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Zweiter - aber Mönchengladbach hebt jetzt nicht ab

Borussia Mönchengladbach jubelt: Oscar Wendt feiert nach dem 2:0 auf Schalke mit den Fans.

Borussia Mönchengladbach jubelt: Oscar Wendt feiert nach dem 2:0 auf Schalke mit den Fans.

Foto: firo

Mit dem 2:0-Sieg auf Schalke gelang Borussia Mönchengladbach der Sprung auf den zweiten Platz. Die Spieler aber blieben zurückhaltend.

Dieter Hecking wusste, was kommen würde. Borussia Mönchengladbachs Trainer ist zu lange im Geschäft, um noch überrascht werden zu können von öffentlichen Aufgeregtheiten. Als also schon direkt nach dem 2:0-Sieg bei Schalke 04 der TV-Experte und Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus beim Sender Sky das ganz große Fass aufmachte, indem er seinen auf Platz zwei vorgerückten früheren Verein zum „Dortmund-Jäger Nummer eins“ ausrief, da lächelte Hecking nur. Und entgegnete dann: „Es ist noch viel zu früh, um über irgendetwas zu reden. Ab sofort muss schon der Fokus auf unserem nächsten Spiel am Samstag gegen Hertha BSC liegen.“

Die Champions League im Blick

Auch die Spieler klangen kaum anders als ihr Trainer, vermutlich haben sie sich nicht einmal vorher abgesprochen. Die Gladbacher wissen sich selbst einfach richtig einzuschätzen. Sie wirken so vernunftorientiert und geerdet, dass sie gar nicht erst in die Versuchung kommen, in einer erfolgreichen Phase wie dieser abzuheben. Sie faseln jetzt nicht plötzlich von Chancen auf die Meisterschaft, sondern sie verlieren das wichtigste, das realistisch erscheinende Ziel nicht aus den Augen: Über die Champions League trauen sie sich sogar zu reden. „Viele von uns waren schon mal da“, sagte Kapitän Lars Stindl und musste dann nicht mehr erklären, was er damit ausdrücken wollte.

Mit dieser Linie sind die Gladbacher bisher gut gefahren. Sie vertrauen auf ihre Stärken, bleiben geduldig, stehen hinten kompakt und haben vorne jederzeit die Möglichkeit, Spiele zu entscheiden. Wie am Samstag, als Hecking nach dem Feldverweis für Schalkes Torwart Alexander Nübel wegen einer Notbremse gegen Thorgan Hazard nach einer Stunde Spielzeit Umstellungen vornahm und den Sieg einwechselte: Die Tore in der Schlussphase erzielten Christoph Kramer (85.) und Florian Neuhaus (90.).

Kramer, Ex-Nationalspieler, Weltmeister, ZDF-Experte und im aktuellen Erfolgsteam der Borussia eher in der Rolle des Teilzeitarbeiters, genoss den Sieg auf Schalke sichtlich. Mit einem Kunstschuss hatte er ihn eingeleitet, er gab aber zu, dass ihm der Ball, den er mit links volley in die Maschen drosch, zuvor bei der Annahme mit rechts „ein bisschen versprungen“ sei. Selbstverständlich durfte sich der 27-Jährige nach dieser Partie als Gewinner fühlen, doch er vermied es, daraus Ansprüche abzuleiten. Vielmehr erwies er sich als ein Mannschaftsspieler, wie ihn sich jeder Trainer wünscht: „Natürlich kann ich nicht damit zufrieden sein, von der Bank zu kommen“, sagte er zwar, doch Entscheidendes fügte er an: „Herumzunörgeln, das ist nicht meine Art. Die Mannschaft spielt doch gut und bietet wenige Gründe für Veränderungen. Ich finde, dass es sich einfach nicht gehören würde, jetzt schlechte Laune zu verbreiten. Es ist keine einfache Phase für mich, aber es ist auch nicht so, dass ich den ganz großen Frust schiebe.“

Wer so redet, macht sich natürlich Freunde unter den Arbeitskollegen. Das hat auch der Trainer anerkennend registriert: „Dass Christophs Tor der Dosenöffner für uns war, das freut jeden bei uns im Kader“, sagte der ebenfalls erfreute Dieter Hecking.

Keine übermütigen Aussagen

Dass sich auch Kramer nicht zu übermütigen Aussagen verleiten ließ, verwunderte nicht. „Klar fällt es schwer, nicht über die Champions League zu reden“, sagte der Mittelfeldspieler, „nach 20 Bundesligaspielen lügt die Tabelle nicht. Aber wir sollten dringend damit weitermachen, uns auf jeden einzelnen Gegner intensiv vorzubereiten. Das ist unsere größte Stärke.“

Mit diesem unbedingten Willen zur Verbesserung durch alltäglich konzentrierte Arbeit haben es die Gladbacher nun schon auf 42 Punkte gebracht – das ist ihre beste Bilanz zu diesem Saisonzeitpunkt seit 42 Jahren. Damals, 1977, wurden die Borussen am letzten Spieltag Deutscher Meister.

An einen solchen Coup verschwenden sie derzeit keine Gedanken. Sie haben Spaß am Augenblick und wissen, dass sie es tatsächlich weit bringen können, wenn sie in der Spur bleiben. „Wir wollten unsere Auswärtsschwäche ablegen. Wir haben nun in Leverkusen und auf Schalke gewonnen. Das war ein perfekter Start“, bilanzierte Abwehrchef Matthias Ginter erfreut. „Wir werden versuchen, uns weiter zu entwickeln.“

Ginters Prophezeiung

Beim Blick nach ganz oben erkennt der Nationalverteidiger Vorteile bei beiden Konkurrenten. „Bei den Bayern weiß man nie. Es würde mich aber wundern, wenn Borussia Dortmund nicht Deutscher Meister wird“, sagte Ginter – der Gladbacher mit der Dortmunder Vergangenheit.

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