 2:1-Siegtreffer gegen den Wuppertaler SV erzielte, weilte Hajo Sommers (60) nicht unter den begeisterten Zuschauern im Stadion Niederrhein. Der RWO-Präsident hatte wenige Tage zuvor einen Schlaganfall erlitten. Während des Spiels lag er in einer Oberhausener Klinik. Erst zu Wochenbeginn erfuhr die Öffentlichkeit von den gesundheitlichen Problemen des langjährigen Vorstandsvorsitzenden.

Die Nachricht trübte die Freude über das filmreife Scheelen-Comeback und den grandiosen sportlichen Erfolgslauf der „Kleeblätter“. Sieben Spieltage vor dem Ende der Regionalliga-Saison liegt RWO nur noch drei Punkte hinter Spitzenreiter Viktoria Köln. Der ehemalige Bundesligist darf von der Rückkehr in den Profifußball träumen.

Doch um sich diesen zu erfüllen, müssen die Oberhausener nicht bloß die sportliche Hürde überspringen. Die finanzielle Basis für den Aufstieg in die 3. Liga wurde noch nicht geschaffen. Zur Sicherung der Drittliga-Lizenz muss der Verein beim DFB eine Bürgschaft in Höhe von rund zwei Millionen Euro hinterlegen. Das bestätigte RWO-Chef Sommers auf Nachfrage dieser Zeitung – wenige Tage nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus. „Telefonate und ein, zwei Stündchen Büro gehen schon wieder“, versichert er.

Rot-Weiß Oberhausen benötigt zwei Millionen Euro

Sommers, der das Amt des Präsidenten seit 13 Jahren ehrenamtlich ausübt, habe sich zuletzt übernommen. Die angespannte finanzielle Situation seines Herzensvereins habe ihren Teil dazu beigetragen: „Der dauerhafte Stress im Kampf ums Überleben des Vereins, meine hauptberufliche Anstrengung im Ebertbad und viele weitere Faktoren waren ausschlaggebend, dass sich mein Körper zu Wort gemeldet und mir eine letzte Warnung ausgesprochen hat.“

Der Oberhausener Theaterleiter ist bei RWO nun auf die Hilfe seiner Vorstandskollegen und vor allem der Stadt angewiesen. In zwei Wochen soll ein Treffen zwischen Vereinsverantwortlichen sowie Vertretern aus Politik und Wirtschaft stattfinden. Dann muss geklärt werden, ob die nötige Summe als Sicherheit beim DFB vorgelegt werden kann. So lange müssen die Fans bangen. „Die Mannschaft tut aktuell alles dafür, in die 3. Liga aufzusteigen. Jetzt muss die Stadt Oberhausen nachziehen“, betont Sommers.

Dass die Rot-Weißen erstmals seit dem Abstieg im Jahr 2012 wieder an die Tür zur 3. Liga klopfen, ist eine große Überraschung. Zur Winterpause lag die Mannschaft von Trainer Mike Terranova neun Punkte hinter Platz eins. Da Aufstiegsfavorit Viktoria Köln zuletzt schwächelte und RWO im Jahr 2019 noch kein Spiel verloren hat, ist das Titelrennen nun wieder offen. Mit bescheidenen finanziellen Mitteln haben Trainer Terranova und Sportchef Jörn Nowak eine Spitzenmannschaft geformt. Für das gesamte Team gibt der Verein in dieser Saison 1,3 Millionen Euro aus. In der Etat-Tabelle liegt Oberhausen damit nicht im oberen Drittel. Der Revierklub hat diesen Nachteil mit wichtigen Tugenden kompensiert. „Das ist ein sehr familiärer Verein. Der Teamgedanke steht an oberster Stelle“, sagt RWO-Spieler Alexander Scheelen.

Scheelen unterzog sich einer anstrengenden Chemotherapie

Der 31-Jährige kann glaubhaft vermitteln, dass dies keine hohle Phrase ist. Vor einem Jahr wurde bei dem Mittelfeldspieler Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Er unterzog sich einer anstrengenden Chemotherapie. „Manchmal hatte ich nicht mal die Kraft, um mir vernünftig die Zähne zu putzen“, berichtet Scheelen.

In dieser für ihn so schweren Zeit erhielt er viel Unterstützung vom Verein und seinen Kollegen. Scheelen kämpfte sich zurück und sorgte mit seinem Siegtreffer gegen Wuppertal für einen Gänsehaut-Moment, der den Oberhausenern einen zusätzlichen Schub im Kampf um Platz eins verleihen kann. Scheelen hat ein weiteres großes Ziel vor Augen: „Ich möchte diese tolle Geschichte mit dem Aufstieg toppen. Sowohl der Verein als auch die Mannschaft werden dafür alles geben. Das ist sicher.“

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