RWE-Kolumne

Ein dünner RWE-Kader erfordert ein dickes Fell

Foto: Michael Gohl

essen.   Happos Westkurve nimmt Stellung zur ersten Niederlage nach fünf Punktspiel-Siegen und zur angespannten Personalsitiution vor dem Spiel in Verl.

„Es musste mal so kommen, es musste mal geschehen“, so lautet eine Zeile aus dem RWE-Gassenhauer „Opa Luscheskowski“. Gekommen waren über 9000 Menschen, um die Partie Rot-Weiss Essen gegen Aufsteiger SV Lippstadt live mitzuerleben. Als Kapitän Benny Baier kurz vor Schluss einen Foulelfmeter nicht verwandeln konnte, war es geschehen. Die erste Niederlage nach fünf Punktspiel-Siegen in Folge.

Ich weiß nicht, was an dem Sprichwort „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören“, richtig sein soll. Gewinnen will i, wenn möglich immer, egal gegen wen! So wie unter der Woche im Niederrheinpokal-Spiel gegen den Landesligisten FSV Vohwinkel. Endergebnis 2:0. Seriös angehen will Trainer Kalle Neitzel jede Begegnung, das war gegen Lippstadt nicht anders. Nur diesmal gingen die Hausherren die Partie auch zu langsam an. Das wiederum spielte den Gästen in die Karten. Die Rote Karte sah dagegen Kai Pröger nach seinem rüden Einsteigen auf Höhe der Mittellinie.

Kompliment an den SV Lippstadt

Ich will jetzt nicht so weit gehen und behaupten, der Schiedsrichter war die Mutter aller Probleme, aber der Luxemburger Alain Durieux geriet niemals in Verdacht, ein Heimschiri zu sein. Pfeifen gibt es nicht nur unter den Referees, sondern in sämtlichen Lebenslagen und in allen Ländern dieser Erde. Kompliment an den Gegner, SV Lippstadt, dessen kaltschnäuziges Auftreten mich sehr beeindruckt hat. Kompliment aber auch an meine, unsere Mannschaft. Aufgeben ist für die Jungs in dieser Saison ein Fremdwort. Wer so fightet, wer sich trotz Rückschlägen (u.a. Verletzung von Heber) nicht aufgibt, den wirft so leicht nichts aus der Bahn. Nein, nein, ich schreib jetzt nicht, es sei denn, Sami A. kontrolliert. Gehört hier nicht hin. Sorry.

Die Glücksgefühle kann mir keiner nehmen

Ob der Höhenflug ein Ende hat, fragen sich einige Rot-Weiss-Fans. Die Zweifel sind nicht unbegründet. Immerhin fehlen in den nächsten Partien mit Platzek, Freiberger und Pröger gleich drei hochkarätige Offensivakteure. Da braucht man gar nicht groß drum rumreden, das ist eine Schwächung. Wie lange Abwehr-Ass Heber ausfallen wird, stand beim Schreiben dieser Zeilen auch noch in den Sternen. Es wird eng, personell. Und weil das so ist, müssen wir noch enger zusammenrücken. Meiner Zuversicht tut das jedenfalls keinen Abbruch. Überhaupt, diese Glücksgefühle, diese Emotionen, die mir dieser Verein in den letzten Wochen beschert hat, die kann mir keiner mehr nehmen.

Sowas kann man nur nachempfinden, wenn man Fan mit Leib und Seele ist, egal, welche Liga. Was die Regionalliga West angeht, so sieht man Spieltag für Spieltag, wie dicht die Clubs beieinander sind. Leistungsmäßig. Dazu gehören reichlich Vereine aus dem an sich schönen Ostwestfalen, wie der kommende Gegner, der SC Verl. Irgendwie liegen uns diese Ostwestfalen nicht.

SC Verl ist noch ungeschlagen

Die wollen einfach nicht klein beigeben. RWE reist zwar als Tabellenführer dort hin, von einer Favoritenrolle kann aber nicht die Rede sein. Zwei Dinge hat der Sportclub den Roten voraus: Sie sind noch ungeschlagen und konnten in ihrem letzten Spiel kurz vor Ende den Elfmeter verwandeln. Vorsicht ist also geboten, aber Bangemachen gilt nicht. Wer weiß, vielleicht wächst aus der Not heraus ein junger Spieler wie Ismail Remmo über sich hinaus. Technisch hat der Bursche es drauf.

Auf Boris Tomiak könnte Kautsch Kalle Neitzel schon jetzt ohne Bedenken zurückgreifen. Es ist wie es ist, ein dünner Kader erfordert ein dickes Fell. Und kein Ostwestfale zieht einem „Ruhrpottler“ das Fell über die Ohren. Gel Präfect?! Hoffe ich zumindest. Man wird sehen.

Bleibt gesund,

der Happo

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