Gladbach-Test

Gladbach ist am Mittwoch Gast in Katars WM-Filiale

Alles prima in der Katar-Filiale Eupen? Der spanische Cheftrainer Jordi Condom Auli auf dem Weg zum Training.  

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Alles prima in der Katar-Filiale Eupen? Der spanische Cheftrainer Jordi Condom Auli auf dem Weg zum Training.   Foto: dpa

Eupen.   Die KAS Eupen gehört seit 2012 vollständig der Aspire Zone Foundation. In Ostbelgien sollen sich katarische und afrikanische Talente entwickeln.

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Im zweiten Testspiel der Vorbereitung tritt Borussia Mönchengladbach am Mittwoch (19.15 Uhr, Stadion am Kehrweg) bei einem der spannendsten Fußballvereine Europas an. Die Königliche Allgemeine Sportvereinigung aus der ostbelgischen Kleinstadt Eupen mischt nicht nur seit einem Jahr bemerkenswert gut in der ersten belgischen Fußball-Liga mit. Die Schwarzhemden gehören seit 2012 zu 100 Prozent der Aspire Zone Foundation. Das Unternehmen aus Katar übernahm Eupen inklusive eines Schuldenbergs von vier Millionen Euro, der kurzerhand eliminiert wurde.

Der Investor aus dem Gastgeberland der WM 2022 nutzt die KAS, um katarische und afrikanische Talente in einer europäischen Liga zu platzieren, die aus der Aspire Academy in Doha und in Dakar/Senegal stammen. Leiter des Langzeitprojekts ist ein Kölner. Der ehemalige FC-Internatschef Christoph Henkel fungiert als Generaldirektor beim letztjährigen Tabellendreizehnten.

„Aspire bewerkstelligt das umfangreichste Fußballspieler-Scouting der Welt“, hebt Henkel im Gespräch mit dieser Zeitung hervor. 17 Länder in Afrika, Asien und Mittel- und Südamerika sind beteiligt. In den vergangenen Jahren wurden rund 3,5 Millionen Talente im Alter ab 14 Jahren begutachtet. In fußballspezifischen Castings. Nur 20 schaffen es jährlich in die Academy im Senegal. Von dort und aus Doha, wo katarische U19- und U21-Spieler sowie Akteure für die Olympia-Auswahl üben, erhält Eupen die Jungtalente. Gut die Hälfte des Kaders des spanischen Cheftrainers Jordi Condom Auli, einem früheren Barcelona-Jugendtrainer, besteht aus Academy-Fußballern.

Warum ausgerechnet Eupen?

Warum ausgerechnet Eupen? Die Bedingungen sind dort günstig. Die Kleinstadt mit 18 000 Einwohnern ist unaufgeregt, vielsprachig, im Fußball erstklassig, die Ausländerregel in Belgiens Profifußball großzügig. Nur sechs Belgier müssen unter den 18 Akteuren auf dem Spielberichtsbogen stehen. Dazu gibt es die 50+1-Regel aus dem deutschen Fußball nicht, die eine private Anteilsmehrheit an einem Klub verbietet. In der Jupiler Pro League gehören die Vereine meist Privatpersonen. Oder Unternehmen. Wie Aspire.

Der Spielstil in Belgien ist offensiv, risikofreudig, technisch gut. „Die Liga wird unterschätzt, auch wenn nur Topteams wie Anderlecht, Club Brügge oder Standard Lüttich in der Bundesliga mithalten könnten“, sagt Eupens Generaldirektor Henkel. Die KAS muss mit einem Etat von rund zehn Millionen Euro auskommen – für alle Bereiche inklusive Mannschaft und Trainer. „Wir wären in Deutschland nur mittlerer Zweitligist“, gibt Henkel zu, „unser Ziel ist es, alljährlich den Klassenerhalt zu schaffen. Und Talente zu entwickeln.“

Ziel: Katarische Talente entwickeln

Zwei bringen in diesem Sommer erstmals prächtig Geld aus Eupen in die Aspire-Kasse: Der nigerianische Angreifer Henry Onyekuru wechselt für acht Millionen Euro zum FC Everton, Senegal-Mittelstürmer Mamadou Sylla für 3,85 Millionen zum Ligakonkurrenten KAA Gent. Aspires Eigennutz liegt aber auch darin, katarische Talente für die eigene Nationalmannschaft bei der WM 2022 zu entwickeln. Katar ist als Gastgeber qualifiziert, als Nummer 79 der Fifa-Rangliste aber derzeit wenig mehr als nur Kanonenfutter.

Dass Aspire das Invest bei KAS Eupen nutzen könnte, afrikanische Talente zu fördern, um sie dann als Kataris für die WM 2022 einzubürgern, erwies sich als vorschneller Vorwurf. „Mit keinem einzigen Spieler ist bisher so verfahren worden. Und weil vor einer möglichen Einbürgerung jemand laut Fifa-Regel fünf Jahre im Land spielen müsste, besteht 2017 letztmals die Möglichkeit“, sagt Christoph Henkel mit Blick auf die WM 2022.

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