Interview

Viertliga-Trainerin Grings: „Männerfußball ist attraktiver“

Inka Grings leitet das Training beim Viertligisten SV Straelen.

Inka Grings leitet das Training beim Viertligisten SV Straelen.

Foto: dpa

Straelen  Inka Grings soll den SV Straelen in der Fußball-Regionalliga halten. Im Interview spricht die Trainerin über Pappnasen und den Abstiegskampf.

Inka Grings lockte zuletzt Kamerateams zum Sportplatz des SV Straelen. Jeder wollte sehen, wie die erste Trainerin einer Männermannschaft in der Fußball-Regionalliga arbeitet. Wenn die 40-Jährige länger mit Straelen in der vierten Spielklasse arbeiten will, braucht sie Erfolg im Abstiegskampf – am besten schon am Samstag beim Bonner SC (14 Uhr).

Frau Grings, Hand aufs Herz: Waren Sie vor Ihrem Debüt als Trainerin des SV Straelen nervöser als vor Ihrem ersten Länderspiel?

Inka Grings: Ehrlich gesagt ist die Nationalmannschaft natürlich eine ganz andere Dimension, denn da geht es darum, sein Heimatland zu vertreten. In Straelen habe ich mich einfach gefreut, dass es endlich losgeht.

Franz Wunderlich, Sportvorstand bei Viktoria Köln, Ihrem Ex-Verein, sagte kürzlich, dass Sie oft davon gesprochen hätten, im Männerfußball Fuß fassen zu wollen. War das immer schon Ihr Traum?

Grings: Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich eine tolle Zeit bei der Viktoria hatte. Die Ehrlichkeit und Direktheit von Franz, mit der nicht jeder klar kommt, hat mir imponiert. Ich habe in den Gesprächen immer betont, wohin ich will. Ich will eine Profi-Trainerin bei den Männern sein.

Warum favorisieren Sie den Männer- gegenüber dem Frauenfußball?

Grings: Ich bin dem Frauenfußball sehr dankbar. Hier habe ich viel erleben und auch viele Erfolge feiern dürfen. Aber der Männerfußball ist einfach viel attraktiver. Die Dynamik ist aufgrund der anatomischen Voraussetzungen eine ganz andere. Ich wollte schon immer diesen Weg gehen. Und das nicht etwa, weil ich als erste Frau im Männerfußball Geschichte schreiben will – nein: Mir geht es nur um die Arbeit. Ich will nicht als Frau, sondern mit meinen Trainerfähigkeiten Eindruck machen.

Ihr Traum hat sich erfüllt.

Grings: Ja, ich sehe die Regionalliga als Profi-Liga an. Ich habe nach Viktoria Köln eine tolle Hospitation bei Fortuna Düsseldorf, die mir Frank Schaefer ermöglicht hat, gehabt. Wahrscheinlich wäre ich dort auch länger geblieben, wenn Straelen nicht angerufen hätte.

Was sagen Sie eigentlich den Leuten, die sagen, dass Sie diesen Job nur erhalten haben, weil Ihre ehemalige Lebensgefährtin Martina Voss heute mit Straelens Präsident Herrmann Tecklenburg liiert ist?

Grings: Den Kritikern sage ich, dass im Fußball 99,9 Prozent alles über Vitamin B läuft. Ich bringe sportliche Kompetenz mit und bin Fußballlehrerin. Die Gespräche mit Herrn Tecklenburg waren super und von der Mannschaft bin ich sehr überzeugt. Deshalb habe ich den Job auch angenommen.

Wie unterschied sich Ihre erste Ansprache beim SV Straelen von der bei der Frauenmannschaft des MSV Duisburg?

Grings: Auch hier muss ich sagen, dass es keinen großen Unterschied macht. Wichtig ist, dass man authentisch und ehrlich bleibt. Am Ende geht es immer um Fußball. Die Situationen sind vergleichbar, da wir in Duisburg auch um den Klassenerhalt kämpfen mussten. Ob Mann oder Frau: In dieser Situation geht es immer um Kampf, Leidenschaft und Einsatzbereitschaft. Pappnasen und Zickereien gibt es sowohl bei Männern als auch Frauen.

Sehen Sie sich eigentlich als erste Frau in der Regionalliga als eine Art Versuchsobjekt?

Grings: Nein, solche Gedanken habe ich nicht. Ich will fachlich überzeugen und als Trainerin eines Regionalligisten den Klassenerhalt schaffen.

Was war Ihre größte Sorge vor dem Amtsantritt in Straelen?

Grings: Ich finde die Fragen interessant, weil ich nicht glaube, dass man sie zum Beispiel Martin Schmidt bei seinem Amtsantritt in Augsburg stellen würde (lacht). Aber ich kann das durchaus nachvollziehen. Ich kann verraten, dass ich vor dem ersten Trainingstag sehr gut geschlafen habe und keine Sorgen hatte. Im Gegenteil: Die Vorfreude war und ist riesig auf den Job.

Sind Sie eigentlich nach Ihrem ersten Spiel gegen Verl nackten Männern in der Kabine begegnet?

Grings: (lacht) Leider nur traurigen Männern, weil wir 0:2 verloren haben. Im Ernst: Wir sind Sportler und machen uns über solche Banalitäten keine Gedanken. Mal davon abgesehen bin ich 40 Jahre jung, ich hab schon mal einen nackten Mann gesehen.

Ihre Mannschaft ist seit dem 8. Dezember 2018 ohne Sieg. Spüren Sie das in den Einheiten?

Grings: Klar. Die Verunsicherung ist da. Aber die Jungs machen hervorragend mit. Sie tun, machen und wollen. Ich sehe in jeder Einheit den Ehrgeiz und die Bereitschaft. Wir wollen uns schon am Samstag in Bonn belohnen.

Straelen liegt nur zwei Punkte vor dem Abstiegsplatz. Wäre ein Abstieg auch eine persönliche Niederlage für Sie?

Grings: Mit so etwas beschäftige ich mich nicht. Wir haben noch sechs Spiele und alles in der eigenen Hand. Wir werden jetzt noch einmal härter arbeiten und auch zwei Einheiten am Tag einlegen. Wir sind für den Abstiegskampf gerüstet und wollen am Ende über dem Strich stehen.

Würden Sie denn auch im Falle eines Abstiegs in Straelen weitermachen?

Grings: Wie gesagt: Das sind Fragen, die ich nach dem 18. Mai, unserem letzten Ligaspiel in Wattenscheid, beantworten kann.

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