Fußball

Für den MSV Duisburg gab es viele Gründe, um sich zu ärgern

Tobias Müller dreht jubelnd ab, während der Ball hinter Leo Weinkauf im Netz zappelt. Florian Brügmann mag gar nicht hinschauen.

Tobias Müller dreht jubelnd ab, während der Ball hinter Leo Weinkauf im Netz zappelt. Florian Brügmann mag gar nicht hinschauen.

Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing

Duisburg.  Trainer Torsten Lieberknecht hatte einen Disput mit dem Schiedsrichterassistenten. Die Entscheidungen von dessen „Chef“ waren auch problematisch.

Die Nachbetrachtung zum 1:1 des MSV Duisburg in Magdeburg kommt heute als Lose-Blatt-Sammlung miteinander nicht verbundener Ereignisse während der unseligerweise mehr als 90 Minuten daher. Das gemeinsame Motto des Drittliga-Kicks: „Man muss sich ärgern.“

Man muss sich über den Linienrichter ärgern. Trainer Torsten Lieberknecht diskutierte in der ersten Halbzeit mit dem Mann auf der Haupttribünenseite. Der habe dann zum Duisburger Coach gesagt: Man solle sich „auf seinen Arsch setzen“ und „die Schnauze halten“. So zitierte der Coach Lieberknecht im Fernsehen den Assistenten und blieb auch bei der Pressekonferenz dabei. Lieberknecht fügte hinzu: „Wenn ich das gesagt hätte, dann hätte ich direkt Rot bekommen.“ Und sehr zu Recht. Was nun hoffentlich auch den DFB zu einer Nachfrage bei dem Mann mit der Fahne veranlasst.

Man muss sich ärgern über den Schiedsrichter. Die Zebras kassierten sechs Gelbe Karten, mitunter für eher lässliche oder gar keine Sünden. Als dann Dominik Ernst in der Nachspielzeit böse in Moritz Stoppelkamp rauschte, fand der Unparteiische zur Nachsicht, statt Rot zu zeigen. Glück für die Zebras: Am Samstag gab es Entwarnung. Der Cheftorjäger mit acht Treffern in diesem Spieljahr, der mit Eis am Fuß in die Kabine humpelte, kann am Samstag gegen 1860 auflaufen. Die Ärzte diagnostizierten lediglich eine Prellung am Sprunggelenk.

Weitere Untersuchungen bei Sicker

Denn auch das ist ein Ärgernis: Das Verletzungspech bleibt dem MSV treu wie ein Pinguin dem anderen am Südpol. Nach knapp einer Stunde musste Arne Sicker mit muskulären Problemen am Oberschenkel raus. In dieser Woche sollen weitere Untersuchungen in der Unfallklinik folgen. Die Sache sieht offenbar ernst aus, denn bei einem Mückenstich käme die Diagnose schneller. Bereits in Mannheim warf es Connor Krempicki mit einem Fußbruch aus dem Rennen. Trainer Lieberknecht hatte bereits vor dem Freitagspiel gezählt und war auf lediglich 17 Feldspieler gekommen.

Möglich, dass Arnold Budimbu seine Erkältung in dieser Woche auskuriert. Trotzdem steht fest: Der Maschinenraum der Zebras ist stark unterbesetzt. Dem Trainer gehen die Alternativen aus. Florian Brügmann sprang für Sicker ein und bekannte, dass er sich an die Saison „herantastet“. Seine Schonzeit ist vorbei. Leroy-Jacques Mickels stieg vom Joker zum Mann für die Startelf auf. Sein Tor lohnte das Vertrauen. Trotzdem: Welchen Scheit kann der Trainer im Laufe eines Spiels noch mal ins Feuer werfen?

MSV-Torwart Weinkauf sieht vor dem 1:1 nicht gut aus

Auch dafür ein Beispiel: Ahmed Engin kam am Freitag für Mickels, ließ in der Nachspielzeit ohne große Not einen Ball ins Aus laufen. Von einem Mann mit Zweitliga-Erfahrung hätte man sich etwas mehr Cleverness gewünscht. Aber auch Engin kommt erst nach einer Verletzungsauszeit in der Vorbereitung zurück. Der Abschlag war dann der Anfang vom 1:1. Da sah dann auch Torwart Leo Weinkauf nicht wirklich gut aus. Darüber muss man sich freilich nicht ärgern. Der MSV hat sich als Ausbildungsverein feiern lassen. Da zahlt man schon mal Lehrgeld, zum Beispiel, weil sich ein junger Keeper im Liniendienst fortbilden muss.

Dazu passt, dass sich Trainer Lieberknecht weniger über das Tor als vor allem über eins grämte: Seine Mannschaft habe den „Deckel nicht drauf gemacht“ oder den „Sack nicht zugebunden“. Jedenfalls schoss der MSV das mögliche 2:0 nicht. Nach dem 1:0 spielte der Gast „sehr erwachsen Fußball“, wie Magdeburgs Trainer Krämer einräumte. Da waren Ballpassagen dabei, dass man spontan mit dem Finger schnippen wollte. Die Leistung nach der Pause war dann jedoch eher halbstark. Der Coach hatte das offensive Verteidigen in der langen Länderspielpause geübt. Was ganz gut gelang – bis zum Gegentor – war das Verteidigen. Offensiv war aber wenig bis nichts. Der Gast fuhr keinen einzigen klugen Konter. Ähnlich wie beim 3:4 in Waldhof muss man festhalten: Es fehlen dem MSV nur wenige Meter zu einer echten Spitzenmannschaft. Doch diese wenigen Meter fehlen eben noch.

Und schließlich, dass die Partie gegen Meppen dem Dachschaden zum Opfer gefallen ist, nervt nun ein bisschen mehr. Mal angenommen die Zebras hätten das Heimspiel gewonnen, der Punkt aus Magdeburg wäre dann in die Kategorie gefallen: „Schon okay!“ Nun klafft – wenn auch nur bedingt durch die windschiefe Tabelle – eine Lücke zu den Plätzen mit Aussicht. Für Samstag gegen 1860 gilt nun nicht mehr: „Mit einem Punkt muss man manchmal auch zufrieden sein.“

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