Tönnies-Beerdigung

Bewegender Abschied von Revier-Legende Michael Tönnies

Beim Abschied waren zahlreiche Freunde, Weggefährten und Fans dabei.

Beim Abschied waren zahlreiche Freunde, Weggefährten und Fans dabei.

Foto: Kai Kitschenberg

Duisburg.  Am Freitag ist Michael Tönnies beigesetzt worden. Es war ein bewegender Abschied. Michael Tarnat hatte die weiteste Anreise.

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Es waren bewegende Momente. Über 600 Menschen nahmen am Freitag Abschied von Michael Tönnies. Der ehemalige Bundesliga-Torjäger des MSV Duisburg war vor wenigen Tagen im Alter von 57 Jahren an einer Lungenembolie verstorben. Die traurige Nachricht hatte vor allem im Ruhrpott, wo Tönnies beheimatet war und in jungen Jahren auch für Schalke 04 und Rot-Weiß Essen stürmte, tiefe Betroffenheit ausgelöst.

In der Immanuelkirche in Essen-Schonnebeck begann die Trauerfeier mit einem Lied, das alles über Tönnies aussagte. „Dieser Weg wird kein leichter sein“ von Xavier Naidoo beschrieb den langen Kampf, den Tönnies nach seiner schweren Lungenerkrankung bestreiten musste. Er bekam 2013 eine Spenderlunge, schöpfte neuen Lebensmut. Pfarrerin Karin Pahlke baute ihre Trauerrede auf Fußball-Bezug auf: „Das Spiel ist abgepfiffen, dabei hatte es sogar Verlängerung gegeben. Ihm sind nach der Lungentransplantation vier Jahre geschenkt worden. Michael Tönnies kannte den jubelnden Fangesang, aber auch das Abseits.“

Die Pfarrerin fügte hinzu: „Es bleiben schöne Erinnerungen. Die sind nicht dazu da, uns traurig zu machen. Diese Erinnerungen kann niemand wegnehmen.“

Nach der Trauerfeier wurde die Urne von Michael Tönnies zum einige hundert Meter entfernten Friedhof getragen. Joachim Hopp, ehemaliger MSV-Teamkollege des verstorbenen Torjägers: „Es war ein beeindruckender Trauermarsch. Man muss auch der Familie von Michael Tönnies Bewunderung ausdrücken, dass sie die Beisetzung in diesem großen Rahmen durchgeführt haben. Ich denke, das ist nicht so einfach.“

Auch viele ehemalige MSV-Teamkollegen bei der Beerdigung

Neben Klub-Ikone Bernard Dietz, dem aktuellen Trainer Ilia Gruev und Sportchef Ivoca Grlic waren auch die ehemaligen Duisburger Teamkollegen Franz-Josef Steininger, Michael Struckmann, Heribert Macherey, Rachid Azzouzi, Jörg und Ralf Kessen, Stefan Janßen, Uwe Kober, Manfred Tebeck und Lothar Woelk erschienen, um „Tönni“ auf seinem letzten Weg zu begleiten. Woelk: „Ich habe die Nachricht, dass Michael verstorben ist, unmittelbar nach meiner Knieoperation im Krankenhaus erhalten.“

Uwe Kober, langjähriger Zimmerkollege von Tönnies, hatte sich einige Tage nach der Trauernachricht wieder gefangen: „Die ersten drei Tage fand ich richtig schlimm, weil man es noch gar nicht realisieren konnte. Aber mittlerweile hat man sich mit dem Gedanken vertraut gemacht.“ Rachid Azzouzi, der aus seinem Wohnort Hamburg anreiste, stellte fest: „Wenn ich an Michael Tönnies denke, muss ich sofort lachen, weil mir viele lustige Sachen einfallen, die wir erlebt haben. Und ich finde, dass ist ein schönes Gefühl.“

Michael Tarnat hatte die weiteste Anreise

Die weiteste Anreise hatte Michael Tarnat, der einst vom SV Hilden-Nord zum MSV Duisburg wechselte und beim legendären Tönnies-Spektakel (fünf Tore beim 6:2 gegen Karlsruhe im August 1991) auf dem Rasen dabei war. „Ich bin um 5 Uhr morgens in meinem Wohnort München losgefahren. Pino Steininger hatte mir die traurige Nachricht übermittelt, da wollte ich natürlich beim Abschied-Nehmen dabei sein“, so Tarnat. Die Tatsache, dass Tarnat zusammen mit Bachirou Salou ein Rosenblatt ins Urnengrab gleiten ließ, zeigt, dass auch alte Wunden verheilen. Tarnat, damals im Bayern-Trikot, hatte Duisburgs Salou im DFB-Pokalfinale 1998 gefoult. Salou musste getackert und schließlich ausgewechselt werden. Die Bayern gewannen 2:1. Tarnat war seitdem bei den Zebra-Fans unten durch. „Ich habe mich bei Bachi entschuldigt. Was damals auf dem Platz passiert ist, darf bei so einer Trauerfeier kein Thema mehr sein. Es gab für mich keine Überlegung, nicht nach Essen zu kommen“, erklärt Tarnat.

Von Michael Tönnies ehemaligem Verein Schalke 04 war Ex-Nationalspieler Klaus Fischer zusammen mit Funktionär Bodo Menze als Delegation vor Ort. Knut Hartwig und Christian Broos, beides Teamkollegen bei „Tönnis“ letzter Profistation Wuppertaler SV, nahmen ebenfalls Abschied vom „Tornado“. Nach der Trauerfeier war Zeit für Dönekes. An einem Tisch hatten sich die alten MSV-Aufsteiger von 1991 zusammengefunden: Lothar Woelk, Rachid Azzouzi, Pino Steininger, Ferenc Schmidt, Heribert Macherey, Manfred Tebeck und Michael Tarnat plauderten aus dem Nähkästchen. Schmidt: „Ich kenne zig lustige Geschichten über Michael. Ich kann mich an ein Trainingslager erinnern, bei dem abends drei Viertel der Mannschaft auf seinem Zimmer hockte. Man konnte in dem Raum nichts sehen, weil die Rauchschwaden so dicht waren. Michael war ein Riesen-Typ. Ich mochte ihn richtig gut leiden.“ So bleibt Michael Tönnies seiner Familie, Freunden, Teamkollegen und Fans in Erinnerung.

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