Regionalliga

Mutlosigkeit vergrößert die Sorgen von Rot-Weiss Essen

Sinnbild: RWE-Kapitän Marco Kehl-Gomez kommt ins Straucheln.

Sinnbild: RWE-Kapitän Marco Kehl-Gomez kommt ins Straucheln.

Foto: Thorsten Tillmann

Essen.  Regionalligist Rot-Weiss Essen fehlen bei der zweiten Heimniederlage der Saison Mut und Entschlossenheit. Dem Druck wurde nicht standgehalten.

So also fühlt sich Misserfolg an. Rot-Weiss Essen spürt es gerade, dieses fast vergessen geglaubte Gefühl. Es war ziemlich still nach der dritten Pleite in Folge. Zumindest aufseiten des Verlierers, während aus der Kabine der Gäste fröhliche „Malle“-Musik drang. Kevin Grund, der Dienstälteste im RWE-Dress und einer der wenigen, der im neuformierten Kader von den „Alten“ übrig geblieben ist, musste sich in die Vergangenheit zurückversetzt gefühlt haben. Er stand da, abgekämpft und leerem Blick und versuchte zu erklären. Alles schon mal erlebt, nicht nur einmal.

„Wir haben die ersten 50 Minuten verschlafen, sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Dann haben wir alles versucht und Chancen gehabt”, analysierte Grund und kam zu der bitteren Erkenntnis: „In den Spielen vorher wollte jeder den Ball haben. Doch heute hat der Mut gefehlt. So kannst du kein Spiel gewinnen.”

Dem hohen Erwartungsdruck nicht standgehalten

Ja, da ist was dran. Die Himmelsstürmer von der Hafenstraße sind von Wolke sieben gestürzt und mit dem 0:1 (0:1) gegen Fortuna Köln erneut hart aufgeschlagen. Auch Cheftrainer Christian Titz stellte fest, dass der Rückstand seine Jungs sehr verunsichert habe. „In der zweiten Halbzeit bauen wir Druck auf, haben aber bis auf zwei, drei Chancen keine Möglichkeiten, machen die auch nicht und verlieren folgerichtig.” Seine Mannschaft habe sich den Erwartungsdruck gerade zu Hause selbst auferlegt, konnte den Ansprüchen aber nicht gerecht werden.

Auch Titz fand, dass seine Spieler nicht mutig genug waren. Heraus kamen vor allem in der ersten Halbzeit schlampige und ungenau Pässe, Fehler im Aufbauspiel und Ballverluste. Vor dem gegnerischen Tor wollten es die Gastgeber zu schön machen, legten den Ball im Strafraum lieber noch einmal quer, anstatt konsequent und entschlossen den Abschluss zu suchen. Natürlich stellen sich die Gegner auf die Essener Spielweise, bedrängen den aufgerückten Torhüter Marcel Lenz, um Fehler zu erzwingen, doch so berechenbar darf keine Spitzenmannschaft sein. Da muss es zwingend einen Plan B geben.

Riskanter Pass leitet das Gegentor ein

Der erfahrene Innenverteidiger Alexander Hahn hatte einige hanebüchene Bolzen im Spiel und leitet mit einem riskanten Pass in die Mitte auch das Gegentor ein. Passempfänger Marco Kehl-Gomez wurde bedrängt und gehalten, doch das Foul kassierte er. Aus etwa 30 Metern nahm Kölns Kapitän Franko Uzelac Maß und versenkte die Kugel. „Ich hatte am Tag zuvor im Training schon zwei so Dinger rein geschweißt”, gab der Torschütze zu Protokoll. „Essen hat nur eine Zwei-Mann-Mauer gestellt und der Torwart die Ecke freigelassen.” Dass es kein Zufall war, zeigte Uzelac in Hälfte zwei, als er aus ähnlicher Entfernung Lenz zu einer Parade zwang (81.).

In Hälfte zwei schnürte Rot-Weiss die Gäste zeitweise in deren Hälfte ein. Aber es war nicht dieses geduldige, durchdachte Spiel, mit dem RWE schon manchen Sieg eingefahren hatte. Allzu viele Chancen ergaben sich nicht gegen die kompakten Kölner, deren Abwehrstärke in der Tabelle anhand er Gegentore nachzulesen ist.

„Es war ein anstrengendes, spannendes Spiel”, sagte Fortuna Trainer Thomas Stratos, wohl noch immer unter Strom, sodass dessen Mimik sich nicht von der seines Kollegen unterschied. Da musste er schon ausdrücklich darauf hinweisen, dass er natürlich zufrieden und glücklich sei. „Ich habe gezittert und gehofft, dass wir es über die Runden bringen.” Und dann der Kernsatz dieses Spiels: „Wir haben an uns geglaubt und das nötige Glück gehabt.”

Nicht gleich wieder alles infrage stellen

Das hatte RWE zu lange Zeit, dieses Mal allerdings nicht. Oguzhan Kefkir scheiterte zweimal (10./65.) und der eingewechselte Ayodele Adetula traf nur den Pfosten (69.). Kurz vor Schluss hatte der eingewechselte Adetula noch eine weitere Möglichkeit, doch der Kopfball misslang gründlich. Bezeichnend für diesen Tag.

Man dürfe jetzt nicht alles infrage stellen, sagte übrigens Kevin Grund auch noch und hat damit den Verantwortlichen aus der Seele gesprochen. „Wir sind eine Topmannschaft und zusammen kommen wir da auch wieder raus.” Was es am kommenden Samstag beim Schlusslicht Bergisch Gladbach zu beweisen gilt. Denn die vermeintlich Kleinen sind gefährlich, was auch Spitzenreiter SV Rödinghausen gegen Wattenscheid (2:2) zu spüren bekam.

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