Regionalliga

Wattenscheid: Neururer wehrt sich gegen Kritik im Internet

Ist noch nicht zurückgetreten: Wattenscheids Sportdirektor Peter Neururer

Ist noch nicht zurückgetreten: Wattenscheids Sportdirektor Peter Neururer

Foto: Thorsten Tillmann

Wattenscheid.  Das Duell der Regionalliga-Sorgenkinder steigt am Montag, die SG Wattenscheid 09 empfängt SF Lotte. Peter Neururer wehrt sich gegen Kritik.

Als Ismail Atalan im Juli 2017 im Lohrheidestadion zu Gast war, gab er beim Freundschaftsspiel sein Debüt als Trainer des Zweitligisten VfL Bochum. Rund zwei Jahre später kehrt der 39-Jährige zurück ins Ruhrgebiet. Mit dem Klub, über den er es in den Profi-Fußball schaffte. Die Begegnung zwischen der SG Wattenscheid 09 und Sportfreunde Lotte (Montag, 20.15 Uhr, live bei Sport1) aber könnte vom hochbezahlten Sport nicht weiter entfernt sein.

Und über Fußball redet derzeit sowieso niemand, wenn einer der beiden Klubs Gesprächsthema ist. Die Vereine haben immense finanzielle Schwierigkeiten, die SGW hat es jedoch deutlich schlimmer getroffen. Die Vereinsvertreter haben am vergangenen Donnerstag Insolvenzantrag gestellt.

Dagegen sind die Probleme der Sportfreunde Lotte noch ein inneres Blumenpflücken. Aber: Auch beim Drittliga-Absteiger streikten Spieler wegen Zahlungsausfällen, beim DFB-Pokal-Viertelfinalisten 2017 stieg zudem der größte Sponsor Frimo aus. Böse Zungen behaupten, dass das, was mit der SGW gerade passiert, ein Blick in die Zukunft der Sportfreunde Lotte ist.

Gutachter fällt bald das Urteil, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird

Kurzum: Der TV-Sender Sport 1 gibt das Aufeinandertreffen der beiden Regionalliga-Sorgenkinder für eine breite Öffentlichkeit frei. Wenige Tage später, das genaue Datum steht noch nicht fest, wird der vom Amtsgericht bestellte Gutachter das Urteil darüber fällen, ob das Insolvenzverfahren über die SG Wattenscheid 09 eröffnet wird. Das kann er nur dann tun, wenn genügend Vermögenswerte vorhanden sind.

Vom Ausfall zugesicherter Zahlungen

In der vergangenen Woche hatte SG-Aufsichtsrat Josef Schnusenberg gegenüber dieser Redaktion gesagt: „Wir werden da eine erstaunliche Insolvenzmasse vorfinden.“ Das lässt nur wenige logische Schlüsse zu. Einer liegt auf der Hand. Bekanntlich haben der am 22. Juli zurückgetretene Aufsichtsrats-Vorsitzende Oguzhan Can sowie Gremiums-Mitglied Hans Mosbacher (Stölting) im Mai zugesichert, diese und die folgende Spielzeit finanziell abzusichern. Wegen des Ausfalls dieser Zahlungen sahen sich die Verantwortlichen des Klubs gezwungen, den Insolvenzantrag zu stellen.

Aber: Dem Vernehmen nach gibt es Verträge, die die entsprechenden Formalitäten mit Can und Mosbacher regeln. Dass sich der mit derart prekären finanziellen Situationen erfahrene Schnusenberg bereits vor einer amtlichen Prüfung weit aus dem Fenster lehnt, kann als Grundlage haben, dass der Verein plant, den juristischen Weg zu gehen, um ans Geld zu kommen.

Sportdirektor Neururer betont: Kein Rücktritt

Sportdirektor Peter Neururer hat seinen Anwalt längst eingeschaltet, auch er wartet auf Geld. Das bedeutet im Übrigen nicht, dass er seinen Job an der Lohrheide geschmissen hat. „Wir haben das Problem, dass es einige Menschen gibt, die nicht richtig zuhören können. Daher noch einmal: Ich bin nicht zurückgetreten. Ich möchte hier gern arbeiten, kann es aber unter den gegeben Umständen nicht.“

Der 64-Jährige hat nach eigener Aussage erst nach seiner Zeitungslektüre vom Insolvenzantrag des Viertligisten gehört. Zuvor war er von einigen Fans in sozialen Medien übelst angegriffen worden. Neururer: „Es gibt da so ein paar Hammerwerfer, die jetzt öffentlich fragen, was ich denn alles für den Verein geleistet habe. Daran sieht man, dass es Menschen gibt, die lieb und nett sind, die aber nicht so erfolgreich denken können.“

Der frühere Profi-Trainer liefert selbst ein Beispiel neben der Ausrichtung des Retterspiels gegen den Bundesligisten FC Schalke 04. „Die zwei Live-Spiele in einem Monat - gegen Lotte und Aachen - kamen bestimmt nur wegen der glänzenden Kontakte, die der Verein zu Sport1 hat, zustande“, so der gebürtige Marler ironisch. Neururer ist als Fußball-Experte bei dem Sender mit Sitz in Ismaning tätig.

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