Kommentar

Krise in München: Kovac ist nur ein Bayernopfer

Bayern-Trainer Niko Kovac

Bayern-Trainer Niko Kovac

Foto: dpa

Essen.  Die Bayern stehen neun Punkte hinter den Dortmundern auf Platz fünf in der Tabelle. Niko Kovac wird wissen, was das heißt. Ein Kommentar.

Als Aufsteiger Fortuna Düsseldorf beim FC Bayern in der Nachspielzeit zum 3:3 ausglich, erstarrte das Gesicht von Niko Kovac. Der Trainer musste sich fühlen, als sei er gerade auf einen Wagen gefahren, in dem fünf Anwälte sitzen.

Es ist noch gar nicht lange her, da haben sich Bundesligaprofis vor Spielen in München noch schnell eine Gelbsperre abgeholt, und Trainer schickten eine bewusst ersatzgeschwächte Mannschaft dorthin – weil sie wussten, dass ohnehin nichts zu holen war. Und heute? Wechselt Kovac in der Nachspielzeit Verteidiger Mats Hummels für Angreifer Thomas Müller ein, um auf Zeit zu spielen und ein 3:2 gegen Düsseldorf über die Zeit zu bringen. Hat dann trotzdem nicht geklappt.

Was Platz fünf bedeutet

Neun Punkte hinter den nicht nachlassenden, nach wie vor ungeschlagenen, beeindruckend funktionierenden Dortmunder Borussen. Platz fünf. Was das für Niko Kovac bedeutet, wird er selbst wissen.

Präsident Uli Hoeneß reagierte reflexartig – wie erwartet. Man müsse sich „erst mal übers Wochenende Gedanken machen“, eine Trennung vom Trainer sei „im Moment“ kein Thema, am Dienstag gegen Benfica Lissabon „heißt unser Trainer mit Sicherheit Niko Kovac“.

Kovac hat längst jeglichen Kredit verspielt.

Die Bayern-Bosse wollen also etwas Zeit gewinnen. Kovac hat längst jeglichen Kredit verspielt. Die prominent besetzte Mannschaft wirkt unstrukturiert, er selbst wirft ihr Sorglosigkeit und fehlende Konzentration vor. Die Krönung aber ist diese Analyse des Trainers: „Ich glaube, dass wir das 90 Minuten ordentlich gemacht haben, wenn man mal die Tore abzieht.“ Absurd.

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge werden einen Neuen finden. Auf dem Markt der Möglichkeiten werden Zinédine Zidane, Arsène Wenger, Ralph Hasenhüttl und Miroslav Klose gehandelt. Aber egal, wen sie holen – die Bayern-Bosse machen sich etwas vor. Sie waren es, die eine Erneuerung der Mannschaft verweigerten, die sich für Niko Kovac entschieden, die den Scheinsportdirektor Hasan Salihamidzic installierten. Sie bräuchten starke Partner, starke Zuarbeiter, starke Ratgeber. Aber sie sichern lieber ihre Macht. Wenn sie Niko Kovac opfern, übertünchen sie nur das wahre Problem. Das sind sie nämlich selbst.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben